IAA Mobility 2021

Nachhaltigkeit erfahren

Die IAA Mobility soll Treiber für Lösungen zur Mobilität der Zukunft sein, das wollen (v.l.n.r.) Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, VDA-Präsidentin Hildegard Müller und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter. Foto: Messe München

Neustart für die IAA Mobility als Plattform für Mobilität: Automobile mit alternativem Antrieb und nachhaltige Mobilität, intelligente Verkehrslösungen und Dialogformate. Die IAA reicht von der Messe München bis in die Innenstadt. Wer dort ausstellen will, muss eine Klimabilanz vorlegen. Die IAA könnte zu einer Blaupause für nachhaltige Messen werden.

Das neue Klimaschutzgesetz verschärft die CO2-Reduktionsziele für 2030 und verlegt die Treibhausgasneutralität für Deutschland vor auf 2045. „Deutschland muss nun zeigen, dass diese außerordentlich ehrgeizigen Ziele auch umgesetzt werden können“, kommentiert Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). „Die Industrie steht unter großem Veränderungsdruck, die Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze müssen in die neue Zeit transformiert werden. Deutschland geht einen Schritt weiter als andere und wird damit zum Modellfall, wie die Transformation gelingt.“ Die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie der Rest der Welt könnten nur dann von mehr Klimaschutz überzeugt werden, wenn die beschlossenen Ziele wirtschaftlich erfolgreich und sozial abgefedert umgesetzt würden. Müller: „Nur wenn Klimaschutz ein Job-, Wachstums- und Wohlstandsmotor ist, wird er global umgesetzt.“ Um die neuen Klimaziele erreichen zu können, seien viele Voraussetzungen zu erfüllen: ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien, ein flächendeckender Ausbau der Ladeinfrastruktur, eine schnellere Bereitstellung von Wasserstoff und E-Fuels, eine schnellere Digitalisierung und der Ausbau der 5G-Netze. Die deutsche Autoindustrie sieht sich hier als Treiber des Wandels: 150 Mrd. Euro sind allein bis 2025 für neue Antriebe, Batterietechnik und Digitalisierung vorgesehen.

Foto: VDA

„Mobilität ist ein Grundbedürfnis des Menschen – und das in allen Facetten zu erfüllen, ist eine immer größere Herausforderung für unsere Gesellschaft, der sich Wirtschaft und Politik stellen müssen. Die neue IAA wird Wege aufzeigen, wie diese Mobilitätsaufgaben verbunden werden können: effizient, wirtschaftlich, sozial und ökologisch.“

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA)

Als Aushängeschild der Automobilindustrie kommt der IAA (Internationale Automobil-Ausstellung) eine veränderte Rolle zu: von der Autoshow zur Mobilitätsplattform, einem neuen Ökosystem aus Automobilherstellern und Zulieferern, Technologieunternehmen, Mobilitätsdienstleistern, öffentlichem Nahverkehr und Start-ups. Wie ernst es dem Verband der Automobilindustrie damit ist, zeigen der Namens- und Ortswechsel: Aus der IAA wird die IAA Mobility, die für ihren Neustart vom 7. bis 12. September 2021 nach 70 Jahren von Frankfurt nach München zieht. „Diese neue IAA in München soll Treiber und Impulsgeber für Lösungen zur Mobilität der Zukunft sein”, betonen Hildegard Müller und Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, bei der Präsentation des neuen IAA-Konzepts mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter. Neu ist neben dem Konzept die Kollaboration zwischen VDA und der Messe München. Gemeinsame Aufgaben sind das Marketing, der Vertrieb und die Aussteller-Akquise. So agiert Aleksandra Solda-Zaccaro, Chief Marketing and Communications Officer für die Messe München, als Chief Spokeswoman IAA Mobility. Der Vertrag sieht die IAA Mobility für 2021 und 2023 in München vor und eine Option für 2025. Für dieses Jahr ist die IAA als Präsenzveranstaltung mit digitaler Verlängerung geplant und damit ein wichtiges Signal für den Messe-Restart. VDA und Messe München erarbeiten mit den Behörden ein Hygienekonzept und sind im ständigen Austausch mit Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

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Grundlegender Neustart

In ihrer Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ruft die Bundesregierung Menschen wie Unternehmen auf, Deutschland nachhaltiger zu machen. Zu den sechs Transformationsbereichen der Nachhaltigkeitsstrategie zählen die „Energiewende und Klimaschutz“ und „Nachhaltiges Bauen und Verkehrswende“ mit dem Zusatz: „Die Verkehrswende kann nur gelingen, wenn Mobilität als unverzichtbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, der weiterhin allen Menschen zugänglich sein muss, anerkannt wird. Gleichzeitig muss Mobilität immer stärker den Belangen des Umwelt- und Klimaschutzes Rechnung tragen.“ Die IAA Mobility 2021 versteht das als Auftrag und will ihren Teil beitragen, indem sie den Weg zu einer klimaneutralen Mobilität aufzeigt. „Die IAA 2021 wird den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit breiten Raum einräumen: mit sauberen, sparsamen Antrieben und Automobilen der modernsten Generation, mit einem umfassenden Mobilitätsmix einschließlich Pkw, E-Bikes, E-Scootern und der Einbindung des ÖPNV“, kündigt VDA-Präsidentin Müller an. „Es liegt in unserer Verantwortung, Menschen für eine neue und nachhaltige Mobilität zu begeistern und die Vision einer Connected Mobility weiter voranzubringen. Deshalb begrüßen wir das neue Konzept der IAA Mobility sehr“, sagt Markus Duesmann, Vorsitzender des Vorstands und Vorstand für Baureihen der AUDI AG. Mit der Renault-Gruppe, Hyundai und Ford haben sich drei weitere große internationale Hersteller für eine Teilnahme an der IAA Mobility in München entschieden. „Bei der neuen IAA geht es nicht mehr darum, zu zeigen, welche neuen und schönen Autos man hat, sondern welche Ideen wir für eine nachhaltige Mobilität in der Zukunft haben. Deshalb kommen wir nach München", sagt Ford-Kommunikationschef Ralph Caba der Automobilwoche.

Blue Lane und Open Space

„Die IAA hat sich in ihrer 123-jährigen Geschichte immer wieder weiterentwickelt, aber das Jahr 2021 in München ist ein grundlegender Neustart", weiß VDA-Präsidentin Müller. Die Geschichte der IAA beginnt 1897 als eintägige Automobilausstellung des Mitteleuropäischen Motorwagenvereins in Berlin. 1991 teilt sich die IAA auf: in die IAA Personenkraftwagen in Frankfurt und die IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. In den Jahren 2002 bis 2004 knackt die IAA die Millionengrenze. Zur 60. IAA Pkw kommen mehr als eine Million Besucher nach Frankfurt. In den Folgejahren sinkt ihre Zahl. Zur IAA 2005 sind es noch 940.000 Besucher, zur letzten IAA 2019 nur noch 560.000 Besucher. Die neue IAA will Besucher anziehen, indem sie Mobilität „erfahrbar“ macht. Die Blue Lane verbindet als erste innerstädtische Teststrecke die beiden Orte der IAA Mobility, den „Open Space“ in der Innenstadt und den „Summit“ in den Messehallen im Münchener Osten. Die Blue Lane ist als Umweltspur konzipiert, die nur von Zero-Emission-Fahrzeugen und von Fahrzeugen mit mindestens drei Fahrgästen genutzt werden darf. Das soll die Anzahl der Fahrzeuge auf stark befahrenen Strecken verringern und Fahrgemeinschaften fördern. Zudem integriert die Teststrecke den ÖPNV und Radwege.

Die Blue Lane verbindet als erste innerstädtische Teststrecke den „Open Space“ in der Innenstadt Münchens mit dem „Summit“ in den Messehallen im Osten. Grafik: IAA Mobility

„Wir wollen die Mobilität der Zukunft über das Messegelände hinaus an Besucher und Interessierte herantragen. Mit interaktiven Formaten, die den Dialog fördern und echte Erlebnisse mit neuen Mobilitätslösungen und Ideen ermöglichen.“

Jürgen Mindel, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA)

Für die Dauer der IAA Mobility werden Teile der City Münchens zum Open Space, einem Raum, in dem sich Mobilität von morgen im urbanen Umfeld erleben lässt. Auf dem Marienplatz, Wittelsbacherplatz und Odeonsplatz, den Residenzhöfen, dem Marstallplatz, Max-Joseph-Platz und Königsplatz sollen Orte für einen stadtweiten Dialog über Visionen, Innovationen und nachhaltige Mobilitätslösungen entstehen. Der Open Space setzt sich zusammen aus den Dialogue Areas, den Mobilitätsparcours und den Markenflächen. Dialog- und entertainmentfokussierte Elemente stehen im Vordergrund. Das Besondere ist: Unternehmen, die sich hier präsentieren wollen, verpflichten sich, ihren Auftritt bilanziell CO2-neutral zu gestalten. Bei den Markenauftritten ist auf eine lange Lebensdauer der genutzten Materialien zu achten, die Möglichkeit zur Wiederverwertung sowie den Einsatz recycelbarer und mehrmals nutzbarer Baustoffe.

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Was macht klimaneutrale Mobilität möglich? Wie können wir umweltfreundlich unterwegs sein? Auf Fragen wie diese will die IAA Mobility vom 7. bis 12. September 2021 in München Antworten geben und Lösungen aufzeigen.

Damit der CO2-Fußabdruck des Open Space am Ende bei null liegt, werden alle anfallenden Emissionen durch Klimaschutzprojekte kompensiert, die durch die Spenden der Aussteller finanziert werden. Durch myclimate, ein führender Anbieter für CO2-Kompensation und Klimaschutzberatung, können die Aussteller ihre Treibhausgasemissionen kompensieren. Eine im myclimate-Label integrierte Trackingnummer zeigt, welches Klimaschutzprojekt durch die Kompensation unterstützt wird. Die Aussteller können aus myclimate-Projekten mit zehn verschiedenen Technologien wählen. Biogas, Solar oder Kompostierung stehen zur Auswahl. Oder Kochhöfen, Recyclinganlagen sowie Aufforstungsprojekte zum Beispiel. „Es ist ungewöhnlich, dass Teilnehmer im Vorfeld der Messe nach ihren Emissionen gefragt werden“, bemerkt Harald Rettich. Der Teamleader Corporate Partnerships Manager bei myclimate berechnet für die IAA Mobility die Treibhausgasemissionen für die Aussteller. „Das ist in der Messebranche noch nicht üblich. Einige Aussteller und Messebauer waren überrascht, dass sie CO2-Emissionen bei der Planung berücksichtigen müssen“, erzählt Rettich. Das Thema sei für viele noch Neuland. Rettich: „Wir sind mit der IAA Mobility Vorreiter.“ Alle Aussteller im Open Space verpflichten sich, ihren Messeauftritt bilanziell CO2-neutral zu gestalten. Dafür werden ihre Pläne abgefragt, anhand spezieller Parameter die Treibhausgasemissionen berechnet und in CO2-Äquivalente (CO₂e) umgerechnet. Wichtig sind dabei Angaben wie Standgröße, Kühlung oder Heizung, Materialien für den Messestand, Transport zum Standort, die Abfallmenge, die der Stand produzieren wird, oder der Reiseweg der Messebauer und Standbetreuer zum Veranstaltungsort.

Bilanziell CO2-neutraler Standauftritt

Die CO2-Bilanz liefert Erkenntnisse über den Ist-Zustand eines Systems. Damit bildet sie die Grundlage für weitere Schritte im Klimaschutz, wie z. B. die Entwicklung, Umsetzung und Überprüfung von Effizienz- und Reduktionsmaßnahmen. Darüber hinaus bildet eine CO2-Bilanz eine Basis für Definition, Monitoring sowie Benchmarking von CO2-Zielen. Auch für das Ermitteln des Kompensationsbedarfs, um ein System klimaneutral stellen zu können, ist eine CO2-Bilanz unverzichtbar. Auf Grundlage der Product-Carbon-Footprint-Methode wurden Systemgrenzen eruiert und ein Fragebogen zur Ermittlung der Treibhausgasemissionen für einen klimaneutralen Messestand erstellt. Auf der Basis der Antworten der Unternehmen berechnet myclimate den Emissionswert des Auftritts und erstellt eine Bewertungsberechnung mit einem Kompensationsangebot.

Während die CO2-neutrale Präsentation im Open Space verpflichtend ist, ist sie im Summit in den Hallen der Messe München lediglich empfohlen. Nicht nur die Aussteller, auch die Besucher der IAA Mobility können ihren CO2-Fußabdruck für ihre Anreise ermitteln, wenn sie mit dem Auto oder Flugzeug anreisen. Der Auto-Emissionsrechner von myclimate errechnet die direkten und indirekten Emissionen für die zurückgelegte Distanz.

Der IAA Mobility Summit ist auf dem Gelände der Messe München angesiedelt. An den Ständen in den Hallen stellen sich Unternehmen dem Fachpublikum vor, auf dem Open Space Extended sowohl der B2B- als auch der B2C-Zielgruppe. Alle Stakeholder – seien es die produzierende Industrie, Sharing-Plattformen, NGOs, Interessenverbände, Städteplaner, politische Entscheidungsträger oder Wissenschaftler – sind eingeladen, ihr Wissen und ihre Visionen zu teilen. Start-up-Flächen rücken junge Gründer in den Mittelpunkt. Das neue Hallenkonzept sieht einen Ausstellermix vor, damit Synergien entstehen zwischen Global Playern und aufstrebenden Start-ups. Die begleitende IAA Conference behandelt Themen wie Sustainability und Climate Change, Smart City und Urban Mobility, Autonomous Driving und Mobility. Wie ernst es der IAA mit dem Thema Mobilität und Nachhaltigkeit ist, zeigt das World Cycling Forum 2021, das im Rahmen der IAA Mobility stattfindet.

Mit ihrem „grünen Messegelände“ sehen sich die Münchener in einer Vorreiterrolle beim Klima- und Umweltschutz. Das Gelände umfasst 220.000 Quadratmeter Grünflächen. Bild: Screenshot

Maßnahmen für den nachhaltigen Betrieb der Messe München (ein Auszug)

  • Die Photovoltaik-Anlage auf den Dächern der Messehallen unterstützt die Stromversorgung auf dem Messegelände. Sie gehört zu den weltweit größten Photovoltaik-Dachanlagen. Durch die Nutzung von Sonnenenergie kann pro Jahr ein Ausstoß von rund 1.600 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden, der bei der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen entstehen würde.
  • Ein mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk versorgt das ICM – Internationales Congress Center München, den Eingang West und das Messehaus mit Wärmeenergie und beliefert das Messegelände mit Strom.
  • Die neuen Hallen C5 und C6 sowie das neue Messe München Conference Center Nord werden ausschließlich über Fernwärme geheizt, die aus Geothermie gewonnen wird.
  • Ein ausgeklügeltes System zur Regenwasserversickerung entlastet die Kanalisation. Die Messe-Seen werden mit Regenwasser von den Dachflächen gespeist, das in Speichern gesammelt wird.
  • Zehn Doppelladestationen im Parkhaus West, ein Supercharger mit zwei Lademöglichkeiten vor dem ICM – Internationales Congress Center München und zehn mobile Doppelladestationen schaffen bis zu 42 im Messebetrieb nutzbare Lademöglichkeiten. Zu den jeweiligen Messen können die mobilen Ladestationen flexibel auf den Freigelände-Parkflächen eingesetzt werden. Für Servicepartner und Besucher des Messehauses steht eine Doppelladesäule am Tor 1 zur Verfügung, für Mitarbeiter und Firmenfahrzeuge sind zwölf weitere Ladestationen in der Messehaus-Tiefgarage installiert.

Für die Messe München gehören unternehmerischer Erfolg und verantwortungsvolles Handeln unmittelbar zusammen. Mit ihrem „grünen Messegelände“ sehen sich die Münchener in einer Vorreiterrolle beim Klima- und Umweltschutz. Das Gelände umfasst 220.000 Quadratmeter Grünflächen, rund 2.500 Bäume, begrünte Hallen-Außenwände und 35.000 Quadratmeter Dachbegrünung. Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, bekräftigt: „Die Messe München als einer der international führenden Messeveranstalter hat weltweit eine hohe Strahlkraft. Sowohl in ihrem Handeln als auch auf ihrem Gelände ist sie der Nachhaltigkeit in besonderer Weise verpflichtet.“

Kerstin Wünsch

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