Foto: HTW Berlin

Editorial

Kerstin Wünsch

Chefredakteurin tw tagungswirtschaft kerstin.wuensch@dfv.de

Ich bin geimpft

Ich bin vollständig geimpft und habe am Sonntag den Termin für meine Auffrischung im Impfzentrum der Messe Berlin vereinbart. Das ging mit wenigen Klicks und war so einfach wie eine Zug-Buchung oder Amazon-Bestellung. Für mich ist das keine Frage gewesen. Von Anfang an nicht. Es macht keinen Unterschied für mich, ob ich zu einer Risikogruppe zähle oder nicht. Ich gehöre nur einer Gruppe an: unserer Gesellschaft, unserer Gemeinschaft. Meine Freiheit bedeutet mir sehr viel, aber nicht alles. Sie endet dort, wo sie andere Menschen gefährdet. Etwa wenn ich andere anstecken könnte, die im schlimmsten Fall um ihr Leben kämpfen müssen oder mit Long-Covid.

Mein Fachgebiet sind Veranstaltungen, nicht (Corona-)Viren. Ich bin dankbar, dass ich in Deutschland lebe, und habe Vertrauen in meine Ärztinnen und Ärzte, unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, in Institute wie das RKI und Institutionen wie das Bundesverfassungsgericht – und ja, größtenteils in unsere Regierung. Ich möchte nicht in der Verantwortung stehen und die Entscheidung für eine Impfpflicht treffen müssen oder einen Lockdown wie in Österreich. Ich bin derer müde, die alles besser wissen und es bei jeder unerwarteten Wendung ja gewusst haben.

Ich stimme Jörn Holtmeier zu. Der Geschäftsführer des AUMA – Messeverband der Deutschen Wirtschaft sagt: "Der Weg aus dieser Pandemie ist das Impfen." Immer wieder fordern Vertreterinnen und Vertreter der Veranstaltungswirtschaft die Menschen auf, sich impfen zu lassen – und die Volksvertreterinnen und Volksvertreter, nicht in Aktionismus zu verfallen. Zunehmend bündeln Branchenverbände ihre Kräfte wie im Forum Veranstaltungswirtschaft oder zur Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft und bitten Politikerinnen und Politiker an den Tisch, um miteinander Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung zu erarbeiten.

"Der Weg aus dieser Pandemie ist das Impfen."

Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des AUMA – Messeverband der Deutschen Wirtschaft

Die Grundlage dafür ist der seit 18. November 2021 und bis 19. März 2022 geltende neue Bund-Länder-Beschluss. Ein zentraler Punkt für Veranstaltungen ist die länderweite Einführung von 2G- oder 2G-Plus-Modellen. Deren Anwendung richtet sich nach der Hospitalisierungsrate (ins Krankenhaus aufgenommene Corona-Patienten je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen): Ab einer Hospitalisierungsrate von 3,0 gilt in einem Bundesland die 2G-Regel (Zugang für Genesene und Geimpfte), ab 6,0 die 2G-Plus-Regel (Zugang für Genesene und Geimpfte mit negativem Coronatest), ab 9,0 können die Länder weitergehende Maßnahmen ergreifen wie Kontaktbeschränkungen.

Während die Deutsche Messe gerade ihre Domotex 2022 für Januar abgesagt hat, hält die Messe Dortmund an ihrer BOE International 2022 am 19./20. Januar fest. Anders als zur Leitmesse für Teppiche und Bodenbeläge reisen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Fachmesse für Erlebnismarketing nicht überwiegend aus dem Ausland an, sondern aus dem Inland. Am Tag der Bund-Länder-Konferenz hat die Hospitalisierungsrate in Nordrhein-Westfalen bei 5,7 gelegen und ist seither auf 3,96 gesunken (24. November 2021). Das BOE-Team verfolgt die Entwicklung genau und befolgt den Maßnahmenkatalog der Landesregierung mit den Regeln für Messen.

Ich finde es bemerkenswert, dass die Dortmunder angesichts von vierter Welle und Winter ihre Fachmesse in Präsenz planen. Schließlich haben wir in 20 Monaten Pandemie gelernt: Das Sicherheitskonzept kann noch so gut sein – wenn die Menschen Sorgen haben, kommen sie nicht. In meinem Kalender 2022 steht jedenfalls für Januar der Besuch der Messe Dortmund zur BOE International und für März der Besuch der Messe Berlin, aber nicht zum Boostern, sondern zur ITB Berlin 2022.

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