Mentale Gesundheit

Den Geist befreien

In den vergangenen anderthalb Jahren gab es oft diese Stunden. Während derer sich Caterer Georg Broich fühlte, „als ob sie einem Stürmer in der Fußball-Bundesliga plötzlich die Beine zusammengebunden hätten“. Foto: BHG Broich Catering

Trotz Existenzängsten und geschrumpften Umsätzen leistungsfähig und kreativ sein – dieser Spagat zerreißt so manchen. Leistungssportler können lehren, wie man mit hohem psychischen Druck siegen kann. Manager aus der Meeting-Branche wissen, wie sie mental fit bleiben. Ein Caterer, ein Vermarkter ehemaliger Spitzensportler, ein Verbandschef und der Geschäftsführer einer Agentur berichten.

„Plötzlich stehst Du vor diesem großen schwarzen Loch“, sagt Georg Broich. Er ist eigentlich ein starker Typ. Physisch wie psychisch. Sonst wäre er heute auch nicht einer der Top-Caterer in Deutschland. Doch in den vergangenen anderthalb Jahren gab es oft diese Stunden. Während derer er sich fühlte, „als ob sie einem Stürmer in der Fußball-Bundesliga plötzlich die Beine zusammengebunden hätten“, sagt Broich. Irgendwie hat er aus diesen Tiefs wieder herausgefunden. Die ihn lehrten, froh zu sein – über seine mentale Stärke. Mit dem ersten Lockdown im März 2020 ist das Catering-Geschäft regelrecht zusammengebrochen. Und es ging nicht nur ihm so. Broich spricht auch für andere, große Catering-Betriebe, denn er ist Sprecher der Leading Caterer (Leca). Die Leca ist eine eigenständige Gruppe innerhalb des Verbandes fwd (früher Famab). Wer eine Mitgliedschaft bei den derzeit zwölf Mitgliedsunternehmen begehrt, muss mindestens 2 Millionen Euro Jahresumsatz machen und sich strengen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsverpflichtungen unterwerfen. „Unser Geschäft lässt sich nicht durch Digitales ersetzen“, sagt Broich. Natürlich haben alle Leca-Mitglieder versucht, Ersatz-Geschäft zu generieren: „Wir fahren mit Food-Trucks, verkaufen Produkte für den Lebensmittel-Einzelhandel oder kochen für Kindertagesstätten. Aber das ist kein Ersatz für unser B2B-Business“, sagt Broich.

„Wir hatten und haben alle Existenzängste.“

Georg Broich, Sprecher der Leading Caterer (Leca)

Für sein eigenes Unternehmen BHG Broich Catering hat er im vergangenen Geschäftsjahr lediglich 30 Prozent des Umsatzes des Jahres 2019 erwirtschaftet. Die Corona-Hilfen des Bundes seien die ersten sechs Monate auf 50.000 Euro gedeckelt. „Das war ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir hatten und haben alle Existenzängste“, sagt der Unternehmer. Für einige Kollegen waren die Ängste sogar so stark, dass sie sich professionelle Hilfe beim Psychologen oder Psychiater gesucht hätten, berichtet er. Vor der Krise hatte Broich 230 fest angestellte Mitarbeiter, jetzt sind es nur noch 185. Die meisten seien von sich aus gegangen, hätten sich andere Jobs außerhalb der Branche gesucht. Es gibt auch Mitarbeiter, denen die Krise in der Branche so nahegehe, dass sie nun schon seit sehr langer Zeit krankgeschrieben seien. Auch wenn es wehtue: Broich lasse seine Leute nicht im Unklaren. „Meine Angestellten kennen die Zahlen.“ Der Caterer glaubt, dass sich sein Geschäft nicht vor dem 2. Quartal 2022 erholen wird. „So lange müssen wir irgendwie überleben.“ Mit den steigenden Impfzahlen sieht er ein Licht am Ende des Tunnels. „Aber bislang schimmert es nur schwach.“ Sein traditionsreiches Unternehmen bestehe nun schon seit 287 Jahren. „Wir haben schon die Pest, Cholera und die Spanische Grippe überstanden, dann überstehen wir auch Corona.“ Wie er die seelische Kraft hat, seine Firma durch das stürmische Fahrwasser zu führen? Unter anderem der enge, vielfach freundschaftliche Austausch mit den Kollegen. „Wir bei der Leca helfen uns gegenseitig“, berichtet Broich. „Wir telefonieren viel, haben Chatgruppen, hören uns gegenseitig gut zu.“ Auch erlaubten die Leca-Mitglieder ihren Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern, sich auszutauschen. „Dieser gegenseitige Halt gibt Zuversicht und psychische Stärke.“

Studie: Social Distancing verursacht seelisches Leid.

Angst, Depression, Gedanken an Tod oder Selbstverletzung und gravierende Beeinträchtigungen der Lebenszufriedenheit – davon berichten Menschen, die nach ihrem seelischen Befinden zwischen März und Juli 2020 befragt wurden. „Leiden Sie psychisch unter der Pandemie?“ lautete die Frage, die 70.000 Menschen der „COVID-19 Social Study“ am University College in London gestellt wurde. Die Teilnehmer nahmen wöchentlich an einer zehnminütigen Online-Umfrage teil. Thema waren auch ihre Erfahrungen mit den Social-Distancing-Maßnahmen. Die Forscher machten deutlich, wie stark die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen unter Einsamkeit litt. Auch Menschen mit niedrigem Haushaltseinkommen gaben an, besonders unter dem Alleinsein zu leiden. Auffällig sei, dass die Angst vor dem Virus selbst nur wenig ausgeprägt sei, berichtet die Professorin für Psychobiologie und Epidemiologie, Dr. Daisy Fancourt. Kaum mehr persönliche Kontakte zu haben, stürze viele Befragte in eine seelische Krise.

Wir müssen über psychische Gesundheit sprechen

Ein Thema, das auch für Event-Technologie-Experte und Keynote-Speaker Julius Solaris derzeit an erster Stelle steht: Er formuliert noch drastischer als Broich: „Bevor wir darüber sprechen, wie wir unsere Veranstaltungen immer hybrider machen, müssen wir über psychische Gesundheit sprechen“, sagt Solaris. „Die vielen Traumata, die Event-Profis in den vergangenen zwei Jahren erlitten haben, ist etwas, mit dem wir uns so schnell wie möglich auseinandersetzen müssen. Unternehmen wurden geschlossen, Karrieren ausgelöscht, menschliche Beziehungen sind zu rein virtuellen Begegnungen verkommen oder gar ganz verloren gegangen“, beschreibt Julius Solaris die Situation.

Sven Ehricht verdient mit mentaler Fitness sein Geld. Er begleitet und vermarktet Olympiasieger und Weltmeister nach ihrer sportlichen Karriere. Zudem berät Ehricht seit mehr als 20 Jahren Unternehmen bei der Kommunikation mit prominenten Sportlern. Sein Geschäftspartner ist der ehemalige Skispringer Sven Hannawald. Mit Siegen in allen vier Wettkämpfen der Vierschanzentournee wurde Sven Hannawald 2001/2002 zur Sportlegende. Doch das Ausnahmetalent konnte dem Leistungsdruck eines Spitzensportlers nicht standhalten: Er musste seine Karriere 2004 beenden, nachdem sich Symptome einer Burnout-Erkrankung zeigten. In seiner Autobiografie „Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben“ liefert er spannende Hintergründe aus dem Innenleben eines Athleten, der sich den gnadenlosen Mechanismen seiner Sportart auslieferte, um erfolgreich zu sein. Ein Buch, das in seiner schonungslosen Ehrlichkeit nicht nur allen Sportinteressierten einen Blick hinter die Kulissen des Lebens von Leistungssportlern gewährt, sondern das auch all jenen Menschen Mut macht, die unter dem Leistungsdruck unserer Gesellschaft selbst an Depressionen oder Burnout erkrankt sind.

Buchempfehlung „Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben“

Wer sich mit Sven Hannawald näher beschäftigen will, dem sei sein Buch „Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben“ empfohlen. Hannawald hat das Buch mit dem renommierten Journalisten Ulrich Pramann geschrieben.

Am 1. Juli 2016 gründete Diplom-Betriebswirt Sven Ehricht eine Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt Betriebliche Gesundheit mit Sven Hannawald. Zuvor schon hatte Ehricht von 2001 bis 2010 den Fußballweltmeister und Europameister Andy Köpke vermittelt. Die erfolgreiche Fußball-WM 2006 in Deutschland war sein Lehrinhalt für zahlreiche Vorträge, Team-Events, Seminare und Incentives für FIFA-Sponsoren, nationale Förderer und fußballbegeisterte Unternehmen. Heute vermittelt Sven Ehricht als Inhaber und Geschäftsführer der Sport Speaker GmbH viele beliebte Olympiasieger und Weltmeister als Marken-Botschafter, TV-Experten und gefragte Redner. Er hat Spitzensportler wie Hochsprung-Olympiasiegerin Heike Henkel, Fußballer Mehmet Scholl oder Hochsprung-Weltmeister Carlo Thränhardt unter Vertrag.

Seminar zu mentaler Gesundheit an der Olympia-Skisprungschanze Garmisch-Partenkirchen. Wer es bucht, mit dem steigt Sven Hannawald eine Skisprung-Schanze hinauf. Im Profil einer Schanze spiegelt er die Karriereleiter oder den Lebensweg seiner Teilnehmer. Foto: Pressebild

„Die Spitzensportler haben alle gezeigt, wie psychische Stärke hilft, zu siegen“, sagt Ehricht. Seine Sportler zeigten den Kunden aber auch: „Wer sich nicht mental vorbereitet, fliegt irgendwann raus.“ Sein Kompagnon Hannawald tritt nicht nur als Redner auf: Wer dessen Angebot bucht, mit dem läuft der ehemalige Profisportler eine Skisprung-Schanze hinauf. Im Profil einer Schanze spiegelt Hannawald die Karriereleiter oder den Lebensweg seiner Teilnehmer wider. So manchem habe der 46-Jährige damit geholfen, den Beginn einer neuen Balance in ihrem Leben zu finden, sagt Ehricht. „Wir sitzen alle in einem Boot“, lehrt Florian Mennigen, mehrfacher Weltmeister im Rudern. Manager nehmen bei Menningen, der auch Psychotherapeut ist, im Boot Platz. Der Olympiasieger zeigt, wie Manager wieder in den Takt kommen beim Rudern.

Spitzensportler als Speakers

Die Sport Speakers GmbH ist Deutschlands Netzwerk aus Olympiasiegern und Weltmeistern. Seit 20 Jahren berät Sven Ehricht sportinteressierte Unternehmen, Sponsoren, Verbände und Event-Agenturen, konzipiert und realisiert motivierende Vorträge, unterhaltsame Business-Talks und Moderationen – online per Videoschaltung, hybrid und live auf der Bühne. Sport Speakers wie Hochsprung-Olympiasiegerin Heike Henkel, Fußballer Mehmet Scholl oder Hochsprung-Weltmeister Carlo Thränhardt treten bei Mitarbeiter- und Kundenveranstaltungen auf, in Meetings, Team-Events und Workshops.

Heike Henkel ist die bislang einzige Hochspringerin weltweit, die in drei aufeinanderfolgenden Jahren Europameisterin, Weltmeisterin und Olympiasiegerin wurde. Die Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona war der Höhepunkt ihrer Sportkarriere. Ihre Zuhörer folgen ihr in ein Stadion zur Hochsprung-Matte. Und dann legt sie die Hürden immer höher für die leitenden Mitarbeiter. Heike Henkel ist heute ausgebildete Mental-Trainerin für Sportler und bei Ehricht gefragte Vortragsrednerin in Firmen, auf Kongressen und Veranstaltungen. Sie zeigt ihren Teilnehmern auch Atemübungen und Meditation und wie das den Geist befreien kann. Mitunter kann auch ein strukturierter Tagesablauf dabei helfen, mental gesund zu bleiben. Wie das geht – auch dabei können die Sportler helfen. Denn sie wissen mit dem hohen psychischen Druck umzugehen. Aber nicht immer. Eine, die diesem Druck nicht standhielt, war Olivia Podmore. Die neuseeländische Bahnradfahrerin und Olympionikin von Rio 2016 starb am 10. August 2021 in ihrem Haus. Die erst 24-Jährige hatte sich nicht für die Olympischen Spiele in Japan qualifiziert. Kurz vor ihrem Tod hatte die Leistungssportlerin in ihrem Instagram-Kanal den hohen Druck in Sport und Gesellschaft beklagt. Dieser Post ist inzwischen gelöscht worden. Die seelischen Belastungen des Leistungssports waren auch für die US-amerikanische Turnerin Simone Biles zu hoch. Sie gab deswegen ihre Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen auf – während des ersten Wettbewerbs.

Was ist eigentlich seelische Gesundheit?

Berufstätige Erwachsene verbringen circa ein Drittel ihres Tages mit der Arbeit. Die Arbeit hat daher einen erheblichen Einfluss auf unsere körperliche und psychische Gesundheit. Mit betrieblicher Gesundheitsförderung können Unternehmen ihren Beschäftigten Strategien für einen gesunden Umgang mit Stress mit auf den Weg geben.

Ans Aufgeben denkt Jan Kalbfleisch keinesfalls. Damit er durchhält, strukturiert der Geschäftsführer des Forward – Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft seinen Tagesablauf genau. „Routinen sind wichtig, um psychisch gesund zu bleiben“, sagt er, denn er braucht starke Nerven. Corona, neue Aufgaben – so viel, dass er sogar von einem Transformationsprozess spricht. Weswegen er sich von der Hälfte seiner 14 Mitarbeiter trennen musste. Der umbenannte Kommunikationsverband Famab stellt sich gerade, wie viele Mitgliedsunternehmen, komplett neu auf. In dem Verband sind seit knapp 60 Jahren unterschiedliche Marktteilnehmer der Veranstaltungsbranche organisiert, die unter heftigen Umsatzeinbrüchen ächzten, in der Spitze von 80 Prozent. Wenn schon Umbau, dann richtig: Da musste eine Verbandsstruktur her, die die sechstgrößte Branche in Deutschland als Schlüsselwirtschaftssektor repräsentiert. Forward, kurz fwd, will nicht nur die fachliche Bandbreite der Event-Industrie repräsentieren. Sondern auch eine flexible Organisation bieten, die für die 90 Prozent verbandlich nicht engagierten Menschen der Branche offen ist. „Wir bilden jetzt alle Gewerke ab“, formuliert Kalbfleisch. Der Verband sei sehr tiefgreifend verändert worden und nicht nur der Name. Forward will nun für rund 150 Berufsgruppen sprechen. Wenn also alles auf den Kopf gestellt wird bei einem Verband, „dann muss ich mich so beweisen, dass es zwischendurch schon bis zur Erschöpfung ging“, sagt der Geschäftsführer. Schließlich musste neben der politischen Kommunikation das normale Verbandsgeschäft weiterlaufen. Oftmals ging das bis hin zu Gesprächen mit den Steuerberatern der Mitgliedsunternehmen, die sich im Dschungel der staatlichen Hilfsprogramme verirrt hatten. Und nicht zuletzt mussten auch die verbliebenen Mitarbeiter im Verband motiviert werden. „In der Geschäftsstelle gab es etliche, die große Sorgen um die persönliche Zukunft plagten“, berichtet Kalbfleisch.

Foto: fwd

„Aktuell haben wir alles verloren – aber alles, was wir ab jetzt tun, kann nur besser werden. Diese einfache Logik hat mir sehr geholfen, die latent vorhandenen Ängste vor Fehlern und allgemeinem Versagen im Griff zu behalten.“

Jan Kalbfleisch, Geschäftsführer Forward – Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft

Erschöpfte Mitarbeiter, ausgepowerter Geschäftsführer: Dass der Forward trotzdem und glücklicherweise einen Chef hat, der mental kerngesund wirkt, ist dem Umstand zu verdanken, dass der sich Gedanken gemacht hat, wie er psychisch stabil bleibt. Zu den Routinen von Kalbfleisch gehört es auch, jeden Mittag eine Stunde lang durch den Park im westfälische Rheda-Wiedenbrück zu spazieren. Komme, was wolle. Zwar dürfen seine Mitarbeiter ins Home-Office, wenn sie es denn wollen. Er selbst ist – für sich – ein strikter Gegner von Heimarbeit. „Ich war keinen einzigen Tag im Home-Office. Denn wenn ich das Büro verlasse, dann lasse ich die Dinge im Büro. Auch die, die mich arg belasten“, sagt er. „Deswegen scheine ich resilient zu sein.“ Gleich zu Beginn der Krise gab sich Kalbfleisch etwas, was er ein einfaches Motto nennt: „,Aktuell haben wir alles verloren – aber alles, was wir ab jetzt tun, kann nur besser werden.‘ Diese einfache Logik hat mir sehr geholfen, die latent vorhandenen Ängste vor Fehlern und allgemeinem Versagen im Griff zu behalten.“ Jeder Neuanfang birgt offenbar wunderbare mentale Ressourcen in sich. „Man muss es einfach nur machen.“ Weswegen der Forward-Geschäftsführer jetzt drei neue Leute einstellen will. Schließlich hätten von den 230 Famab-Mitgliedern 98,4 Prozent für den Umbau in den fwd: gestimmt. Jetzt gebe es regen Zulauf aus allen Sub-Branchen der Veranstaltungswirtschaft. „Und es gibt Segmente wie die Agenturen, die sich inzwischen weitgehend erholt haben und dringend neue Mitarbeiter suchen.“

„Jeden Tag ein fixes Teams-Meeting mit allen Mitarbeitern. Bei dem jeder und jede sagt, wie es mental geht.“

Dr. Torsten Fremer, Geschäftsführer der Agentur Klubhaus

Geschäftsführer einer solchen Agentur ist Dr. Torsten Fremer. Zwar ist sein „Klubhaus – die Agentur für intelligente Live-Kommunikation“ noch nicht Forward-Mitglied. Aber Fremer konnte der Corona-Krise etwas abgewinnen: Noch nie so viele Kunden wie zuvor. „Weil wir großen Kunden mit Digitalisierung helfen konnten, ihre Kommunikation noch stärker zu digitalisieren.“ Das haben die Kölner eigenem Bekunden zufolge auch geschafft, weil für sie mentale Gesundheit schon immer ein Thema ist. „Freunde sollt ihr sein“, war das frühere Motto von Klubhaus. Denn Rivalitäten schadeten der Kreativität. Die Agentur hat den „Global Summit“ von Henkel komplett digitalisiert. Der für seine Industrieklebstoffe und Konsummarken wie Persil bekannte Konzern hat eine riesige, weltweite Führungskräfte-Tagung mit Klubhaus-Hilfe so umgebaut, dass die Mitarbeiter alles am heimischen Monitor erleben konnten. „Veranstaltet Neues“ ist der jetzige Slogan der Agentur. Daran arbeiteten die 20 Angestellten und Free Lancer im Klubhaus ebenso wie im Home-Office. Der sorge leider dafür, dass die Mitarbeiter psychisch vereinsamten, sagt Agenturchef Fremer. Sein Rezept dagegen: „Jeden Tag ein fixes Teams-Meeting mit allen Mitarbeitern. Bei dem jeder und jede sagt, wie es mental geht.“ Auch gelte es, die wesentlichen Stressoren seiner Mitarbeiter im Auge zu behalten: Digitale Live-Kommunikation werde vom Kunden oft sehr kurzfristig umgeplant. „Das ist eine arge Belastung.“ Hinzu kämen die Pitches, die bei Agenturen im Meeting-Business schon immer als zu ausufernd kritisiert werden. Der Klubhaus-Geschäftsführer: „Die Kunden wollen aktuell Angebote für alle drei Varianten. Analog, digital und hybrid.“

Thomas Grether

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