Corona-Schnelltests

Eine Chance für Veranstaltungen

Auf der Wiener Tourismuskonferenz sorgten COVID-19 Schnelltests für mehr Sicherheit. Foto: WienTourismus, Paul Bauer

Corona-Schnelltests

Eine Chance für Veranstaltungen

Auf der Wiener Tourismuskonferenz sorgten COVID-19 Schnelltests für mehr Sicherheit. Foto: WienTourismus, Paul Bauer

Corona-Schnelltests sind ein Hoffnungsträger für die Hotel- und Eventindustrie, um ihr Veranstaltungsgeschäft wieder aufzunehmen. Die Testverfahren eignen sich insbesondere für Events, weil sie schnelle Resultate liefern und direkt vor Ort durchgeführt werden können. Doch wie sicher sind die Ergebnisse? Ein paar Erfahrungswerte konnten bereits gesammelt werden.

Das Austria Center Vienna hat im September 2020 als erstes Veranstaltungshaus in Europa ein großes Pilotprojekt in Kooperation mit der Wirtschaftsuniversität Wien gestartet. Bei den Einführungsvorlesungen mit rund 2.000 Personen ist ein neues Antigen-Schnelltestverfahren getestet worden, bei dem bereits nach 15 Minuten feststehen soll, ob bei der getesteten Person eine COVID-19 Infektion vorliegt oder nicht. „Mit dem Schnelltest-Pilotprojekt möchten wir dazu beitragen, dass künftig Veranstaltungen in Wien mit einem höchstmöglichen Sicherheitsstandard stattfinden können. Wir sind den Studierenden der WU sehr dankbar, dass sie uns mit ihrer Teilnahme in diesem wichtigen Vorhaben unterstützen“, sagt Susanne Baumann-Söllner, Direktorin des Austria Center Vienna.

Zur Testung wird ein Rachenabstrich durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt. Nach Auftragen einiger Tropfen auf einer Testkassette erfolgt eine Auswertung per Streifen-Anzeige, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Um auch bei der Durchführung für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen und um die Personenansammlungen zu entzerren, sind mehrere Teststraßen eingerichtet worden. „Für die schnelle Durchführung der Tests haben wir am überdachten Vorplatz zahlreiche Teststraßen aufgebaut. Nachdem der Abstrich durch medizinisches Fachpersonal genommen wurde, können die Studierenden den Großteil des restlichen Tests in nur wenigen Minuten selbst durchführen und bei Vorweisen des negativen Ergebnisses direkt das Gebäude betreten“, erläutert Baumann-Söllner die Vorgehensweise.

Die Teilnehmer durchlaufen mehrere Teststraßen um einen geordneten Ablauf zu gewährleisten. Foto: IAKW-AG.

Die Testabgabe erfolgte komplett anonym, die Kosten für das Pilotprojekt hat größtenteils das Kongresszentrum übernommen, die Wirtschaftsuniversität Wien beteiligte sich. „Unser Sample mit über 1.000 Studierenden pro Lehrveranstaltung ist so groß, dass wir hier wirklich konkrete Erkenntnisse für die Risikoeinschätzung des universitären Lehrbetriebs vor Ort im nächsten Semester bekommen“, so Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien Edeltraud Hanappi-Egger.

Die zentrale Erkenntnis des Projektes lautet: Schnelltests sind in der Praxis wirtschaftlich und organisatorisch durchführbar und bilden eine sinnvolle Ergänzung innerhalb eines Hygiene- und Sicherheitskonzepts. Zudem konnten Erkenntnisse zu notwendigen Vorlaufzeiten vor Veranstaltungen und dem Personalaufwand gewonnen werden: Als Grundlage für die Vorlaufzeiten können 30 Sekunden pro Abstrich genommen werden, daraus errechnet sich die notwendige Anzahl der Teststraßen bzw. die Zeitslots für die Teilnehmer. Die Durchführung des Tests vom Abstrich bis zur Sichtbarkeit des Ergebnisses dauerte im Schnitt zwischen sechs bis zehn Minuten. Pro Teststraße sind eine medizinische Fachkraft für den Rachenabstrich sowie zwei bis drei Assistenten zur Vorbereitung der Lösung und Betreuung der Testpersonen notwendig, hinzu kommt ein Sanitäter-Team am Ende der Straße für die Betreuung der positiven Fälle.

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Wiener Tourismuskonferenz: Ein wichtiges Signal für die Branche

Ein jährlich stattfindendes Branchen-Event, das trotz Covid-19 sicher über die Bühne geht und dabei seine Wirkung nicht verfehlt? Ja, das geht, wie die Wiener Tourismuskonferenz 2020 des WienTourismus Ende September eindrucksvoll demonstriert hat. Die Lösung? Ein hybrides Event unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen und mit Corona-Schnelltests.

Im Falle eines positiven Tests müssen auch Vorkehrungen getroffen werden, denn die betroffene Person muss umgehend von den anderen Teilnehmern isoliert werden. Insgesamt gab es im Rahmen des Projekts fünf positive Testergebnisse, also einen Anteil von rund 0,25 Prozent. Nach Isolierung und der Durchführung eines zusätzlichen PCR-Tests wurden die fünf Verdachtsfälle einzeln in Heimquarantäne gebracht. Am zweiten Veranstaltungstag wurde eine Person positiv getestet, welche am ersten Tag ein negatives Ergebnis hatte. An diesem Fall wird deutlich, dass bei mehrtägigen Veranstaltungen täglich ein Schnelltest durchgeführt werden sollte.

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Auch die Berliner Eventlocation AXICA hat Anfang November einen Probedurchlauf mit Corona-Schnelltests für Veranstaltungen gestartet. Als Partner haben sie sich die Firma LIMA zur Seite geholt. Für die Veranstaltung haben sie ihre Gäste in vier Time-Slots eingeladen, um so Wartezeiten zu vermeiden. Nach Abnahme des Tests durch medizinisches Personal, hat es etwa 15 Minuten gedauert, bis das Ergebnis auf dem Teststreifen sichtbar war. Zur Durchführung des Tests gab es einen eigenen Abstrichraum sowie drei Wartezonen mit je vier Plätzen. Zudem waren die Wege durch ein Leitsystem klar vorgegeben. Für positive Fälle wurde ein Quarantäneraum eingerichtet.

Bei dem Testlauf wurden innerhalb von 39 Minuten 63 Personen getestet und fünf Fachkräfte waren im Einsatz. Alle Probanden wiesen ein negatives Ergebnis auf. Auf der Veranstaltung selbst wurde dennoch weiterhin der Mund-Nasen-Schutz getragen, sowie auf die Sicherheitsabstände geachtet. „Für uns stehen der persönliche Austausch und die Begegnung im Mittelpunkt unseres täglichen Handelns. Wenn uns diese Schnelltests dabei helfen, Veranstaltungen mit Gästen hier bei uns in der Location wieder möglich zu machen, werden wir alles dafür tun, unsere Kunden und Gäste bei der Organisation in diesem speziellen Punkt zu unterstützen“, so AXICA-Geschäftsführer Marc Mundstock. Auch Stephan Mahnecke und Frank Lienert von LIMA zogen Bilanz und zeigten sich zufrieden mit dem logistischen, zeitlichen und inhaltlichen Ablauf der Testreihe. Sie zeigten sich zuversichtlich, dass auch bei höheren Gästezahlen eine Umsetzung machbar ist.

Marc Mundstock, AXICA-Geschäftsführer. Foto: AXICA, Thomas Rafalzyk

Eine absolute Sicherheit vor COVID-19 können die Corona-Schnelltests zwar nicht geben, dennoch sind sie ein hilfreiches Werkzeug um die Gefahr einer Ansteckung bei Veranstaltungen zu verringern. „Solange es eine Bedrohung durch COVID-19 gibt, wird es immer einen gewissen Unsicherheitsfaktor für Live-Events und Veranstaltungen geben. Auch wenn Corona-Schnelltests keine 100 Prozent Sicherheit geben können, ist es meines Erachtens die einzige Möglichkeit für Teilnehmer 'unbeschwert' auf Veranstaltungen sein zu können und für Veranstalter die beste Möglichkeit, das Ansteckungsrisiko zu minimieren“, sagt Christian Kuhn, Geschäftsführer der dfv Conference Group. Die Veranstaltungstochter der dfv Mediengruppe organisiert jährlich rund 35 Kongresse und Konferenzen, wie den deutschen Hotelkongress, für verschiedene Branchen und Themen. Für Christian Kuhn sind die Corona-Schnelltests das Thema für Veranstaltungen. Die dfvcg plant, diese 2021 bei ihren größeren Veranstaltungen durchzuführen. „Wir sind derzeit im Gespräch mit mehreren Unternehmen, die Corona-Schnelltests anbieten“, erklärt Kuhn. Ein Risiko der Schnelltests sieht er in finanzieller und organisatorischer Natur, da die Tests und die Durchführung viel Geld kosten und einen hohen Grad an Vorbereitung durch den Veranstalter verlangen. Er sieht sie dennoch vor allem als Chance, denn durch Corona-Schnelltests könne das Vertrauen in Veranstaltungen zurückgewonnen werden.

Welche Coronatests werden verwendet?

1. PCR-Test

2. PCR-Schnelltest

3. Antigen-Test

Für Hotels können Corona-Schnelltests ebenfalls eine Möglichkeit sein, um Veranstaltungen wieder durchzuführen. Das Palais Hansen Kempinski in Wien bietet einen COVID-19 Antigen-Schnelltest für Gäste von Veranstaltungen und Gruppenbuchungen an. Die Tests werden direkt vor Ort im Hotel von geschultem medizinischem Personal durchgeführt, die Ergebnisse liegen innerhalb von 15 Minuten vor. Veranstalter haben damit die Möglichkeit, ihre Events noch sicherer zu gestalten. Die Tests können ab einer Gruppengröße von fünf Personen organisiert werden und sind für private wie geschäftliche Events verfügbar. Der COVID-19-Beauftragte des Hotels erstellt auf Wunsch für jede Veranstaltung ein Präventionskonzept und kümmert sich um die Organisation der Tests und des geschulten Personals, das die Tests durchführt.

„Als Mediziner ist es für mich ein logischer Schritt, diese Eingangstestung für Veranstaltungen einzusetzen. Die Genauigkeit beträgt über 95 Prozent, und das Ergebnis liegt innerhalb einer halben Stunde vor.“

Dr. Clemens Ritter von Kempski

Auch Hotels in Deutschland, wie die Flemings Hotels, bieten professionelle COVID-19-Schnelltests zur sicheren Durchführung von Veranstaltungen an. Seit Mitte November haben Tagungsveranstalter in allen Frankfurter Häusern der Hotelgruppe die Möglichkeit, ihre Teilnehmer vor Beginn der Veranstaltung auf das Coronavirus testen zu lassen. Der Antigen-Schnelltest erfolgt direkt im Hotel und wird mit 59 Euro pro Person berechnet. Die Ergebnisse liegen auch hier in 15 Minuten vor und sollen eine Genauigkeit von 95 Prozent bieten. In Kombination mit dem Hygienekonzept, soll der Schnelltest für noch mehr Sicherheit sorgen.

Diesen Ansatz verfolgen auch die Ritter von Kempski Privathotels, die ihren Gästen und Mitarbeitern ebenfalls einen Antigen-Schnelltest anbieten. Veranstaltungsgäste im Naturresort Schindelbruch können freiwillig den Test vor Ort von einer medizinischen Fachkraft durchführen lassen. Dr. Clemens Ritter von Kempski, Eigentümer und Geschäftsführer der Ritter von Kempski Privathotels und selbst Mediziner, sieht in der Testung die Chance, sicherere Veranstaltungen zu ermöglichen. „Als Mediziner ist es für mich ein logischer Schritt, diese Eingangstestung für Veranstaltungen einzusetzen. Die Genauigkeit beträgt über 95 Prozent, und das Ergebnis liegt innerhalb einer halben Stunde vor. Im Falle eines positiven Testergebnisses erfolgt eine Stunde später ein Zweittest, um ein falsch-positives Ergebnis auszuschließen“. Entscheidend sei, dass dieses Konzept auch von Hotels in Zusammenarbeit mit lokalen Gesundheitsdienstleistern kurzfristig umgesetzt werden kann. Die Ritter von Kempski Privathotels berechnen für das Testen einmalig 28 Euro pro Person, die alle Kosten (Test und Fachkraft) abdecken. Auf den ersten Veranstaltungen wurden die Schnelltests bereits erfolgreich erprobt. „Die Teilnehmer haben das Angebot dankbar angenommen und uns ein positives Feedback gegeben. Es wird ein wichtiger Bestandteil unseres umfangreichen Corona-Sicherheitskonzeptes“, ergänzt Dr. Clemens Ritter von Kempski.

Der Test kann zudem intern für die Testung von Mitarbeitern eingesetzt werden, die leichte grippale Symptome zeigen. Hier eignet sich der Schnelltest dazu, unverzüglich einen normalen Infekt von einer leicht verlaufenden COVID-19-Erkrankung zu unterscheiden. Als erste Hotelgruppe in Deutschland führen die Ritter von Kempski Privathotels zu den Feiertagen nun auch eine verpflichtende Testung ein, die an Gästen und Mitarbeitern kostenfrei durchgeführt wird. Das Pflichtkonzept ist eine konzeptionelle Antwort auf die Schließungsszenarien und das verabschiedete Infektionsschutzgesetz. „Wenn eine hohe Aufenthaltssicherheit durch Schnelltests und ein umfangreiches und stringentes Sicherheits- und Hygienekonzept gewährleistet werden kann, gibt es keine plausiblen Begründungen für behördlich verordnete Lockdowns und Beherbergungsverbote mehr. Das sollte auch juristisch ein scharfes Schwert sein“, erklärt Dr. Clemens Ritter von Kempski. Auch für Kinder ab einem Alter von zehn Jahren ist der Test verpflichtend. Gäste werden alle 48 Stunden getestet, Mitarbeiter alle 72 Stunden.

Die Entwicklungen im Bereich der Corona-Schnelltests sind dynamisch und die ersten Praxiseinsätze zeigen, dass mit einem durchdachten Konzept, diese eine Chance für die gesamte Industrie darstellen können. Wichtig zu bedenken ist jedoch, dass die Tests als Ergänzung der Hygiene- und Sicherheitskonzepte zu verstehen sein sollten und diese nicht zu ersetzen versuchen. Auch beim Dehoga verfolgt man die Entwicklungen aufmerksam, wie die ahgz berichtet. „Und wir appellieren an die Politik, das Implementieren von Schnelltests im Rahmen einer wirkungsvollen nationalen Teststrategie voranzutreiben“, so Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges in dem Beitrag.

Ein Hoffnungsschimmer also, dass auch in (naher) Zukunft Veranstaltungen wieder face-to-face stattfinden können. Ob und wie die Tests sich durchsetzen, bleibt wohl noch abzuwarten.

Sina Goy

Für die Corona-Schnelltests werden Abstriche des Mund-Rachen-Raums durchgeführt. Foto: IAKW-AG, Ludwig-Schedl

Key Learnings des Pilotprojekts im Austria Center Vienna, bei dem Corona-Schnelltests für 2.000 Studierende eingesetzt wurden

  1. Planbare Vorlaufzeiten Bei guter Organisation der Teststraßen können laut Arbeiter Samariter Bund 30 Sekunden pro Testperson als Grundlage genommen werden. Dies bedeutet, dass pro Teststraße im Schnitt 120 Personen in der Stunde getestet werden können. Je nach Teilnehmeranzahl errechnet sich so die jeweilige Vorlaufzeit.
  2. Dauer Die Durchführung des Tests vom Abstrich bis zur Sichtbarkeit des Ergebnisses dauert im Schnitt zwischen 6-10 Minuten.
  3. Personalaufwand Pro Teststraße sollten ein Sanitäter für den Rachenabstrich sowie zwei bis drei Assistenten eingeplant werden. Zusätzlich ist am Ende der Teststraßen ein Team von medizinischem Fachpersonal sowie mindestens ein Rettungsfahrzeug notwendig.
  4. Anteil positiver Fälle: 0,25 Prozent bei Pilotprojekt
  5. Standardisierter Ablauf im Umgang mit positiven Fällen Bewährt hat sich folgender Ablauf: Sofern ein positives Ergebnis vorliegt, wird die Testperson umgehend isoliert und vom Sanitäter wird direkt vor Ort ein zusätzlicher PCR-Test durchgeführt. Die Person wird vom Rettungsdienst einzeln in Heimquarantäne gefahren.
  6. Tägliche Testung bei mehrtägigen Events erforderlich
  7. Hohe Akzeptanz der Tests durch Teilnehmerinnen und Teilnehmer

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