Eventmanagement heute

„Integration, Legitimation und Innovation“

Blick hinter die Kulissen: Katja Hoffmann-Wöll (links) und Leonie Webb hatten die Gesamtprojektleitung der digitalen UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung 2021 inne und der Nationalen Auftaktkonferenz. Rechts im Bild Ingmar Klatt. Foto: familie redlich

Der rund 60 Spezialistinnen und Spezialisten starke Eventbereich der Berliner Kommunikationsagentur familie redlich hat im vergangenen Jahr einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Die Arbeit von Eventmanagerinnen und Eventmanagern hat sich verändert. Wir sprechen mit Ingmar Klatt, Vorstand und Leiter des Eventbereichs, über seine Beobachtungen und mit Projektleiterin Natalie Maaß-Stalp über ein Best-Practice-Beispiel: die digitale UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

tw tagungswirtschaft: Herr Klatt, Sie leiten den Eventbereich der familie redlich. Was sind aktuell Ihre drei größten Herausforderungen? Ingmar Klatt: Da wären drei Schlagworte zu nennen: Integration, Legitimation und Innovation.

Was meinen Sie damit? Integration heißt, dass sich früher getrennte Formate immer mehr annähern und zu einem großen Ganzen werden. Ein hybrides Event vereint heute frühere Aspekte aus klassischen TV-Produktionen, Webseiten-Architektur und klassischer Event-Inszenierung im Raum. Legitimation heißt, dass es immer herausfordernder wird, die Daseinsberechtigung für ein klassisches Präsenz-Event zu definieren. Manche fragen sich, warum man einen Kongress auch nicht künftig vollständig digital umsetzen sollte. Vor einigen Jahren wurde darüber überhaupt nicht nachgedacht. Und Innovation steht für den zunehmenden Hunger nach Neuem. Das bedeutet, Formate, Prozesse und Event-Bausteine immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, sie neu zusammenzusetzen und eventuell durch Besseres zu ersetzen.

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Wie haben sich Events durch die Pandemie und Digitalisierung verändert? Zahlreiche Veranstalter und Agenturen haben sich 2020 und 2021 der Digitalisierung ihrer Eventformate gewidmet. Dabei ging und geht es den meisten darum, Livestream-Technik so einzusetzen, dass sowohl ein Präsenz- als auch ein Online-Publikum die gleichen Inhalte zur gleichen Zeit sehen kann. Das wäre aber nichts Besonderes – jede Samstagabend-Show im öffentlich-rechtlichen Fernsehen macht das seit fünfzig Jahren. Hybride Veranstaltungen werden zudem häufig als Kombination von Präsenzveranstaltungen mit wenigen Teilnehmenden vor Ort und zugeschalteten externen Gästen verstanden. Das war und ist uns wiederum zu einfach und zu wenig.

Ingmar Klatt

Hinter den Kulissen der digitalen UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung, vom 17. bis 19. Mai 2021: Ingmar Klatt sieht im bcc Berlin einem Techniker über die Schulter. Foto: familie redlich

Was braucht es noch? Einfach ausgedrückt: Es braucht Konzepte, die das Live-Erlebnis vor Ort und remote bestmöglich in beiden Situationen interpretieren. Dabei muss nicht einfach das Präsenz-Erlebnis gestreamt werden – sondern es gilt, die digitalen Mitmach- und Matching-Möglichkeiten so einzusetzen, dass auch für alle, die nicht vor Ort sind, ein echter Mehrwert entsteht. Und umgekehrt genauso: Wie sehen die Mitmach- und Matching-Möglichkeiten für das Präsenz-Publikum aus?

Was heißt das für die Arbeit von Eventmanagerinnen und Eventmanagern? Zunächst: neue Wege gehen zu wollen. Das Ziel sollte das Angebot individueller Guest-Journeys sein, also echter personalisierbarer Erlebnisse, die gerne auch vor und nach der eigentlichen Veranstaltung verfügbar sind. Das stellt Eventmanager:innen vor neue, spannende Herausforderungen.

Neue Herausforderungen und neue Skills: Was müssen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zukunft können oder lernen? Die Branche ist sehr dynamisch und stark von gesamtgesellschaftlichen und politischen Diskussionen und Entwicklungen geprägt. Allein in den letzten Jahren sind quasi über Nacht rechtliche Dimensionen wie Datenschutz und gesundheitliche wie Hygienekonzepte dazugekommen, bei denen Auftraggebende zu Recht eine verlässliche Beratung erwarten. Generell wird das Anforderungsprofil immer komplexer und Eventmanager:innen müssen immer mehr zu gut ausgebildeten Planungs- und Kommunikationsallrounder:innen werden. Mit anderen Worten, es braucht die Bereitschaft, ein Leben lang lernen zu wollen und sich immer wieder in neue Themenkomplexe einzuarbeiten.

„Generell wird das Anforderungsprofil immer komplexer und Eventmanager:innen müssen immer mehr zu gut ausgebildeten Planungs- und Kommunikationsallrounder:innen werden.“

Ingmar Klatt, Vorstand und Leiter des Eventbereichs der familie redlich AG

Wie unterstützen Sie Ihr Team beim Lernen? Wir haben dafür die familie redlich Akademie gegründet, in der Know-how und Kompetenzen aus verschiedenen Disziplinen und Perspektiven vermittelt werden. So ist ein Programm entstanden, das junge Auszubildende ebenso anspricht wie gestandene Senior-Berater:innen. Das umfasst alles von Präsentations- und Moderationstechniken über nachhaltige Event-Umsetzung bis hin zu rechtlichen Aspekten.

Stichwort Digitalisierung: Stellen Sie vermehrt Digital Natives ein mit entsprechender Ausbildung oder einem Studium? Wenn ja, nach wem suchen Sie? Es liegt in der Natur der Sache, dass im Junior- und Medior-Bereich maßgeblich Digital Natives ongeboardet werden – das ist nun mal die aktuell den Arbeitsmarkt prägende Generation. Wir bevorzugen nicht automatisch Akademiker:innen – sondern achten insgesamt auf einen interessanten und spannenden Lebenslauf sowie gute Zeugnisse.

Wenn Sie Eventmanagerinnen und Eventmanagern suchen, was müssen diese an Fachwissen, Fähigkeit und Erfahrungen mitbringen? Grundsätzlich erwarten wir ab dem Medior-Level mindestens drei Jahre Berufserfahrung in der Branche. Eventmanagement ist ja ein komplexes Berufsbild, das Dimensionen wie Medienkompetenz, Eventrecht, Eventcontrolling, Eventdesign und grundsätzliche inszenatorische und dramaturgische Kompetenzen sowie ein solides Verständnis für diverse technische Parameter beinhaltet. Neben diesen Hard Skills erwarten wir aber vor allem eine gute Portion Neugier, Schaffensfreude und Leistungsbereitschaft.

Foto: familie redlich

Ingmar Klatt

Ingmar Klatt hat in den Neunzigern seine Event-Laufbahn als Musik-Veranstalter, Booker und Tour-Manager begonnen – heute ist er Mitglied des Vorstands der Berliner Kommunikationsagentur familie redlich AG. Dort verantwortet er seit 2012 den Bereich Erlebnisse mit rund 60 Mitarbeiter:innen sowie rund 120 Eventproduktionen im Jahr. Ende 2020 hat familie redlich das Agentur-Leistungsportfolio durch die mehrfach dekorierten Retail- und Architektur-Spezialist:innen hartmannvonsiebenthal erweitert. Ingmar Klatt ist vorstandsseitig für diese Integration verantwortlich.

Die Eventbranche ist von der Pandemie schwer getroffen. Mit der Sorge um den Arbeitsplatz sinkt die Attraktivität des Jobs. Wie halten Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und wie gewinnen Sie die „besten Köpfe“ für Ihr Eventteam? Das kann ich zunächst so aus unserer Sicht nicht bestätigen. Gerade die neuen hybriden Formate locken gut ausgebildete Quereinsteiger:innen an, denn zeitgemäße Veranstaltungen erfordern einerseits ein breites Set an traditionellen Kompetenzen sowie grundsätzliche Kommunikationsfähigkeiten. Dazu kommen nun verstärkt Kompetenzen in Sachen Inszenierung, Dramaturgie und Regie. Da sind wir wieder beim Thema Konvergenz, also dem Ineinanderfließen von früher getrennten Arbeitsbereichen. Das ist so spannend, dass viele Mitarbeiter:innen gerne bei uns bleiben und sich neue Kandidat:innen bewerben.

Best Practice:

UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung

Foto: familie redlich

Vom 17. bis 19. Mai 2021 lief in Berlin die digitale UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Mit dem Thema „Learn for Our Planet. Act for Sustainability." leitete sie die neue Dekade zur weltweiten Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen Bildungsbereichen ein. Verantwortlich für die Umsetzung war Natalie Maaß-Stalp. Bei familie redlich leitet sie ein Team, das sich auf internationale Großveranstaltungen spezialisiert hat.

tw tagungswirtschaft: Frau Maaß-Stalp, Sie haben die digitale UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung 2021 verantwortet. Was waren Ihre drei größten Herausforderungen? Natalie Maaß-Stalp: Die drei maßgeblichen Herausforderungen waren die Abstimmungen mit weit über zehn nationalen und internationalen Stakeholder-Gruppen in unterschiedlichen Zeitzonen, die Planung der komplexen Dolmetscher- und Streaming-Anforderungen sowie das Teilnehmenden-Management – natürlich insbesondere das für die teilnehmenden Regierungsvertreter:innen.

Digitale Events unterscheiden sich in der Dramaturgie und Inszenierung von analogen. Können Sie das Konzept für die UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung kurz beschreiben? Das Wichtige war die Verabschiedung der Deklaration „Roadmap 2030“. Dafür gab es eine Statement-Runde, in der sich die anwesenden Ministerien der teilnehmenden Länder zu der Roadmap geeinigt haben. Im weiteren Programmverlauf gab es diverse Arbeitsgruppen, die die konkrete Umsetzung der Roadmap inhaltlich vorangetrieben und in konkrete Handlungsanweisungen übersetzt haben. Abgeschlossen wurde die Konferenz mit der finalen Verabschiedung der Deklaration.

“Learn for Our Planet. Act for Sustainability."

Die UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wurde von der UNESCO und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) vom 17. bis 19. Mai 2021 veranstaltet. Die dreitägige digitale Konferenz mit dem Motto "Learn for Our Planet. Act for Sustainability." bildete den offiziellen Auftakt für die neue Dekade zur weltweiten Verankerung von BNE in allen Bildungsbereichen bis 2030. Es nahmen 3.000 Teilnehmer:innen aus 161 Nationen teil, mehr als 70 Ministerinnen und Minister sowie 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer weltweit.

Die UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) war ein Gemeinschaftswerk. Bitte beschreiben Sie kurz die Aufgabenverteilung zwischen den beteiligten Organisationen und Ihnen. Die Organisator:innen der Veranstaltung – UNESCO, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit der Deutschen UNESCO-Kommission sowie dem Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – haben das Agenda-Setting sowie inhaltliche Dimensionen verantwortet. familie redlich zeichnete für die kreative, technische und organisatorische Planung und Durchführung verantwortlich.

Sie haben mit einem Team zusammengearbeitet, das auf der ganzen Welt verstreut ist. Wie viele Personen waren das und in welchen Bereichen haben diese gearbeitet? Auf Veranstalterseite waren rund 40 Personen eingebunden. Teilweise waren wir zuzüglich anderer Dienstleister:innen mit bis zu 70 Personen eingebunden. Agenturseitig sind Kollegen/-innen aus Projektleitung Grafik, Text, Redaktion und Architektur im Einsatz gewesen. Extern haben wir unser Projektteam durch diverse Technikgewerke, Softwareanbieter und Personaldienstleister verstärkt.

Welche Kommunikations- und Kollaborationstools haben Sie genutzt? In der Zusammenarbeit mit institutionellen Auftraggebern muss diese Anforderung immer sensibel geplant werden, da es unterschiedlich hohe Anforderungen und Sicherheitsrichtlinien gibt. Grundlegend nutzen wir, unter Berücksichtigung der DSGVO, alle bekannten Tools wie Webex, Skype und Jitsi sowie Trello, Asana und Shared Docs.

Was lief in der Zusammenarbeit gut, was nicht? Teamgedanke und Spirit aller haben wirklich reibungslos und toll geklappt. Pandemiebedingt hat jedoch ab und zu der persönliche Austausch gefehlt.

Natalie Maaß-Stalp

Natalie Maaß-Stalp leitet bei der familie redlich ein Team, das sich auf internationale Großveranstaltungen spezialisiert hat. Sie studierte in Berlin International Business Management und arbeitet seit elf Jahren bei familie redlich.

Foto: familie redlich

Wie wurde das zweieinhalbtägige Programm kuratiert und erstellt? Die Ausgestaltung des Programms wurde kollaborativ mit allen Partnern erstellt. Vonseiten der UNESCO gab es viele zu beachtende Kriterien – etwa die internationale Ausgewogenheit in der Besetzung der Panels, in Bezug auf Diversität und der fachlichen Kompetenzen etc.

Welche Formate gab es und wie haben Sie diese durchgeführt?

Im Plenum fanden die offizielle Eröffnung, Keynote-Speeches, Podiumsdiskussionen, der Ministerial Round Table sowie die Abschlusszeremonie statt.

  • In den 5 x 5 Parallel-Sessions, also insgesamt 25, wurden die Konferenzinhalte in Video-Konferenzen vertieft und bearbeitet. Sie dienten vor allem dazu, bereits vorhandenes Wissen allen Beteiligten zugänglich zu machen und konkrete Umsetzungen der Roadmap 2030 zu planen. Darüber hinaus boten sie den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich weiter untereinander zu vernetzen.
  • An der Ausstellung haben sich 85 internationale Organisationen beteiligt. Die Ausstellung war Teil des Programms und hat an zwei Tagen als digitale Session stattgefunden. Angeboten wurden Live-Vorträge und Diskussionen. Die Hälfte der Konferenzgäste hat das Angebot genutzt.
  • Für die Healthy-Breaks haben wir vier verschiedene Videos mit sportlichen Übungen wie Rückentraining oder Yoga zur Verfügung gestellt. Zudem gab es einen angeleiteten Meditations-Spaziergang.
  • Als Rahmenprogramm gab es eine digitale Welcome-Reception mit Reden sowie für die Konferenz eingesungenen Songs und die „German Night“, initiiert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung

Während sich Inhalte digital recht gut abbilden lassen, sind die Möglichkeiten zur Interaktion und zum Networking selten befriedigend. Wie haben Sie das gelöst? Für das Networking wurden ausgewiesene Networking-Zeiten innerhalb des Programms eingerichtet. Zudem waren alle Tools während der Konferenz nutzbar, z. B. der Chat auf der Plattform wonder.me. Möglichkeiten zur Interaktion boten ein Chat sowie diverse Q&A- und Fishbowl-Sessions. Je nach Informations- und Vernetzungsbedarf konnte man über die Eventplattform auf personalisierten Content zurückgreifen. Zudem war es wichtig, dass ausreichend Zeit für die Interaktionen und das Networking eingeplant wurde.

Von wo aus und wie haben Sie die digitale UNESCO-Weltkonferenz übertragen, und worauf ist beim Venue zu achten? Wir haben aus dem bcc in Berlin gesendet. Die Wahl der Location war eine wichtige Planungskomponente, da die komplexen Anforderungen an ein Aufnahmestudio in TV-Qualität sowie an fünf Räume für die Betreuung der parallel laufenden Sessions nur von wenigen Locations erfüllt werden konnten. Darüber hinaus musste die Location groß genug sein, um die Produktion mit einem Team von über 260 Personen dem Hygiene- und Schutzkonzept entsprechend umzusetzen. Für die Plattformlösung wurde mit der kanadischen Firma Nextech zusammengearbeitet.

Die digitale UNESCO-Weltkonferenz wurde aus dem bcc in Berlin gesendet. Nur wenige Locations erfüllen die komplexen Anforderungen an ein Aufnahmestudio in TV-Qualität. Foto: familie redlich

Wie wurde die UNESCO-Weltkonferenz übertragen? Die Übertragung der UNESCO-Weltkonferenz erfolgte auf der Konferenzplattform Inferno AR. Zusätzlich wurde das Programm im Plenum auf dem YouTube-Kanal der UNESCO und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) und dem BNE-Portal des BMBF übertragen. Wir haben über 70 Kanäle benötigt, weil wir sieben Sprachen im Plenum hatten, 5 x 5 Kanäle bei parallelen Sessions, den Stream des Plenums sowie der Nationalen Konferenz auf dem UNESCO- und DUK-Youtube-Channel, jeweils in Englisch und im Original-Ton, den Stream des Plenums sowie der Nationalen Konferenz auf dem BNE-Portal. Außerdem musste pro Kanal ein Back-up-Kanal eingerichtet werden.

The time to act is now: UNESCO World Conference on Education for Sustainable Development 2021

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The 2021 UNESCO World Conference on Education for Sustainable Development closed with the adoption of the Berlin Declaration on Education for Sustainable Development. Take a look at some of the highlights from the Conference and the urgent call to action to learn and act for the planet.

Wie haben Sie sichergestellt, dass alle – Speakers wie Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Zugang bekommen? Nach der Registrierung haben alle Gäste einen Zugang zur Eventplattform per E-Mail erhalten. Zusätzlich wurden individuelle Zugänge für Speaker:innen sowie Teilnehmende, die sich aus Gebieten zugeschaltet haben, in denen der Zugang zu öffentlichen Webseiten erschwert ist, z. B. in China oder in Syrien, eingerichtet.

Sie hatten 260 Speakers. Können Sie uns bitte das Handling beschreiben? Die Auswahl und Einladung erfolgten durch die UNESCO. Wir haben alle Protagonisten/-innen in Zusammenarbeit mit der UNESCO durch persönliche Ansprache per E-Mail inklusive umfangreicher Briefingdokumente informiert und zusätzlich Videocalls mit jedem vereinbart. Die Technik-Checks und das Onboarding haben wir in Zusammenarbeit mit einem technischen Dienstleister koordiniert und umgesetzt. Insgesamt fanden dafür über 85 Meetings im Zeitraum vom 21. April bis 18. Mai 2021 statt. Die Technik-Checks liefen ab einer Woche vor der Veranstaltung.

Wie viele Menschen haben an der UNESCO-Weltkonferenz teilgenommen, wie viele zugesehen? 3.000 internationale Teilnehmende haben die gesamte Veranstaltung mitverfolgt. Diese wurden durch die UNESCO ausgewählt, bekamen Zugang zur Konferenzplattform und konnten das Konferenzangebot somit nutzen. Zudem wurden 10.000 Personen zusätzlich über die YouTube- und BMBF-Kanäle erreicht, die aber nicht alle Teile der Konferenz mitverfolgen konnten.

Wie lief das Teilnehmermanagement ab? Die offizielle Einladung des ausgewählten UNESCO-Verteilers wurde postalisch oder per E-Mail an die Teilnehmenden übermittelt. Zudem konnten sich die Institutionen im Vorfeld der Konferenz über einen Call for Interest für die Teilnahme an der Konferenz bewerben. Die eingeladenen Teilnehmenden konnten ihren Teilnahmewunsch über SurveyMonkey zurückmelden und erhielten per E-Mail einen Zugang zur Konferenzplattform.

Wie haben Sie für den Datenschutz gesorgt – erst recht angesichts von Rednerinnen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel? Ein Querschnittsteam aus unseren Projektleitern, unseren Datenschutzbeauftragten sowie einer externen juristischen Beratung waren im ständigen Austausch mit den Vertretern des Veranstalters.

„Bildung für nachhaltige Entwicklung darf kein Privileg sein, sondern muss allen Menschen überall auf der Welt zugänglich sein.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Eröffnungsrede auf der UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung

Simultan dolmetschen in bis zu sieben Sprachen und zum Teil aus dem UNESCO-Headquarter in Paris. Wie haben Sie die 64 Dolmetscher und 32 Sprachkanäle digital eingebunden? Es gab eine technisch sichere Direktleitung zwischen Berlin und Paris. Zudem haben wir auch die Möglichkeiten von Videokonferenzen genutzt.

Gab es weitere Begleitformate wie den Ministerial Roundtable mit 80 Bildungsministerinnen und -ministern? Nein. Aber zum Ministerial Round Table konnten sich die Minister:innen als Speaker:innen melden. Die enge persönliche Betreuung der Ministerien und der notwendige ständige Kontakt zwischen uns und dem UNESCO-Team in den letzten Tagen vor der Konferenz waren definitiv eine Herausforderung.

Wie haben Sie sichergestellt, dass Sie im Budget- und Zeitrahmen bleiben? Durch regelmäßige Jour-fixe-Termine mit dem Organisationsteam auf Kundenseite, Recap-Meetings sowie tagesaktuelle Auswertungen aus unserem Projektcontrolling.

Ist die UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung klimaneutral abgehalten worden? Ganz klimaneutral können digitale Veranstaltungen leider nicht sein, dennoch konnte natürlich ein hoher Reiseaufwand vermieden werden.

Gab es eine Erfolgskontrolle, Teilnehmerbefragung oder Feedback seitens der UNESCO nach der Veranstaltung? Ja. Und da es uns selbst als auftragnehmender Agentur wichtig ist, setzen wir dies generell bei Planungen von Veranstaltungen als Standard durch. Die Umfrage zeigte eine sehr positive Rückmeldung und Vorfreude auf die nächste Konferenz. Gemäß Feedback innerhalb der UNESCO setzte diese Weltkonferenz neue Maßstäbe; vor allem in der Anzahl der Teilnehmenden, Speaker:innen sowie Minister:innen.

Was sind Ihre drei größten Learnings? Große internationale Konferenzprojekte machen uns sehr viel Spaß, sind aber auch sehr herausfordernd. Man braucht immer ein professionelles, in sich funktionierendes Team, sonst schafft man solch eine große Konferenz nicht. Wenn man die Dramaturgie sowie die Programminhalte konsequent an den digitalen Raum anpasst, funktionieren digitale Konferenzformate – auch in dieser Dimension – sehr gut. Und man benötigt immer mehr Zeit, als man eigentlich zur Verfügung hat.

Welchen wichtigen Aspekt habe ich vergessen? Am dritten Veranstaltungstag fand nach der UNESCO-Weltkonferenz auch die Nationale Auftaktkonferenz statt, welche wir ebenfalls ganzheitlich organisiert und betreut haben.

Kerstin Wünsch

familie redlich AG

familie redlich, Agentur für Marken und Kommunikation GmbH, wurde 2001 von Andre Redlich in Berlin gegründet. Zu den Kunden gehören Unternehmen und Organisationen aus dem Bereich der öffentlichen und gesellschaftspolitischen Kommunikation. 2016 erweitern IT-Lösungen und Open-Source-Technologien durch die coding powerful systems GmbH das Leistungsportfolio, 2021 ergänzt mit den Retail- und Architektur-Spezialisten von hartmannvonsiebenthal. Intelligente Vernetzung bedeutet für familie redlich, unterschiedliche Disziplinen wie Klassische Werbung, Online- und Event-Marketing, Corporate Publishing, Promotions und PR in Szene zu setzen und die medienadäquate Botschaft zum richtigen Zeitpunkt an die passende Zielgruppe zu senden. Auf dem ehemaligen AEG-Gelände im Technologie-Park Humboldthain erstreckt sich eine Agenturfläche von 3.500 Quadratmetern für die 240 Mitarbeitenden. Die Kreativfamilie ist Mitglied im Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA e. V. und im fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft. https://www.familie-redlich.de

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