Neustart

Starke Zeichen

Zur IAA Mobility 2021 kommen 400.000 Teilnehmer in die Hallen der Messe München und auf die öffentlichen Plätze der bayerischen Landeshauptstadt. Foto: IAA Mobility 2021

Seit der Bund-Länder-Konferenz im August wittert die Meetingindustrie Morgenluft. Im September blickt die Branche hoffnungsfroh nach München zur IAA Mobility. Auch in anderen Städten Deutschlands stehen Messen und Kongresse an. Die Veranstaltungskalender füllen sich, doch bleibt bei nicht wenigen die Stimmung vorerst verhalten.

„Wir haben einen mutigen Schritt gemacht und wurden von den Besucherinnen und Besuchern belohnt“, sagt Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), zur IAA Mobility 2021 400.000 Teilnehmer in sechs Tagen sind für sie eine „deutliche Abstimmung mit den Füßen“. Zu sehen bekamen die Besucher neue Elektro-Autos, Fahrräder, e-Scooter, aber auch Exponate zur Energiepolitik, Stadtplanung und Digitalisierung.

Eventprofessionals wie Johannes Plass, CEO von Mutabor, haben die IAA Mobility vom 7. bis 12. September 2021 in den Hallen der Messe München und auf den öffentlichen Plätzen Münchens genau verfolgt. Nicht nur, um zu sehen, wie der Verband der Automobilindustrie mit der Messe München die Automobilshow zur Mobilitätsplattform umbaut und hybrid übersetzt, sondern wie ein Event dieser Größenordnung in der Pandemie gelingt. Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, bringt das auf den Punkt: „Diese neue IAA Mobility ist ein starkes Zeichen an die Welt, dass internationale Messeveranstaltungen in Deutschland wieder möglich sind.“

Dittrich weiter: „Wir können solch große Veranstaltungen sicher durchführen, das Schutz- und Hygienekonzept hat hervorragend funktioniert. Die Aussteller und Besucher haben sich an die Regeln gehalten und auch viel Verständnis gezeigt.“ Das Schutz- und Hygienekonzept der Messe München wies eine kluge Wegeführung auf, konsequente Zugangskontrollen auch im Open Space, gute Belüftung der Messehallen, Abstandsregeln, Mund- und Nasenschutz sowie die Anwendung der 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet). Zuversichtlich blickt VDA-Präsidentin Müller auf die nächste IAA Mobility vom 5. bis 10. September 2023: „Ich bin sicher, dass wir nach einem Ende der Pandemie in 2023 auch viele internationale Aussteller begrüßen können, die dieses Mal wegen der Reisebeschränkungen noch nicht dabei sein konnten.“

Eckdaten der IAA Mobility 2021

  • 400.000 Teilnehmer und 3.500 Journalisten aus 95 Ländern. Der Mittelwert der Tagesbesucher lag 32 Prozent über dem der letzten IAA 2019 in Frankfurt.
  • 67 Prozent der Besucher waren jünger als 40 Jahre. 86 Prozent der Besucher bewerten das Konzept der IAA MOBILITY als gut und sehr gut.
  • 744 Aussteller präsentierten sich, darunter Autohersteller auf 98 Ausstellungsflächen, 75 Fahrradmarken, 152 Zuliefer- und Tech-Unternehmen sowie 78 Start-ups.
  • 260.000 qm Veranstaltungsfläche wurden belegt, davon 195.000 qm auf dem Messegelände, 65.000 qm in der Münchner Innenstadt, dem „Open Space“. Auf der „Blue Lane“ wurden 255 Fahrzeuge für 7.000 Testfahrten gebucht.
  • 936 Redner sprachen zu allen Bereichen der Mobilität. Das Bürgerforum Citizen Lab vor dem Münchner Rathaus bot in sechs Tagen 42 Stunden Programm mit Diskussionen rund um die Mobilität von morgen an.
  • Die internationale Medienreichweite betrug mehr als 137 Mrd. Aufrufe weltweit. 140 Mio. Page Impressions verzeichneten die Social-Media-Kanäle der IAA Mobility.

Neustart und Zuversicht

Seit September sind in allen 16 Bundesländern wieder Messen möglich und rund 30 geplant wie in den Wochen nach der IAA Mobility die Windenergie-Messe Husum Wind und die Weltleitmesse der Dentalbranche IDS in Köln. 110 Messen sind es bis Jahresende. „Nach fast einem Jahr Nothalt haben die ersten Messen mit rund 300.000 Besuchern deutlich dokumentiert, wie gut die umfassenden Hygiene- und Gesundheitskonzepte funktionieren“, erklärt Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Messewirtschaft AUMA, und ergänzt: „Die Messewirtschaft brennt für den Neustart. Wir erwarten von der Politik in Bund und Ländern maximales Möglichmachen. Wir brauchen größtmögliche Planbarkeit für den Treffpunkt Messe.“ 2020 wurden drei von vier der 380 Messen in Deutschland abgesagt. Das bedeutete Einbußen bis zu 70 Prozent bei deutschen Messeveranstaltern und einen volkswirtschaftlichen Schaden von 42 Mrd. Euro.

Corona-Verordnungen der Länder: Was gilt für Messen?

Der AUMA – Verband der deutschen Messewirtschaft gibt einen stets aktuellen Überblick über die für Messen geltenden Corona-Verordnungen in den 16 Bundesländern.

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Den Startschuss für Veranstaltungen gaben die Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Bundesländer am 10. August 2021 in ihrem Beschluss unter Top 2 zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie. Für Veranstaltungen, aber auch Hotels gilt seit 23. August 2021 die 3G-Regel: Zutritt nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete. Unter Einhaltung der 3G-Regeln sind seither Veranstaltungen möglich und der AUMA und seine Mitglieder geben sich zuversichtlich.

Die Deutsche Messe in Hannover sieht in der niedersächsischen Corona-Verordnung nicht nur den Startschuss, sondern eine messe- und veranstaltungsfreundliche sowie langfristige Regelung mit guten Aussichten auch für 2022 und damit die Messen Domotex, Agritechnica oder Hannover Messe. Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Messe AG, sagt: „Unter den neu geltenden Rahmenbedingungen der niedersächsischen Corona-Verordnung sind sowohl kleinere Veranstaltungen und Konferenz-Messen als auch Großveranstaltungen wieder auf unserem Gelände möglich. Das Risiko, dass eine geplante Messe oder Veranstaltung auf unserem Messegelände kurzfristig abgesagt werden muss, ist dadurch in Zukunft fast nicht mehr gegeben.“

„Das Risiko, dass eine geplante Messe oder Veranstaltung auf unserem Messegelände kurzfristig abgesagt werden muss, ist dadurch in Zukunft fast nicht mehr gegeben.“

Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Messe AG

„Es geht wieder los. Die Politik hat mit den aktuellen Verordnungen eine gute Perspektive auch für den Herbst und Winter geschaffen“, bekräftigt Executive Director André Kaldenhoff aus Leipzig. Sein Congress Center Leipzig (CCL) gehört zur Messe Leipzig. Die Pressemeldung „Neustart für Kongresse und Tagungen in Leipzig“ flankiert das. Nach der sächsischen Corona-Schutz-Verordnung sind Veranstaltungen wieder möglich und der Kalender im Congress Center Leipzig füllt sich im Herbst wieder. In der zweiten Septemberhälfte blickt Kaldenhoff auf ein Veranstaltungsgeschehen, das gar nicht so weit weg ist von dem in 2019. „Es sind Veranstaltungsformate, die wir auch vor Corona durchgeführt haben“, bemerkt der CCL-Chef und meint damit, dass diese Business Events betriebswirtschaftlich wieder Sinn machen. „Wir sind noch nicht durch, aber es gibt zum ersten Mal in der Pandemie eine wirkliche Perspektive. Wir hoffen, dass das so bleibt.“

„Es geht wieder los. Die Politik hat mit den aktuellen Verordnungen eine gute Perspektive auch für den Herbst und Winter geschaffen.“

André Kaldenhoff, Executive Director im Congress Center Leipzig (CCL)

Foto: CCL

In einer Umfrage von CCL und Kongresshalle geben 130 Kunden und Partner an, dass die Face-to-Face-Kommunikation essenziell bei Kongressen bleibt und sehen für die Zukunft eine Kombination von bewährten und neuen Formaten. Ein gutes Beispiel ist der Kongress Viszeralmedizin vom 13. bis 18. September 2021. Der Kongress verbindet die Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten mit der Sektion für gastroenterologische Endoskopie (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) – und das erstmals hybrid: Tag eins bis drei finden im Internet statt, Tag vier bis sechs im Congress Center Leipzig unter Anwendung des Hygienekonzepts „Safe Expo“. In der neuen Initiative #SafeBusinessTrips informiert das GCB – German Convention Bureau zu Business Travel und Events und führt die Viszeralmedizin 2021 als Modellprojekt auf.

BrandEx Award 2022 „Der Neustart"

Die Verleihung des BrandEx Award, der Kreativ-Award für Live-Kommunikation, wird am 18. Januar 2022 im Rahmen des BrandEx-Festivals in Dortmund verliehen. Bewerbungen sind bis 30. September 2022 möglich.

Verhaltene Stimmung

Verhalten äußern sich die befragten Unternehmen der Veranstaltungsbranche in der aktuellen Konjunkturumfrage des ifo-Instituts. Ihre Erwartungen zur Geschäftslage sind in den letzten vier Monaten zurückgegangen. Zwar hatten sich die Werte von Mai auf Juni verbessert, sind aber von Juni bis August von 50.9 Punkten auf 14.8 Punkte gesunken. Der fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungsbranche e. V. führt das auf die allgemeine Verunsicherung und eine weiterhin kaum planbare Geschäftslage zurück. Ein Beispiel ist die Catering-Unternehmerin Ricarda Farnbacher, die u.a. Zalando, eBay und Google zu ihren Kunden zählt. Trotz Lockerungen, höherer Impfquote und gefüllten Auftragsbüchern im August und September meint sie: „Für die Gastronomie- und Eventbranche ist die Corona-Krise noch lange nicht vorbei!“ Zu schaffen machen ihr der Fachkräftemangel, Absagen von Buchungen, die fehlende Planungssicherheit, Ämter und Bürokratie. „Bestehende Anfragen werden aufgrund von Unsicherheiten seitens der Kunden wieder abgesagt oder von 200 Personen plötzlich auf 50 reduziert“, erzählt Farnbacher aus ihrem Event- und Catering-Unternehmen in Berlin. Buchungen kommen sehr kurzfristig und schnelles Handeln sei schwierig, da Fachkräftemangel herrsche. Personal fest einzustellen ist jedoch schwer, da neue Arbeitnehmer beim Arbeitsamt genehmigt werden müssten und aufgrund der aktuellen Lage die Planungssicherheit fehle. Farnbacher: „Das sorgt für weiteren Druck und Stress.“ Zudem führten die Diskussionen zur 3G-, 2G- oder 1G-Regel dazu, dass Veranstalter und Kunden im Zweifelsfall kein Event durchführten, um niemanden auszuschließen. Farnbacher fordert, dass neben den Hygienemaßnahmen ein tagesaktueller negativer Schnelltest vom Testzentrum ausreichen sollte. Sie appelliert an alle Gäste: „Lasst euch impfen! Am Beispiel Dänemark können wir sehen, wie wir wieder frei und ohne Auflagen leben können.“

„Für die Gastronomie- und Eventbranche ist die Corona-Krise noch lange nicht vorbei! Bestehende Anfragen werden aufgrund von Unsicherheiten seitens der Kunden wieder abgesagt oder von 200 Personen plötzlich auf 50 reduziert.“

Catering-Unternehmerin Ricarda Farnbacher

Foto: Ricarda Farnbacher

„‘Live‘ ist noch nicht ganz back“, bestätigt Christoph Kirst, Kreativchef von insglück, Gesellschaft für Markeninszenierung. Die Hoffnungen der Agentur für Live-Kommunikation waren groß, dass Präsenzveranstaltungen mit wachsender Impfquote und sinkenden Inzidenzen wieder zunehmen. Von einem „richtigen Neustart“ spürt die Live-Com Agentur insglück noch wenig. „Trotz der Öffnungsoptionen in Gastronomie oder Kultur wird die ‚Live‘-Karte im B2B-Bereich noch eher verhalten gezogen“, beobachtet Kirst. Zwar fiebern die meisten Kunden großen Präsenztreffen entgegen, bleiben aber aus Sicherheitsgründen bei kleinen oder virtuellen Formaten. „An Wunsch und Wille fehlt es nicht, doch das Sicherheitsbedürfnis ist noch stärker“, bemerkt Kirst. Seine Hoffnung verschiebt sich auf das erste und zweite Quartal 2022, „dann sollten Live-Events wieder richtig Fahrt aufnehmen“. Immerhin finden im August und September wieder Branchenveranstaltungen in Präsenz satt, wenn auch in kleinerem Format. In Berlin treffen sich zum Forum des Meet Germany Summits im Kongress- und Tagungszentrum Axica am Brandenburger Tor 200 Teilnehmer, zum Deutschen Hotelkongress im InterContinental Hotels & Resorts 350 Teilnehmer. „Präsenz ist nach wie vor schwierig. Die Leute sind unentschieden, ob sie kommen wollen“, beobachtet Stefan Kirchner, Bereichsleiter Veranstaltungen bei den Kölner Verbände Seminaren. Seiner Meinung nach macht die Tagungsbranche gerade gute Stimmung. „Doch die Wahrheit ist“, so Kirchner, „dass das alles stornierte Veranstaltungen aus dem Vorjahr sind, denen die Gutschrift nicht verfallen soll. Zudem haben sich diese Veranstaltungen halbiert: Da, wo es 1.200 Teilnehmer waren, sind es jetzt 600.“

Für seinen am 29. September 2021 im Rhein Sieg Forum in Bonn in Präsenz geplanten verbaende.com-Infotag Event & Technik hat er zum 1. September 2021 Gebrauch von der Ausstiegsklausel gemacht und plant jetzt ein kleines Hybridformat mit maximal 25 Personen vor Ort und 240 Minuten digitales Programm. „Die Infektionszahlen sind diesen Sommer bereits deutlich früher und schneller als im Vergleichszeitraum gestiegen“, begründet Kirchner den Schritt. „Bereits im Vorfeld meldeten sich viele Verbände und einige Partner, ob wir unter diesen Bedingungen die Veranstaltung wirklich durchführen wollen. Wir haben uns dagegen entschieden.“ Er erinnert sich: Beim Verbändekongress 2020 am 1. und 2. September lag die Inzidenz um die zehn.

Zum Meet Germany Summit kommen 200 Teilnehmer zum Forum in das Kongress- und Tagungszentrum Axica am Brandenburger Tor. Foto: Meet Germany, Valentin Paster, berlin-eventfotograf.de

Die Impffrage

Anders als vor einem Jahr sind am 20. September 2021 in Deutschland 63,3  Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, so das Impf-Dashboard des Robert-Koch-Instituts (RKI). Nach Einschätzung des RKI hat die vierte Welle der Corona-Pandemie begonnen. Der Bundestag hat folglich bis Ende November weiterhin eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ festgestellt. Das ist Rechtsgrundlage für Länder-Verordnungen, je nach Pandemieverlauf Maßnahmen wie Maskenpflicht oder Kontaktbeschränkungen zu erlassen. Um sicher durch den Winter zu kommen, braucht es laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine höhere Impfquote. Schon vor der bundesweiten Impfwoche vom 13. bis 19. September 2021 startete der EVVC – Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren einen Impfaufruf und informierte zur nationalen Impfkampagne und ihrer Relevanz: „Die Veranstaltungswirtschaft ist wie kaum eine andere vom Erfolg der Impfkampagne abhängig, um wiedererlangte Freiheiten und Möglichkeiten nicht zu verlieren. Der Kampf gegen das Virus und die entsprechenden Mutationen ist nicht vorbei.“

Unter welchen Bedingungen können Veranstaltungen wieder wirtschaftlich, also ohne Kapazitätsbeschränkungen und Abstandsregelungen, durchgeführt werden? Dieser und weiteren Fragen aus dem Forum Veranstaltungswirtschaft stellte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 28. August 2021 im Club Ritter Butzke in Berlin. V. l.: Kevin Kratzsch, Bundestagsabgeordneter und DSB (Deutscher Schaustellerbund e.V.), Pamela Schobess, Livekomm (Verband der Musikspielstätten in Deutschland e. V.), Timo Feuerbach, EVVC (Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e. V.) und Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit. Foto: Forum Veranstaltungswirtschaft, Stefan Bartylla

Die Vertreter des Forums Veranstaltungswirtschaft suchen folglich das Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Spahn und treffen ihn am 28. August 2021 in Berlin zu der Frage: Unter welchen Bedingungen können Veranstaltungen wieder wirtschaftlich, also ohne Kapazitätsbeschränkungen und Abstandsregelungen, durchgeführt werden? Bei einer Impfquote von 80 Prozent und ohne gefährlichere Virusvariante könnten die Einschränkungen nach Jens Spahns Auffassung aufgehoben werden. Da diese Impfquote kurzfristig nicht zu erreichen ist, plädieren die Branchenvertreter für das Modell „2G + PCR“, also Veranstaltungen ohne Abstand für Genesene, Geimpfte oder Personen mit einem negativen PCR-Text. Die 2G-Regel, nach der nur Genese und Geimpfte Zutritt bekommen, sei bei 40 Prozent Ungeimpften keine Lösung. Anders sehen das die US-Amerikaner. Obwohl bis 15. September 2021 nur 179 Mio. US-Amerikaner vollständig geimpft sind, was einer Impfquote von 54,5 Prozent entspricht, setzt sich in den USA gerade ein inoffizieller „Gold Standard“ durch, um die Sicherheit zu erhöhen. In Las Vegas zieht nach der Consumer Electronics Show (CES) jetzt die IMEX America nach: „Participants must provide proof of full vaccination“.

Tom Koperek hat das genauer wissen wollen. Ende August hat der geschäftsführende Gesellschafter der Grand Hall Zollverein und Kopf hinter der Initiative #AlarmstufeRot zur Rettung der Veranstaltungsindustrie auf LinkedIn die Bereitschaft, Präsenzveranstaltungen zu besuchen, abgefragt: „Würdet Ihr an einem Event unter 3G-Regeln teilnehmen, wenn Nicht-Geimpfte/Nicht-Genesene einen negativen PCR-Test vorweisen können?“ Von den 943 Menschen, die abstimmen, sagen 76 Prozent „Ja, ich würde teilnehmen“, 10 Prozent „Nein, die ist mir zu unsicher“ und 15 Prozent „Ja, aber nur mit der 2G-Regel“.

Neue Herausforderungen

Die Umsetzung und Anwendung der 3G-Regel stellt die Branche vor keine großen Probleme, so Kreativchef Kirst: „Ausgeklügelte Hygienekonzepte, Teilnehmermanagement-Lösungen mit integrierten Schnelltest-Straßen, Einlassampeln, Abstandswarner, digitale Kontaktverfolgung, Filteranlagen, Körpertemperatur-Messgeräte, Kamera-Scans, kontaktlose Check-in-Apps bis hin zu digitalen Impfnachweisen stellen den sicheren und reibungslosen Einlass zu Großveranstaltungen sicher.“ Veranstaltungen wie der ITS Weltkongress im Oktober in Hamburg würden das unter Beweis stellen. Das Tempo habe aber noch einmal deutlich zugelegt. „Mit den digitalen Formaten und der schwierigen Planungslage sind die Vorbereitungszyklen noch kürzer geworden. Die Taktung und die Kurzfristigkeit schrauben die Anforderungen an die Flexibilität der Teams sowohl in der Konzeption als auch in der Umsetzung um einiges höher“, erklärt Kirst. Bei allem Tempo für die Umsetzung gelte: Safety First! Es wird viel abgefragt, vorgebucht und optioniert und mit Entscheidungen oft bis zum letzten Moment gewartet. Zu den wichtigen Beratungsleistungen gehört für ihn folglich, dem Kunden Planungssicherheit zu geben, den „Point of no Return“ auf der Timeline zu definieren, eine Skalierbarkeit herzustellen und Fall-Back-Lösungen zu haben.

„Wir haben mittlerweile ein eigenes internes ‚Media-Haus‘, mit Redaktion, Creative-Producing und Post-Production, sodass wir die Inhalte unserer Kunden für die unterschiedlichsten Formate entwickeln, anpassen und produzieren können.“

Christoph Kirst, Kreativchef von insglück, Gesellschaft für Markeninszenierung

Foto: insglück, Stefan Wieland

Corona hat die Arbeit von insglück stark verändert. Bevor es um die operative Umsetzung von Veranstaltungen geht, konzentriert sich die Agenturleistung zunächst auf die Beratung hinsichtlich der Kommunikationsziele und Formatwahl. Oft geht es um die Entwicklung von Narrativen und Veranstaltungskonzepten, die sowohl live, hybrid als auch komplett digital funktionieren können. Neben der Beratung und Konzeption gehören die Erstellung und Entwicklung des Contents und der Medien schon immer zum internen Leistungsangebot, werden nun aber noch stärker nachgefragt, was sich in der Personalstruktur der Agentur abbildet. Kirst: „Wir haben mittlerweile ein eigenes internes ‚Media-Haus‘, mit Redaktion, Creative-Producing und Post-Production, sodass wir die Inhalte unserer Kunden für die unterschiedlichsten Formate entwickeln, anpassen und produzieren können.“

Weg vom reinen eventorientierten Denken

Der Fokus der Live-Kommunikation verlagert sich immer mehr zum Content-getriebenen Community-Management, weg vom reinen eventorientierten Denken. So setzt die moderne Customer Experience auf Interaktion und Audience Engagement basierend auf einem integrativen 360°-Storytelling und verschiedensten Touchpoints, um die Zielgruppen vom passiven Teilnehmer nachhaltig zum aktiven Teilhaber zu transformieren. Veranstaltungskonzepte werden immer individueller und setzen auf persönliche und authentische Ansprache der Community mit maßgeschneiderten Inhalten. Diese strategische Verlängerung der Unternehmensperformance wird in der Zukunft neben der „Heldenreise“ des Kunden und neben dem Vertrieb auch für Themen wie Employer Branding und Weiterbildung genutzt werden. Zudem ist der Vorteil eines ausgewogenen und modular gestalteten Auftritts, dass er flexibel als interaktive Schnittstelle integriert werden kann. Michaela-Susan Pollok, Leitung Event-Management & Social Media, Bundesverband Industrie Kommunikation (bvik)

„Es wird keine Unterscheidung mehr zwischen digital und live geben, der Kunde möchte durchgängig richtig angesprochen werden, egal wo“, weiß Silke Lang, Vorstand im Bundesverband Industrie Kommunikation e.V. (bvik) und Director Marketing Mobile Hydraulics bei der Bosch Rexroth AG. Ihr ist klar, dass durch den Digitalisierungsschub der vergangenen Monate und die technologischen Entwicklungen die Herausforderungen an die Event-Experten in Unternehmen und Agenturen wachsen: der Umgang mit der hohen Schlagzahl durch stetig neue digitale Formate, der Anspruch einer immer höheren Professionalisierung, Schritt zu halten mit der persönlichen Entwicklung und im Marketing-Team, Spezialisten für digitales Marketing zu gewinnen und zu halten, eine durchgängige Customer Journey zu gewährleisten und für durchgängige Prozesse und IT-Systeme zu sorgen. Lang ist sich sicher: „Der Anspruch an digitale Veranstaltungen wird zu einer nachhaltigen Differenzierung auch nach Corona werden.“

Kerstin Wünsch

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