Foto: HTW Berlin

Editorial

Kerstin Wünsch

Chefredakteurin tw tagungswirtschaft kerstin.wuensch@dfv.de

Titelheldinnen

Wie gefällt Ihnen die Titelseite? Sie zeigt Leonie Webb und Katja Hoffmann-Wöll der Kommunikationsagentur familie redlich hinter den Kulissen der digitalen UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Bevor Sie ein Titelbild zu sehen bekommen, sende ich es an Kollegen. Am liebsten an jene, die für andere Menschen Kongresse und Messen auf die Beine stellen und damit für unsere Leserinnen und Leser stehen. Zum Entwurf schreibt mir Sarah Sternberger: „Ich fühle dieses Bild“. Sarah ist Senior-Projektleiterin bei der dfv Conference Group. Seit 18 Monaten kämpft sie sich wie andere Eventprofessionals durch Pandemie, Planungsunsicherheit und Plattformen für Konferenzen und Kollaboration, sagt Veranstaltungen ab, plant sie neu, plant sie um, mal digital oder hybrid und jetzt auch wieder in Präsenz.

In Deutschland gilt in Innenräumen und bei Veranstaltungen die 3G-Regel, die Genesenen, Geimpften oder Getesteten Zugang gewährt. In Hamburg gibt es die Option der 2G-Regel, d. h. Zutritt nur für Genesene und Geimpfte. Dem „Hamburger Weg“ folgen immer mehr Bundesländer: Sachsen-Anhalt, Hessen und Berlin haben das 2G-Optionsmodell eingeführt, Sachsen und Niedersachsen haben es angekündigt, die anderen Bundesländer warten die Wahlen ab. Einen aktuellen Überblick gibt die auf Hotellerie und Gastronomie spezialisierte Steuerberatungsgesellschaft ETL Adhoga.

Während wir in Deutschland bei einer Impfquote von 64 % 3G gegen 2G abwägen, setzt sich in den USA bei einer Impfquote von 54 % ein inoffizieller „Gold Standard“ durch: Wer in Las Vegas zur IMEX America 2021 will oder zur CES 2022, muss vollständig geimpft sein. Nachdem sich in den USA die Lage entspannt hat, vereitelt die Delta-Variante die Erholung, so das Covid-19 Recovery Dashboard der Professional Convention Management Association (PCMA). Nach anderthalb Jahren Krisenbewältigung geben 63 Prozent der Planer an, dass sich fast alles an ihrer Arbeit verändert hat. In ihren Antworten schwingt die Frustration mit, dass die Pandemie nicht in den Griff zu bekommen ist, und der Unmut, dass sich Menschen nicht impfen lassen. Fast jeder dritte Planer fühlt sich erschöpft und ausgebrannt.

Als Corona aufkam, mussten Planer flexibel sein, weil sie nicht wussten, ob – und wenn wann – wichtige Entscheidungen zum „Go“ oder „No-Go“ einer Veranstaltung getroffen werden konnten. Inzwischen wird jedoch erwartet, dass Veranstaltungen in sehr kurzer Vorlaufzeit durchgeführt werden können. Dass der Druck anhält, höre ich in nahezu jedem Gespräch. Es ist ein Post von Julius Solaris auf LinkedIn, der mich aufhorchen lässt: „Bevor wir darüber sprechen, wie wir unsere Veranstaltungen immer hybrider machen, müssen wir über psychische Gesundheit sprechen.“ Julius hat den Event Manager Blog (heute EventMB) ins Leben gerufen und bis März geleitet und meint: „Die vielen Traumata, die Event-Profis in den vergangenen zwei Jahren erlitten haben, ist etwas, mit dem wir uns so schnell wie möglich auseinandersetzen müssen.“

Ich stimme ihm zu. Umso mehr, als zu den Erfahrungen von Jobunsicherheit und Kurzarbeit Herausforderungen kommen wie die hybride Arbeitswelt mit Homeoffice und virtuellen Teams. Mentale Gesundheit ist kein Thema, über das sich leicht spricht. Dabei ist sie Bestandteil der allgemeinen Gesundheit und mehr als die Abwesenheit psychischer Beeinträchtigungen wie Burnout. Mentale Gesundheit schließt positive Aspekte ein, wie das Wohlbefinden, die Arbeitszufriedenheit, das Arbeitsengagement sowie individuelle und arbeitsbezogene Ressourcen und ist entscheidend für die Teilhabe am Arbeitsleben.

„Es ist extrem gefährlich, seine eigene mentale Gesundheit nicht ernst zu nehmen“

Sven Hannawald, ehemaliger Skispringer und Olympiasieger

„Es ist extrem gefährlich, seine eigene mentale Gesundheit nicht ernst zu nehmen“, sagt im Interview Sven Hannawald. Der ehemalige Skispringer und Olympiasieger muss es wissen. Jahrelang gönnte er sich keine Pausen. Bis er psychisch zusammenbrach, einen Burnout mit tiefer Depression erlitt. Lange Therapien halfen ihm wieder auf die Beine. Heute hilft er Menschen, mental gesund zu bleiben.

Höchste Zeit, dass wir uns mit dem Thema mentale Gesundheit befassen. Schließlich wird uns die Planungsunsicherheit weiter begleiten – ich denke nur an die vierte Welle, den Winter und eine schwierige Regierungsbildung, in der die Politik lange mit sich selbst beschäftigt sein dürfte. Will sagen: Wir müssen auf uns und aufeinander achten.

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