Deutschland

Städte von morgen

In der deutschen Hauptstadt wird nicht nur das neue Klimaschutzgesetz beschlossen: Mit dem Programm Sustainable Meetings ebnet das Berlin Convention Bureau Planern den Weg zu nachhaltigen Events. Foto: visitBerlin, Schramm

Der Deutsche Pavillon steht auf der Expo 2020 Dubai für das Thema Nachhaltigkeit und stellt sich dem Thema Stadt der Zukunft. Städte und Kommunen spielen eine entscheidende Rolle auf dem Weg zu nachhaltigerem Leben und Wirtschaften. Regionen wie das Circular Valley in Nordrhein-Westfalen positionieren sich entsprechend.

Unter dem Motto „Connecting Minds, Creating the Future“ ruft die Weltausstellung Expo 2020 Dubai 190 Länder auf, vom 1. Oktober 2021 bis 31. März 2022 ihren Beitrag zu leisten. Deutschland bringt sich mit dem Thema Nachhaltigkeit ein. Als „Campus Germany“ lädt der Deutsche Pavillon die Besucher ein, sich mit den Themen Energie, Stadt der Zukunft und Biodiversität zu beschäftigen. Der Pavillon selbst ist nachhaltig gestaltet. Seine umweltfreundliche Außenfarbe hat keine flüchtigen organischen Verbindungen und weist antibakterielle Eigenschaften auf, die 99,9 Prozent der Bakterien und Viren, darunter das Coronavirus, auf den gestrichenen Oberflächen abtöten. Im Inneren stehen 36 Exponate zu drei Themenwelten: Energy Lab und Energy Terrace, Future City Lab und Future City und Terrace sowie Biodiversity Lab und Biodiversity Terrace. Bundesländer und Städte tragen ihren Teil dazu bei. Das Energy Lab und die Energy Terrace reichen von der nachhaltigen Erzeugung von Energie bis zu deren alternativer Speicherung. Ein Exponat, das die Stadt München in Zusammenarbeit mit Bayern zur Verfügung stellt, befasst sich mit der nachhaltigen Nutzung von Geothermie. Durch Geothermie lassen sich Strom und Wärme erzeugen. Vorwiegend aus dieser regenerativen Energiequelle will die Stadt mittelfristig ihren Fernwärmebedarf decken und ihre Fernwärme zu 100 Prozent CO2-neutral erzeugen. Ein weiteres Exponat, bereitgestellt von den Unternehmen WEMAG und APEX Group gemeinsam mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern, fordert die Besucher in einem interaktiven Reaktionsspiel heraus, ihre Fähigkeiten als Energiemanager zu beweisen und die Energiewende durch den Einsatz von Batterie- und Wasserstoffspeichern in die Tat umzusetzen.

Bild: facts and fiction, Nüssli, Adunic, LAVA

Der Deutsche Pavillon widmet sich als „Campus Germany“ auf der Weltausstellung Expo 2020 Dubai vom 1. Oktober 2021 bis 31. März 2022 dem Thema Nachhaltigkeit in den drei Schwerpunkten Energie, Stadt der Zukunft und Biodiversität aufbereitet in Energy Lab und Energy Terrace, Future City Lab und Future City Terrace, Biodiversity Lab und Biodiversity Terrace. Im Bild das Future City Lab.

„Wir sind von der Professionalität der Ausstellung und vom Gesamteindruck des Pavillons beeindruckt. Wir sind sehr zufrieden mit den kuratierten Inhalten zum Thema Nachhaltigkeit“, sagt der Generalkommissar des Deutschen Pavillons Dietmar Schmitz. Auftraggeber des deutschen Auftritts auf der Expo 2020 ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das die Koelnmesse mit der Organisation und Durchführung des Projekts beauftragt hat. Konzept, Planung und Realisierung des Deutschen Pavillons liegen bei der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Pavillon Expo 2020 Dubai bestehend aus den Unternehmen facts and fiction und Nüssli Adunic. Für das inhaltliche Konzept und die Ausstellungs- und Mediengestaltung zeichnet facts and fiction verantwortlich.

„Wir sind von der Professionalität der Ausstellung und vom Gesamteindruck des Pavillons beeindruckt. Wir sind sehr zufrieden mit den kuratierten Inhalten zum Thema Nachhaltigkeit.“

Dietmar Schmitz, Generalkommissar des Deutschen Pavillons

Foto: Photothek, Xander Heinl

Als größte Arbeitgeber, Energieversorger, Grund- und Immobilienbesitzer, Bildungsträger und Gesundheitsversorger kommt den Kommunen eine große Rolle auf dem Weg zu nachhaltigerem Leben und Wirtschaften zu. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis (DNP) zeichnet somit Städte neben nachhaltigen Spitzenleistungen in der Wirtschaft und Forschung aus. Den Preis mit acht Wettbewerben, 1.000 Bewerbern und 2.000 Gästen vergeben die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, Wirtschaftsvereinigungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Forschungseinrichtungen. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis erzeugt Aufmerksamkeit und zeigt, dass verantwortliches Handeln nicht nur Probleme lösen, sondern die Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen kann.

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„Gerade in der Krise sind Haltung, Diskurs und Beispiele gefragt“, betont Stefan Schulze-Hausmann, Initiator des Deutschen Nachhaltigkeitspreises. „Der DNP will mehr denn je Plattform für die besten Konzepte zu sein, die Krisen verhindern, bewältigen und unsere gemeinsame Zukunft sichern.“ 2021 geht der Preis in der Kategorie Städte an Kiel, Buxtehude und Eltville am Rhein für ihr vorbildliches Engagement im Klimaschutz, soziale Teilhabe und bürgerschaftliche Beteiligung. „Für Kiel und die Welt: global denken, lokal durchstarten – das ist das Motto unseres Nachhaltigkeitsengagements. Der Preis ist eine tolle Anerkennung für das, was wir hier in den vergangenen Jahren angestoßen haben. Er ist aber vor allem ein Auftrag, dass wir uns mit noch mehr Mut und Konsequenz den großen Herausforderungen der nächsten Jahre stellen“, bedankt sich Dr. Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister der Stadt Kiel. In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel sitzen die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH) und das Schleswig-Holstein Convention Bureau. Umgeben von zwei Küsten und gelegen am Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer, wollen die Schleswig-Holsteiner ihre Destination schützen. Zum 1. Januar hat die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein die neue Stelle Nachhaltigkeitsmanagement für die Vermarktung im In- und Ausland geschaffen. „Nachhaltige Entwicklung voranzutreiben, ist für mich ein privates und berufliches Anliegen“, sagt Gianna Heintges. Als erste Mitarbeiterin für das Nachhaltigkeitsmanagement bei der TA.SH setzt sie auf Austausch und Kollaboration. „Denn Nachhaltigkeit ist ein Denkansatz, der integraler Bestandteil des Handelns auf allen Ebenen des Tourismus werden muss.“ TA.SH-Geschäftsführerin Dr. Bettina Bunge bekräftigt: „Gemeinsam mit den Touristikern im Land wollen wir uns langfristig als nachhaltiges Reiseland etablieren.“

„Nachhaltigkeit ist ein Denkansatz, der integraler Bestandteil des Handelns auf allen Ebenen des Tourismus werden muss.“

Gianna Heintges, erste Mitarbeiterin für das Nachhaltigkeitsmanagement bei der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH)

Foto: Lara Losch

Im größten Veranstaltungszentrum Schleswig-Holsteins, der Musik- und Kongresshalle Lübeck (MUK) mit bis zu 3.000 Plätzen, ist Nachhaltigkeit seit einem Jahrzehnt in der Unternehmensphilosophie verankert. Das ökologische und nachhaltige Handeln in den Leitlinien lenkt betriebliche Abläufe und wesentliche Entscheidungen. Sichtbar machen das Zertifizierungen nach Green Globe und Ökoprofit, Klima pro Lübeck oder fairpflichtet, dem Nachhaltigkeitskodex der deutschsprachigen Veranstaltungsbranche. Dass die Musik- und Kongresshalle Lübeck zu einer der nachhaltigen Venues in Deutschland zählt, zeigt sie auch in der Erhaltung von Grünflächen und der Artenvielfalt. Seit 2014 wohnen auf ihrem Dach vier Bienenvölker mit rund 160.000 Bienen. Die MUK engagiert sich zudem in der Unternehmensinitiative Charta der Vielfalt. Diversity in der Arbeitswelt ist Geschäftsführerin Ilona Jarabek ein persönliches Anliegen, das sie als erste Präsidentin des Europäischen Verbands der Veranstaltungs-Centren (EVVC) auf die Agenda setzt. Eine nächste Gelegenheit ist die greenmeetings und events Konferenz (gme) von EVVC und GCB – German Convention Bureau. Wegen Corona findet die Konferenz digital an drei Tagen statt: am 28. Juli, 14. September und 28. Oktober 2021. Im Programm stehen der European Green Deal und Nachhaltigkeit bei hybriden Events. Randell Greenlee vom Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik (VPLT) spricht über Impulse zur Heterogenität der Veranstaltungswirtschaft und die Herausforderungen für die Umwandlung in eine nachhaltige und kreiswirtschaftliche Branche, wie es der European Green Deal fordert. „Gerade angesichts der digitalen Transformation in der Veranstaltungswelt ist jetzt der ideale Zeitpunkt, um über die smarte Verknüpfung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu diskutieren“, meint GCB-Geschäftsführer Matthias Schultze. Die alle zwei Jahre stattfindende Konferenz war ursprünglich als hybride Veranstaltung in der Osnabrück Halle geplant und wird in dieser Form auf 2023 vertagt. „Die Klimakrise und aktuell die Corona-Pandemie haben zur Folge, dass die grundlegenden Strukturen unserer Branche neu justiert und in weiten Teilen transformiert und natürlich digitalisiert werden“, weiß Jan Jansen. Der Geschäftsführer der Osnabrück Halle will diesen Prozess als Gastgeber der greenmeetings und events Konferenz mitgestalten und das mit Unterstützung der in Osnabrück ansässigen Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Konzeption der greenmeetings und events Konferenz fällt beim EVVC in den Aufgabenbereich von Verena Unden. Die Sustainability-Managerin beobachtet, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Pandemie ein anderes Bewusstsein und Relevanz erreicht hat. Unden: „In vielen Unternehmen hat bereits das Zusammendenken von Digitalisierung und Nachhaltigkeit eine hohe Priorität eingenommen.“ Viele ihrer 650 Mitgliedshäuser legten einen Schwerpunkt auf eine bessere strategische Unternehmensführung und nachhaltiges Krisenmanagement. Auch würden sie sich mit der Hallensanierung bzw. energetischen Sanierungen und Photovoltaik auseinandersetzen und in diesem Zusammenhang mit der Um- und Aufrüstung von technischer Infrastruktur und Digitalisierung.

„Nachhaltigkeit hat ein anderes Bewusstsein erreicht“

Verena Unden, Sustainability-Managerin beim Europäischen Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC), über das Zusammendenken von Digitalisierung und Nachhaltigkeit, energetische Sanierungen und das neue Umweltzeichen Blauer Engel für nachhaltige Veranstaltungen.

Foto: EVVC

Bei alledem steht der Erfahrungsaustausch unter Kollegen ganz oben. Als diese zur EVVC-Management-Fachtagung 2018 nach Regensburg reisen, kommen sie an einem Thema nicht vorbei: Nachhaltigkeit. Das bayerische Unesco-Welterbe Regensburg lebt schließlich von und mit der Geschichte. Mit der Revitalisierung seines denkmalgeschützten marinaforums liefern die Gastgeber ein Best Practice für Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Umweltschutz, u.a. durch die Zertifizierung nach der Building Research Establishment Environmental Assessment Method (BREEAM), Energiemonitoring und emissionsarme Versorgung, indem sie mit Grundwasser heizen und kühlen und ihren Betriebsstrom aus ökologischer Stromerzeugung beziehen. Mit dem Projekt „Ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept der MICE-Destination Regensburg mit neuem Tagungs- und Veranstaltungszentrum marinaforum Regensburg" gewinnt Regensburg Tourismus den ADAC Tourismus-Sonderpreis Bayern für „Nachhaltigkeit“. In der Transformation durch Nachhaltigkeit und vice versa sollte die Veranstaltungswirtschaft Vorreiter und Ansprechpartner sein, findet Unden. „Es ist uns beim EVVC ein großes Anliegen, mit gutem Beispiel voranzugehen und unseren Mitgliedern und Partnern im Prozess der Transformation zur Seite zu stehen.“ Einen Rahmen zur Bewertung ihrer Leistungen und zur Kontrolle von Verbesserungen der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit bilden für die Veranstaltungshäuser Zertifizierungen wie Green Globe oder der Nachhaltigkeitskodex fairpflichtet. Unden fügt stolz hinzu: „Im Frühjahr 2020 wurde beim Umweltzeichen Blauer Engel ein Antrag gestellt und bewilligt, um den Blauen Engel auf nachhaltige Veranstaltungen und Veranstaltungszentren anwenden zu können.“ Die Ausarbeitung der Richtlinie beginnt im Sommer.

fairpflichtet: 10 Leitlinien der unternehmerischen Verantwortung für Nachhaltigkeit bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen

  1. Strategie. Nachhaltiges Wirtschaften heißt strategisch handeln, in Führung gehen und heißt Integration in die Unternehmensprozesse.
  2. Nachhaltigkeit wird vor allem als Chance verstanden; zur Lösung von Auswirkungen unternehmerischen Handelns in der Zukunft und zum Nutzen aller.
  3. Der "nachhaltige Unternehmer" erfüllt seine Verantwortung in der Region zur Steigerung des Gemeinwohls.
  4. Ökonomie in Ausgewogenheit mit Ökologie und sozialen Aspekten sind gleichberechtigte Anliegen für eine langfristige Stabilität des Unternehmens.
  5. Verantwortlicher Umgang mit Ressourcen und Energie heißt 1. vermeiden, 2. vermindern und 3. regenerierbar ersetzen.
  6. Der "nachhaltige Arbeitgeber" erfüllt eine anspruchsvolle Sozialkompetenz gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, steigert deren Qualifikation und sichert die Beschäftigung.
  7. Aus Respekt vor den Menschen setzt sich der "nachhaltige Unternehmer" für die Einhaltung der Menschenrechte ein und richtet sich gegen jede Form von Diskriminierung und Korruption.
  8. Offenheit ist eine Einstellung. Transparenz der Maßnahmen für Nachhaltigkeit ist die Konsequenz.
  9. Die freiwillige Selbstverpflichtung zur Nachhaltigkeit ist eine Pflicht an sich selbst, die zum Anspruch der Gesellschaft wird.
  10. Der "nachhaltige Unternehmer" setzt Anreize zum Umdenken und Handeln, um Mitarbeiter und Partner in einen ständigen Verbesserungsprozess der Nachhaltigkeit einzubeziehen.

Gerade hat die Leipziger Messe mit ihrem Congress Center Leipzig (CCL) erneut das Green-Globe-Siegel erhalten. Die Leipziger Messe war 2009 die erste deutsche Messegesellschaft, die sich diesem Prozess unterzog. Für die Zertifizierung nach Green Globe werden 300 Kriterien zu sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten des Nachhaltigkeitsprinzips betrachtet. Diese betreffen alle Bereiche des unternehmerischen Handelns und das Engagement in der Region, z.B. die lokale Beschaffung. Im Bereich Ressourcenschonung, wo es u.a. um die Energieversorgung geht, deckt auf dem Leipziger Gelände das Blockheizkraftwerk den Grundbedarf an Wärme und Strom. Die begrünten Dächer des Verwaltungsgebäudes und des Congress Center Leipzig (CCL) sorgen für eine lange Lebensdauer der Dachabdichtung und einen Lebensraum für seltene Tierarten wie Libellen. „Nachhaltiges Handeln ist für uns der sichtbare Ausdruck unserer unternehmerischen Verantwortung“, erklärt Martin Buhl-Wagner. Der Geschäftsführer der Leipziger Messe ergänzt: „Und nicht nur wir selbst prüfen unsere Geschäftstätigkeit kontinuierlich im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Auch Aussteller, Veranstalter und Gäste, die in unsere Locations kommen, haben längst ein Bewusstsein für diese Aspekte und fragen nach unseren nachhaltigen Maßnahmen.“

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Auf nachhaltiger Spurensuche durch Leipzig

Wie funktioniert sie eigentlich, diese viel zitierte Nachhaltigkeit? Und wie kann sie tatsächlich gelingen? Auch Leipzig hat dafür kein Patentrezept, und doch lohnt sich ein aufmerksamer Blick auf die sächsische Tagungsdestination. Das Bewusstsein für persönliche und gesellschaftliche Verantwortung spiegelt sich hier in einer spannenden Vielfalt von Ideen.

Foto: PUNCTUM

Auf die Nachfrage nach nachhaltigen Veranstaltungen reagiert das Berlin Convention Office mit dem Programm Sustainable Meetings und begleitet Unternehmen und Verbände auf ihrem Weg zu nachhaltigeren Veranstaltungen, indem Planer mit etlichen Modulen unterstützt werden. Beispiele sind die Toolbox für nachhaltige Veranstaltungen mit elf Tipps oder die Sustainable Events Scorecard. Zudem empfehlen sich 27 Sustainable-Partner wie das AXICA Kongress- und Tagungszentrum, das dbb forum Berlin, beide für 600 Personen, oder das Landgut Stober für bis zu 2.000 Personen, westlich von Berlin. Für Fragen und Hilfestellungen stehen die Nachhaltigkeitsexpertinnen Kyra Reiter und Luisa Mentz bereit. Auch in der Hansestadt Hamburg wird Nachhaltigkeit großgeschrieben. Bei der Planung des neuen CCH – Congress Center Hamburg haben die Hamburger die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hinzugezogen. Ihr DGNB-System fußt auf den drei Nachhaltigkeitsbereichen Ökologie, Ökonomie und Soziokulturelles, die in die Bewertung mit einfließen. Das neue CCH strebt eine DGNB-Zertifizierung in „Gold“ an für seine 12.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 12.000 Quadratmeter Foyerfläche und 12.000 Sitzplätze. Die Hamburg Messe und Congress (HMC) mit den Unternehmensbereichen Messe und CCH – Congress Center Hamburg hat für das Geschäftsjahr 2019 erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht gemäß dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) veröffentlicht und dazu die sogenannte DNK-Erklärung zu zwanzig verschiedenen Kriterien erstellt. Außerdem orientieren sich die Hamburger an den 17 Sustainable Development Goals (SDG) der UN und deklinieren diese durch. Beispiel SDG 6: Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen: Mit dem Bau der Halle H des CCH – Congress Center Hamburg ist einer der größten Staudendachgärten Europas angelegt worden. Durch die Dachbegrünung entstand eine weitere Fläche zur Regenwasserversickerung. Das so gewonnene Wasser wird für den Park Planten un Blomen genutzt. Im CCH senken wassersparende Armaturen die Wasserdurchlaufwerte und Spülmengen.

Klimaschutz-Leitsätze der Hamburg Messe und Congress

  1. Wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für den Klimaschutz.
  2. Wir verstehen den Klimaschutz als Führungsaufgabe. Daher haben sämtliche Führungskräfte dazu beizutragen, unsere Ziele in Bezug auf den Klimaschutz zu erreichen.
  3. Wir meinen, dass der Klimaschutz am Arbeitsplatz beginnt. Daher sind sämtliche Mitarbeiter dazu aufgerufen, in ihrer täglichen Arbeit daran mitzuwirken, dass der Ausstoß von Luftschadstoffen verringert wird.
  4. Wir betrachten den Klimaschutz als ein zunehmend wichtiges Geschäftsfeld. Unsere geschäftlichen Ziele stehen deshalb nicht im Gegensatz, sondern im Einklang mit dem Klimaschutz.
  5. Wir halten die gesetzlichen Vorschriften zum Klimaschutz ein. Als dem Klimaschutz verpflichtetes Unternehmen streben wir an, den Ausstoß von Luftschadstoffen bei unserer Geschäftstätigkeit über das gesetzlich vorgeschriebene Ausmaß hinaus zu verringern.
  6. Wir wollen unsere Maßnahmen zum Klimaschutz fortlaufend überprüfen und im Rahmen unserer Möglichkeiten verbessern.
  7. Klimaschutz ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Wir wollen daher mit unseren Mitarbeitern, unserem Aufsichtsrat, unserer Gesellschafterin, unseren Kunden und Lieferanten sowie der Öffentlichkeit über den Klimaschutz im Messe- und Kongresswesen im Gespräch bleiben. Fragen, Anregungen und Kritik nehmen wir ernst.

„Mit Blick auf die anvisierten Klimaziele 2030 wird das Thema Nachhaltigkeit das zentrale Thema der kommenden Jahre“, meint Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin Westfalenhallen Unternehmensgruppe. Ihre Unternehmensgruppe betreibt das größte dachgestützte solare Kraftwerk in Nordrhein-Westfalen. Die Hallen 3B, 6, 7 und 8 der Messe Dortmund sind mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet. Die Gesamtanlage liefert 1,5 Megawattstunden Solarstrom im Jahr, das entspricht dem Stromverbrauch von 450 3-Personen-Haushalten oder einem Fünftel des Stromverbrauchs der Messe Dortmund. Loos weiß: „Die nachhaltige Gestaltung von Events und Veranstaltungen erfordert in vielen Bereichen ein grundsätzliches Umdenken und stellt die Branche vor die große Herausforderung, ein ganzheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit im unternehmerischen Denken und Handeln zu verankern.“ Die Messe Dortmund veranstaltet neben der BOE – Fachmesse für Erlebnismarketing Deutschlands größte Nachhaltigkeitsmesse, die Fair Friends zu nachhaltigen Lebensstilen, fairem Handel und gesellschaftlicher Verantwortung. Zwar fällt die Fachmesse wegen der Pandemie aus, aber der Fachtag Nachhaltige Beschaffung am 26. August 2021 nicht. Er richtet sich an Kommunen, Organisationen und Unternehmen, die ihren Einkauf nachhaltiger gestalten wollen und nach nachhaltigen Lösungen suchen. In einem der Workshops geht es um Business Travel und Events. Eröffnen wird der Fachtag Nachhaltige Beschaffung mit dem Thema „Zukunft Kreislaufwirtschaft“. Kreislaufwirtschaft oder Circular Economy ist ein regeneratives System, in dem Ressourceneinsatz und Abfallproduktion, Emissionen und Energieverschwendung durch das Verlangsamen, Verringern und Schließen von Energie- und Materialkreisläufen minimiert werden sollen. Dazu tritt das Circular Valley im Großraum Rhein-Ruhr von Bonn bis Münster an mit Schirmherr Prof. Dr. Pinkwart, Wirtschaftsminister in NRW. Als Circular Valley will das Bundesland zum Zentrum der Kreislaufwirtschaft werden. Unternehmen wie Bayer, Evonik oder Vorwerk sind bereits dabei. Nun wirbt ein neues Programm europäische Start-ups an. Ganz im Sinne von European Green Deal und „Circular Economy Action Plan“.

Kerstin Wünsch

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