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Editorial

Kerstin Wünsch

Chefredakteurin tw tagungswirtschaft kerstin.wuensch@dfv.de

Kennen Sie den CO2-Fußabdruck Ihrer Veranstaltung?

Wir sind geimpft, genesen oder getestet und können vorsichtig wieder reisen, in den Urlaub fahren und auf Geschäftsreise gehen. Face-to-Face-Veranstaltungen werden wieder nachgefragt, erste Bilder von Messen und Kongressen machen die Runde. Wir nennen das Neustart. Doch wie viel neu ist am Start? Corona hat unser Leben schließlich auf den Kopf gestellt und wir haben uns die wesentliche Frage gestellt: Wie können und wollen wir leben? Wir sind durch die Natur spaziert und haben – wenn auch unfreiwillig – unseren ökologischen Fußabdruck reduziert. Wird das in unseren Eventkonzepten Spuren hinterlassen?

Auch wenn sich die Menschen in der Pandemie vordringlich um ihre Gesundheit, Gemeinschaft und ihr Geld sorgen, halten 65 Prozent der Deutschen den Umwelt- und Klimaschutz für ein sehr wichtiges Thema. Der Klimaschutz bleibt für 70 Prozent weiterhin genauso wichtig, für 16 Prozent ist er wichtiger geworden. So das Ergebnis der Umfrage von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt zum Umweltbewusstsein 2020 in Deutschland. Im selben Jahr ziehen neun junge Menschen vor das Bundesverfassungsgericht, weil ihnen das Klimaschutzgesetz von 2019 nicht weit genug geht. Sie bekommen recht.

Jetzt hat die Regierung ein neues Klimaschutzgesetz verabschiedet. Es verschärft die CO2-Reduktionsziele für 2030 und verlegt die Treibhausgasneutralität vor auf 2045. Fünf Jahre später will Europa als erster Kontinent klimaneutral sein. Dafür beschließt die Europäische Kommission den Green Deal und ebnet mit 1,8 Billionen Euro den Weg in eine nachhaltige Wirtschaft. Ob Green Deal oder Klimagesetz: Organisationen brauchen eine Nachhaltigkeitsstrategie – und diese wird bis ins Eventmanagement hineinreichen.

Schon vor dem Klimaschutzgesetz hat der BNW Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft einen starken Zuwachs in der Wertigkeit von Nachhaltigkeit festgestellt. „Spätestens seit der Fridays-for-Future-Bewegung ist Nachhaltigkeit kein hübsches Add-on mehr, ist Klimaschutz nicht mehr ‚nice to have‘ – sondern mitten in der Aufmerksamkeit der Wirtschaft angekommen. Und genau deshalb steht es auch bei Veranstaltungen und Messen immer mehr im Fokus“, beobachtet Geschäftsführerin Dr. Katharina Reuter.

„2022 haben wir vor, nur noch klimaneutrale Events zu machen. Wenn Corona etwas Gutes hatte, dann, dass wir die Zeit genutzt haben, um das Thema Nachhaltigkeit voranzutreiben.“

Jörn Eßlinger, Head of Commercial Activations, Partnerships & Asset Management bei Coca-Cola European Partners

Wann das Thema Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen vom „Nice-to-have“ zum „Need-to-have“ wird, das wird sich zeigen. Sicher ist, dass das Thema viele Anlässe schaffen wird, zu denen sich Menschen treffen werden, um die Zukunft zu verhandeln. Dazu braucht es ausgefeilte Formate für die Vermittlung von Wissen und die Vorstellung neuer Lösungen für den Austausch, das Anbahnen neuer Partnerschaften und Projekte. Neue Formate wie das Greentech Festival entstehen, bestehende werden überarbeitet oder vergehen.

Den Neustart wagt der Verband der Automobilindustrie (VDA) und baut seine IAA um von der Autoshow zur „Mobilitätsplattform“. Die IAA Mobility will ein Ökosystem abbilden aus Automobilherstellern und Zulieferern, Technologieunternehmen, Mobilitätsdienstleistern, Start-ups und ja, öffentlichem Nahverkehr und Fahrrädern. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sagt: „Die neue IAA wird Wege aufzeigen, wie diese Mobilitätsaufgaben verbunden werden können: effizient, wirtschaftlich, sozial und ökologisch.“

Diese neuen Wege führen die IAA Mobility nicht nur in die Hallen der Messe München, sondern ins Herz der Landeshauptstadt. Unternehmen, die im Open Space in Citylage ausstellen wollen, müssen das CO2-neutral tun. Wie das geht, erfahren diese über die neue IAA: „Bilanziell CO2-neutraler Standauftritt“. Aussteller können mithilfe von myclimate ihren Auftritt kalkulieren und kompensieren. Machen Sie das einmal für Ihr Event! Sie erlernen spielerisch die Handlungsfelder für nachhaltiges Eventmanagement – von der Anreise bis zum Abfall. Kennen Sie (jetzt) den CO2-Fußabdruck Ihrer Veranstaltung?

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