Venues

Sicherheitskapitäne

Captain C, ein intelligenter 5G-Roboter, sorgt seit August für Sicherheit im Hong Kong Convention and Exhibition Centre. Foto: HML

Die Pandemie verlangt Betreibern von Venues alles ab. Nachdem ihre Betriebe im Lockdown leer gestanden haben, setzen sie alles daran, die Sicherheit und Gesundheit ihrer Besucher zu gewährleisten. Neue Technologien und TV-Studios kommen ebenso zum Einsatz wie Hygiene-Siegel und Gewinnspiele zur Unterstützung von Impfkampagnen.

Mit seinem Einsatz beim Hong Kong Computer & Communications Festival vom 20. bis 23. August 2021 hat „Captain C“ seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Seither rollt der smarte 5G-Roboter als „Sicherheitskapitän“ durch das Hong Kong Convention and Exhibition Centre (HKCEC). Ausgestattet mit einer hochauflösenden 360-Grad-4K-Überwachungskamera, einer Infrarot-Erkennungskamera und einem Sensorsystem zur Erkennung von Rauch und Feuer, wird er auch für pandemische Präventionsmaßnahmen eingesetzt. Captain C übermittelt Distanzierungserinnerungen an Teilnehmer oder Echtzeitbilder von Personen mit hoher Temperatur oder fehlender Maske an den Sicherheitskontrollraum. „Unser neuer 5G-Smart-Roboter hilft uns außerdem, Ressourcen flexibel zuzuweisen und Veranstaltern und Besuchern sicherere und zuverlässigere Dienste zu bieten“, berichtet Monica Lee-Müller, Managing Director bei der Hong Kong Convention and Exhibition Centre (Management) Limited (HML). Möglich machen das die künstliche Intelligenz und die neue 5G-Infrastruktur im Hong Kong Convention and Exhibition Centre. Das 5G-Netz lässt den Zugriff einer großen Anzahl von Nutzern auf datenintensive Inhalte zu, die Integration von Marketing- und Vertriebsmaßnahmen, z. B. ein stabiles Live-Streaming, oder die Anwendung neuer Technologien wie Augmented Reality.

„Our new 5G smart robot also helps us flexibly allocate resources and provide event organisers and visitors with safer, more reliable services.“

Monica Lee-Müller, Managing Director of Hong Kong

Lee-Müller geht beim Schutz der Gesundheit und Sicherheit von Besuchern in Führung. Dazu gehört für sie die ständige Verbesserung der Präventivmaßnahmen. Zuletzt sind das die Roboter zum Aufsprühen von Antiviren-Desinfektionsmitteln gewesen und neue Lüftungsanlagen mit UV-Lampen. Mitarbeiter und Auftragnehmer müssen vor Betreten des Venues einen negativen Covid-19-Test vorlegen oder ihren Impfpass. Das HKCEC wirkt über seine vier Wände hinaus etwa mit dem Gewinnspiel „Vaccination for All“. Unter den Preisen in Höhe von 64.000 US-Dollar sind Gutscheine für die hauseigenen Restaurants. „Als führendes Unternehmen der Branche freuen wir uns, dazu beizutragen, die Öffentlichkeit zu motivieren, sich impfen zu lassen, um sich und ihre Angehörigen zu schützen und die Erholung unserer Branche zu beschleunigen“, betont Lee-Müller. Ihr ist bewusst, dass das Erreichen von Herdenimmunität durch Impfung für die Wiederbelebung der internationalen Messe- und Reiseindustrie unerlässlich ist. Dank der Präventionsmaßnahmen konnte ihr Team vom 14. bis 20. Juli über 830.000 Besucher begrüßen. „Damit haben wir bewiesen, dass wir in der Lage sind, die Gesundheit und Sicherheit einer großen Teilnehmerzahl zu schützen und eine saubere und hygienische Umgebung zu gewährleisten.”

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Inoffizieller "Gold Standard" in den USA

Um die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter, Gäste und Besucher zu gewährleisten, gilt in den USA bei Großveranstaltungen vermehrt ein inoffizieller „Gold Standard’“, der von Teilnehmern einen vollständigen Impfnachweis verlangt. Aktuelle Beispiele sind die Consumer Electronics Show (CES) und die IMEX America. Global Business Travel Association (GBTA) hat in den USA für ihre GBTA Convention 2021 vom 17. bis 19. November das Orange County Convention Center (OCCC) in Florida gewählt und begründet das wie folgt: „Unser ausgewählter Veranstaltungsort für den GBTA-Kongress 2021 ist wegweisend für sichere Veranstaltungen in unserer neuen Normalität.“ Genauer: Das zweitgrößte US-Kongresszentrum hat die GBAC Star-Accreditation erreicht. Der Global Biorisk Advisory Council (GBAC) unterstützt Organisationen und Unternehmen bei der Vorbereitung auf biologische Bedrohungen, bei der Reaktion darauf und bei der Bewältigung von biologischen Gefahren und Echtzeitkrisen.

Die GBAC Star-Akkreditierung ist darauf ausgerichtet, ein sauberes, sicheres und gesundes Umfeld zu schaffen. Die vom Global Biorisk Advisory Council festgelegten Anforderungen stellen Venues wie Best Practices, Protokolle und Verfahren zur Kontrolle der mit dem Covid-19-Virus verbundenen Risiken bereit. Das Orange County Convention Center hat dafür ein 20-Punkte-Programm durchlaufen, von dem Exekutivdirektor Mark Tester überzeugt ist: „Indem wir einige der strengsten Protokolle des GBAC-Star-Programms in unseren Wiederherstellungs- und Resilienzplan einbeziehen, arbeiten wir weiterhin hart daran, uns von dieser öffentlichen Gesundheitskrise zu erholen.“

GBAC Star-Akkreditierung

  • Einführung und Aufrechterhaltung eines Programms zur Reinigung, Desinfektion und Prävention von Infektionskrankheiten, um die Risiken im Zusammenhang mit Infektionserregern wie dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) zu minimieren.
  • Reinigungsprotokolle, Desinfektionstechniken und Arbeitspraktiken zur Bekämpfung von biologischen Gefahren und Infektionskrankheiten.
  • Gut informierte Reinigungsfachkräfte, die für die Vorbereitung und Reaktion auf Ausbrüche und Infektionskrankheiten geschult sind.

Neueröffnung Estrel Auditorium

Pandemie-erprobte Sicherheits- und Hygienekonzepte gehören mittlerweile zum Standard in Veranstaltungszentren und werden je nach Situation angepasst. Das Estrel Berlin hat für sein Estrel Congress Center (ECC) einen Covid-19-konformen Veranstaltungsleitfaden veröffentlicht und verweist auf seine Größe. Mit der Eröffnung des neuen Auditoriums im Estrel Congress Center (ECC) erweitert es seine Nutzfläche um 5.000 qm auf 30.000 qm. Platz genug, um Sicherheitsabstände einzuhalten. Die Bestuhlung wird in den 80 Räumen je nach Situation angepasst, eine 100%ige Frischluftzufuhr durch eine Klimatisierung sichergestellt.

Im neuen Auditorium im Estrel Congress Center sind die Räume miteinander vernetzt. Bei der musikalischen Einlage der Berliner Symphoniker dirigiert Hansjörg Schellenberger aus dem neuen Auditorium heraus seine Musiker, die sich in Kleingruppen auf die Tagungsräume verteilen. Foto: Estrel Berlin

Der Plenarsaal des neuen Auditoriums im Estrel Congress Center bietet Sitzplätze für 788 Personen, aufsteigende Sitzreihen und eine 48 qm große, fest installierte LED-Wand. Dass das neue Haus nicht nur akustisch, sondern technologisch auf dem neuesten Stand ist, das erlebten die 170 geladenen Gäste zur Eröffnung bei einer musikalischen Einlage der Berliner Symphoniker: Hansjörg Schellenberger dirigierte seine Musiker, die sich in kleinen Gruppen auf die neuen Tagungsräume VIII, VI und XII verteilten. Durch Remote-Kameras und Streaming-Encoder für hybride Events können alle Räume via Video im Auditorium zugeschaltet und untereinander vernetzt werden. Die Eigentümer Ekkehard und Maxim Streletzki betonen: „Wir haben nur modernste Technik verbaut.“ Durch die Eröffnung des Auditoriums bietet Deutschlands mit 1.125 Zimmern größtes Hotel Räumlichkeiten für bis zu 15.000 Personen. „Damit sind wir in die obere Liga der Kongresszentren aufgestiegen“, befindet die geschäftsführende Direktorin Ute Jacobs zur Eröffnung. In seiner Ansprache würdigte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller den Neubau als „wichtiges Projekt für Berlin als international vernetzte Metropole und als Standort für Messe, Kongresse und Events“. Für ihn ist der Tag der Eröffnung am 26. August 2021 ein besonderer und ein guter Tag: „Es geht voran, Berlin ist wieder da.“

Zuversicht und Neustart

Darüber freut sich in Deutschlands Hauptstadt kaum jemand so sehr wie Dr. Ralf G. Kleinhenz, Geschäftsbereichsleiter Guest Events bei der Messe Berlin. Seit dem Bund-Länder-Gipfel im August ist er wie der AUMA – Verband der deutschen Messewirtschaft und dessen Mitglieder zuversichtlich. Die neuerlichen Beschlüsse und die angepassten Verordnungen gehen für Kleinhenz mehrheitlich in die richtige Richtung und machen Veranstaltungen wieder möglich. Als Sprecher der Marketingallianz SevenCenters, bestehend aus den Kongresszentren der Messegelände Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Köln, Hamburg, München und Stuttgart, ist er im wöchentlichen Austausch mit seinen Kollegen in den anderen Städten. „Alle spüren, wie die Lichter am Ende des Tunnels wieder sichtbar werden. Für den Herbst sind bei allen SevenCenters etliche Messen und Kongresse angekündigt“, erzählt Kleinhenz. Bei der Messe Berlin stehen dieses Jahr noch fünf Kongresse mit einem physischen Anteil im Kalender, darunter der Deutsche Pflegetag und der Deutsche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. Im nächsten Jahr sei die Buchungslage auch erfreulich. Die größte Herausforderung stellt für Kleinhenz nach wie vor die Unsicherheit und Zurückhaltung bei Ausstellern und Besuchern dar. Eine weitere Herausforderung sind die Restriktionen im internationalen Reiseverkehr, weshalb die Berliner vorerst mit Veranstaltungen mit eher nationalem Schwerpunkt rechnen.

„Es geht wieder aufwärts“

Dr. Ralf G. Kleinhenz, Geschäftsbereichsleiter Guest Events bei der Messe Berlin und Sprecher der SevenCenters, eine Marketing-Allianz der Kongresszentren Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München.

Foto: Messe Berlin

„Mit Einsetzen der aktuellen Regelungen und mehr Klarheit erhielten wir unmittelbar neue Tagungsanfragen“, berichten Bernhard Conin, Geschäftsführer bei Koelncongress, und sein Leiter Tagungen, Kongresse, Events Ralf Nüsser. Die beiden sind überzeugt, dass ihr Bereich und zumindest regionale Gesellschaftsveranstaltungen bald wieder Fahrt aufnehmen – wenn auch mit kleineren Formaten. Der Veranstaltungskalender für den Herbst ist wochenweise sehr gut gefüllt, der Winter mit seinen Weihnachtsfeiern hat sich hingegen noch nicht konkretisiert, da spüren die Kölner noch eine gewisse Zurückhaltung. Die größten Herausforderungen für den Neustart sehen sie im Informationsbedarf ihrer Kunden, der immens sei. Außerdem erfordere das extrem kurzfristige Geschäft eine hohe Flexibilität bei Terminabstimmungen und ein unkompliziertes und zuverlässiges Agieren. „Zuletzt haben wir erst 36 Stunden vor einer Tagung die Anfrage erhalten, diese Veranstaltung wurde erfolgreich durchgeführt“, verdeutlichen Conin und Nüsser die Herausforderung. Im Vergleich zum Vorjahr werden hybride oder digitale Formate dieses Jahr mit mehr Vorlauf geplant und nicht selten als „Plan B“ eingeplant.

Michael Biwer, Bereichsleiter Guest Events, Messe Frankfurt: Die Messe Frankfurt hat alle Vorkehrungen für eine sichere Veranstaltungsdurchführung getroffen. Wir sind bereit und freuen uns sehr auf das Comeback von Präsenzveranstaltungen. Foto: Messe Frankfurt

Selbst wenn die Gesamtsituation nach wie vor herausfordernd bleibt, stimmen die wachsende Impfquote in Deutschland und anderen Ländern sowie die gelockerten Reisebedingungen in Frankfurt optimistisch. „Die Messe Frankfurt hat alle Vorkehrungen für eine sichere Veranstaltungsdurchführung getroffen. Wir sind bereit und freuen uns sehr auf das Comeback von Präsenzveranstaltungen“, beschreibt Michael Biwer, Bereichsleiter Guest Events, Messe Frankfurt und damit auch zuständig für das Congress Center Messe Frankfurt, die Stimmung. Wie sehr den Menschen die persönliche Begegnung fehlt, zeigt ihm eine von der Messe Frankfurt durchgeführte Umfrage, an der sich 59.000 Unternehmen beteiligten. Ihr zufolge wollen 97 Prozent der Befragten wieder an Messen vor Ort teilnehmen.

Biwer: „Mit einem im Livebetrieb erprobten Schutz- und Hygienekonzept unter Einbeziehung der 3G-Regel sind wir gut gerüstet für den Neustart.“ Schließlich übertreffen die Schutzmaßnahmen in den Locations der Messe Frankfurt die Maßnahmen im öffentlichen Bereich. Im Messekalender am Main stehen im September die Automechanika Frankfurt Digital Plus und die Hypermotion Frankfurt, beide im Forum und der Messehalle 3 mit einem Online-Angebot und Begleitausstellung, und später im Jahr die IndoorAir oder die Formnext. Als Gastveranstaltungen sind die Frankfurter Buchmesse oder die Health & Food Ingredients geplant. In diesem Kontext freut sich Biwer über die Vertragsverlängerung mit der DECHEMA. „Bis mindestens 2027 wird das Frankfurter Messegelände Austragungsort der ACHEMA, Weltforum und Internationale Leitmesse der Prozessindustrie, bleiben. Das ist ein Beispiel für die Zukunft hochwertiger internationaler Veranstaltungen und die persönliche Begegnung. Es setzt zusätzlich ein wichtiges Signal für unseren Standort.“

„Unsere Schutzmaßnahmen gehen weit über die Maßnahmen im öffentlichen Bereich hinaus und machen die Locations der Messe Frankfurt auch in Pandemiezeiten zu exzellenten Begegnungsstätten.“

Michael Biwer, Bereichsleiter Guest Events, Messe Frankfurt

Bei alldem beobachten die Frankfurter die „digitale Anreicherung von Veranstaltungen“ und haben in ihre digitale Infrastruktur investiert. Die Messe Frankfurt betreibt auf ihrem Gelände zwei Studios für Streamings und digitale Aufzeichnungen; eines wird intern genutzt und eines, das Streaming Studio in der Halle 4, kann von Veranstaltern genutzt werden. „Für uns steht fest: Digitale Angebote spielen weiterhin eine wichtige Rolle als sinnvolle Ergänzung in unserer Veranstaltungslandschaft, sie sind jedoch kein Ersatz für die persönliche Begegnung“, meint Biwer.

Diese Einschätzung teilen seine Kollegen in den SevenCenters. „Unsere Zukunft ist eine intelligente Kombination aus beiden Welten“, fasst das Andrea Bisping zusammen. Sie leitet das ICM – Internationales Congress Center München und ist sicher, dass für Kongresse, Tagungen und Events, um auch künftig im B2B-Marketing-Mix Bestand zu haben, zusätzlich digitale Verlängerungen geschaffen werden müssen. Für ihre Kunden sind sehr schnell flexible Studiolösungen inklusive Streaming-Technik für virtuelle und hybride Veranstaltungsformate umgesetzt worden. „Wir bieten einen Full-Service, Raumgrößen bis zu 2.700 qm und modernste Infrastruktur und Technik, damit unsere Kunden ihre Zielgruppe weltweit, interaktiv und multimedial erreichen“, informiert Bisping. Zur IAA Mobility 2021 hat ihr Team davon eine Kostprobe gegeben.

„Unsere Zukunft ist eine intelligente Kombination aus beiden Welten.“

Andrea Bisping, Director ICM – Internationales Congress Center München. Foto: Messe München

Zur IAA Mobility haben die Teilnehmer nicht nur in den Hallen der Messe München und auf Plätzen Münchens die Mobilität von morgen erfahren, sondern in der BMW Welt. Das Programm richtete sich an verschiedene Zielgruppen, sei es mit Workshops zum Thema Kreislaufwirtschaft oder einer Erlebniswelt zum Thema Mikromobilität. Die BMW Welt hat sich mit einem Angebot an Präsenz-, Hybrid- und digitalen Veranstaltungen breit aufgestellt und kann flexibel auf Corona-Verordnungen und Kundenvorstellungen reagieren. Drei Streaming- und TV-Studios stehen in der BMW Welt bereit, drei weitere Studios wenige Gehminuten entfernt im BMW Museum und der BMW Group Classic. Von der Planung über die Umsetzung bis zur Übertragung und Distribution stehen den Kunden Eventfachleute sowie Fachkräfte für Video, Ton, Licht, Regie und Streaming zur Seite. In allen drei Locations ist bei digitalen Angeboten die Social-Media-Einbindung via Facebook, LinkedIn und YouTube inklusive. Veranstaltungsbeispiele sind die BMW Esports Boost, zu dem sich das Who’s who der Esports-Branche aus aller Welt zuschaltete, oder der One Young World Summit, bei dem mehr als 2.000 Nachwuchskräfte aus über 190 Ländern virtuell und physisch zusammengekommen sind und zuletzt zur Abschlussfeier in der BMW Welt. Die Münchner sind zwar sehr zufrieden mit der Buchungslage, hoffen für 2022 aber auf eine verstärkte Rückkehr zum Präsenzformat und haben einige Events in Planung. Von einem Neustart sprechen sie nicht, da sie in der Pandemie entsprechend der jeweiligen Regularien durchgehend Veranstaltungen realisiert haben.

Kerstin Wünsch

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