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Editorial

Kerstin Wünsch

Chefredakteurin tw tagungswirtschaft kerstin.wuensch@dfv.de

Digitaler Winter

Heute, am 25. November 2020, fassen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die 16 Ministerpräsidenten einen neuen Bund-Länder-Beschluss zur Bekämpfung der SARS-Cov2-Pandemie. Dort wird wohl stehen, dass wir unsere sozialen Kontakte weiter reduzieren müssen, um andere und uns zu schützen. Darauf hat uns Angela Merkel längst in ihrem Podcast vorbereitet: „Der vor uns liegende Winter wird uns allen noch viel abverlangen. Das Virus wird noch eine ganze Weile unser Leben bestimmen. Das bedeutet auch, dass wir uns nicht unbeschwert direkt begegnen können.“

Nach diesem Beschluss übersetzen die Convention Bureaus aller Orten im Eiltempo die Verordnungen ihrer Länder in verständliche Anforderungen für Veranstaltungen. Planer kennen das: im Frühjahr haben sie ihre Kongresse und Messen abgesagt und verschoben, im Sommer auf hybrid umgestellt und im Herbst auf digital. Der World Health Summit 2020 etwa stellt in wenigen Tagen um von hybrid auf digital. Dass der Winter digital wird, ist angesichts der Inzidenz sicher. Doch wie wird das nächste Jahr?

Nach der Planungsunsicherheit in 2020 verschaffen sich erste Veranstalter Planungssicherheit für 2021: Das Stockholm International Water Institute hält seine „World Water Week“ vom 23. bis 27. August 2021 digital ab. „Für uns war es wichtig, in dieser Frage Führungsstärke zu zeigen und unsere Community frühzeitig einzubinden. So haben wir Zeit, eine digitale Veranstaltung vorzubereiten und zusammenzuarbeiten“, sagt Gabriela Suhoschi, Director, World Water Week & Prizes, und gesteht eine „Ermüdung bei der Arbeit mit Unsicherheiten“.

Die Veranstaltungsindustrie versucht weiterhin unermüdlich für Sicherheit zu sorgen, indem sie an Hygiene- und Schutzkonzepten feilt und Corona-Schnelltests einführt. Und dennoch fühlen sich viele Teilnehmer bei steigenden Infektionszahlen nicht sicher. Immerhin sind erste Impfstoffe gefunden und in Deutschland 60 Impfzentren geplant. Sechs davon in Berlin, eines davon auf dem Gelände der Messe Berlin. Doch selbst, wenn der Impfstoff im Frühjahr verfügbar ist, vergehen laut der WHO drei Jahre, bis die Bundesbürger geimpft sind.

Für unsere Branche heißt das: durchhalten und zusammenhalten! Die Corona-Krise verläuft in Phasen und für jeden anders. Die einen kämpfen um ihr Überleben und für finanzielle Unterstützung wie die Novemberhilfe. Andere suchen nach Lösungen, tauschen sich interdisziplinär aus wie bei „Meet the Change“ und probieren sich digital aus auf der „BOCOM – Experience Borderless Communication“ oder dem re:publica Campus. Es entstehen Experimentierräume für Events, und 2021 könnte ein Showcase für Innovationen werden.

Virtuelle Formate werden immer besser und wir im Umgang mit diesen. Trotz „Zoom-Fatigue“ und sozialer Sehnsucht lernen wir, ohne oder mit wenigen Kongressen und Messen in Präsenz auszukommen. Doch was ist, wenn Veranstaltungen in Vergessenheit geraten? Wir wollen die Erinnerung wachhalten und haben Sie nach Ihren eindrücklichen Erlebnissen auf Business Events gefragt – Ihre großen Aha-Momente, Ihre bedeutsamsten Begegnungen. Und Sie, Sie haben sich rege beteiligt, und uns gezeigt, warum wir uns wieder treffen müssen. Dafür unser großer Dank.

„Die Möglichkeiten neuer Kommunikationsmittel können helfen, sind aber natürlich kein Ersatz für persönliche Begegnungen“, weiß auch Kanzlerin Angela Merkel. Gerade jetzt, da es dunkel wird, still und einsam.

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