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Nachhaltigkeit wird in der Schweiz groß geschrieben, zum Beispiel beim Corporate Volunteering im Parc Ela. Foto: Imago, Francesco Bergamaschi

Während COVID-19 in der Schweiz unter anderem die Eröffnung des Megaprojekts „The Circle“ verzögert, richtet die Destination ihren Fokus auf Nachhaltigkeit. Etwa beim Umbau des dann klimaneutralen Kongresshaus Zürich, mit dem Label „Clean&Safe“ und mit Corporate Volunteering im Parc Ela.

Eigentlich hätten wir an dieser Stelle vermutlich endlich von der Eröffnung des „The Circle“ berichtet. Das Multifunktionszentrum am Flughafen Zürich wird zwar bereits seit Mitte des Jahres in Etappen bezogen, doch die offizielle Eröffnung muss noch ein bisschen auf sich warten lassen. Coronavirus sei Dank. Die Eröffnung der publikumswirksamen Bereiche wie Kongresszentrum, Hotel, Restaurants und Shops ist nun für Ende des Jahres geplant. Die Gesamtfläche der Veranstaltungsräume des neuen Convention Centres beträgt 5.000 qm, allein die Convention Hall fasst bis zu 1.500 Personen. Zudem ergänzen 15 weitere Veranstaltungsräume das Angebot. Direkt verbunden ist das neue Kongresszentrum mit dem Hotel Hyatt Regency Zurich Airport The Circle, das Events mit einer hoteleigenen professionellen Veranstaltungsplanung unterstützt. Es verfügt über 250 Zimmer, Lobby mit Bar, Market und Restaurant und eine Regency Club Lounge mit eigener Terrasse und direktem Blick auf den Park.

Nicht auf Besucher angewiesen sind die Unternehmen, die die rund 70.000 qm Büroflächen beziehen. Mit Unispace Global zieht eine Firma, die sich auf die Gestaltung von Arbeitsumgebungen spezialisiert hat, von der Zürcher Innenstadt in den Circle. Unispace gestaltet für Unternehmen die Arbeitswelten von morgen und realisiert innovative und auf die Zukunft ausgerichtete Büroflächen. Ein Business-Modell wie gemacht für die heutige Zeit. Benji Tiso, Principal Unispace Schweiz, fiel die Standortwahl seines Unternehmens nicht schwer: „Das zukunftsweisende Konzept vom Circle unterstreicht unsere Position als marktdefinierende Visionäre im Workplace Design. Die Synergien, die sich an diesem neuen Standort ergeben, erlauben uns, unsere Kompetenz optimal einzubringen und langjährige Partnerschaften zu bilden. Wir sind überzeugt, dass der Circle Unispace, aber auch den Flughafen Zürich im internationalen Kontext weiter festigt und hervorhebt!“

Unispace trifft im Circle auf Nachbarn wie Microsoft und SAP, die beide ihren Schweizer Hauptsitz hierher verlegen. Damit wird der Circle zu einem wahren Technologie- und Innovations-Hotspot in der Schweiz. Was der Community-Gedanke und mögliche Synergien zwischen Mietern und Nutzungsmodulen für die Schweizer Veranstaltungswelt bedeutet, zeigt sich, wenn Events wieder unbedenklich stattfinden können, dass es jetzt aber bereits möglich ist sich zu treffen, betont Helena Videtic: „Es finden wieder erste Präsenzveranstaltungen statt“, sagt die Managerin Meetings Germany & Austria beim Switzerland Convention & Incentive Bureau (SCIB).

„Es finden wieder erste Präsenzveranstaltungen statt“

Für unser Format „Give me Five“, das wir auf der gemeinsam mit dem German Convention Bureau initiierten Plattform www.eventcrisis.org veröffentlichen, hat uns Helena Videtic, Managerin Meetings Germany & Austria beim Switzerland Convention & Incentive Bureau (SCIB), Rede und Antwort gestanden. Sie berichtet über einen Educational Trip mit Corporate-Volunteering, das Schutzkonzept „Clean & Safe“ und den „Zoom Room“ im Hotel Säntispark in St. Gallen.

Seit dem 15. Juni sind die Grenzen zwischen der Schweiz und Deutschland geöffnet. Um das Vertrauen der Gäste in die Schweiz als sichere und saubere Destination zu stärken, haben die Tourismusbranchenverbände ein „Clean & Safe“-Label ins Leben gerufen. Das Label zeigt den Gästen, dass sie einen Betrieb besuchen, der sich bewusst zur Einhaltung des Schutzkonzeptes verpflichtet hat. Das Label wird von den jeweiligen Branchenverbänden zur Verfügung gestellt. Es stehen insgesamt sechs branchenspezifische Labels zur Auswahl, visuell vom branchenübergreifenden Label abgeleitet: Hotellerie, Gastronomie, Schifffahrt, Seilbahnen, Öffentlicher Personen- und Nahverkehr und Meetings. Alle Betriebe, die das für sie passende Label nutzen möchten, müssen sich beim jeweiligen Verband online registrieren lassen und bekräftigen mit ihrer Unterschrift die Einhaltung der Schutzkonzepte. In welcher Form (online, physisch) das Label zum Einsatz kommt, wird immer bedarfsabhängig in Absprache mit dem zuständigen Branchenverband geregelt.

„Die Schweizer Tourismus- und Veranstaltungsbranche mit all ihren Branchenverbänden hat mit der Einführung von Schutzmaßnahmen und dem Schutzkonzept „Clean & Safe“ sehr rasch auf COVID reagiert“, weiß Videtic. Über den Sommer waren bereits Veranstaltungen mit bis zu 1.000 Personen erlaubt, sofern die Teilnehmer einen Abstand von 1,5 Metern einhalten und in Sektoren von 300 Personen aufgeteilt werden.

Nicht von derzeitigen Einschränkungen betroffen, ist das Kongresshaus Zürich, das derzeit umgebaut und erneuert wird und im Sommer 2021 wiedereröffnet. Der komplette Gebäudekomplex wird umfangreich renoviert und auf den neusten Stand der Technik gebracht. Umbaumaßnahmen sollen das Kongresshaus zugänglicher, übersichtlicher und flexibler nutzbar machen, auf 5.300 qm Veranstaltungsfläche wird es über 20 unterteilbare Säle, Räume und Foyers mit bis zu 4.500 Sitzplätzen geben. Der damals nachträglich erstellte Panoramasaal wird zurückgebaut. Zum General-Guisan-Quai entsteht ein neuer Trakt mit Gartensälen und auf dem Niveau der Terrasse ein Aussichtsrestaurant. Damit erhalten der Kongresssaal, der mit Foyer auf 1.627 Sitze bei Theaterbestuhlung kommt und das Konzertfoyer die Sicht auf das See- und Alpenpanorama zurück. Alle Räume werden mit neuster Technik ausgerüstet und sind miteinander digital vernetzt.

Die aktuelle Baustelle des Kongresshaus Zürich.

Nach der Wiedereröffnung wird das Veranstaltungszentrum vollständig klimaneutral agieren. Die entsprechende Zertifizierung von Climate Partner Switzerland wurde bereits 2019 erteilt. Die Umsetzung klimaneutraler Maßnahmen umfasst mehrere Ansätze: Den größten Effekt erreicht das Kongresshaus Zürich im laufenden Betrieb mit einem entsprechenden Catering-Konzept. Dazu gehört das Verwenden regionaler und saisonaler Produkte und ein ideenreiches Angebot vegetarischer und veganer Küche. Die Abdeckung von 70% der Wärmeregulierung erfolgt durch die Nutzung des Wassers aus dem nahegelegenen Zürichsee und der unvermeidbare CO2-Ausstoss wird mit dem Engagement für ein Waldschutzprojekt in Peru kompensiert. Die zentrale Lage ist außerdem eines der größten klimarelevanten Kriterien: Die Anreise innerhalb der Stadt Zürich kann zu Fuß oder mit dem ÖPNV erfolgen.

Nachhaltigkeit steht auch im Fokus eines Educational Trips samt Corporate-Volunteering-Einsatz im Parc Ela, den Helena Videtic mit MySwitzerland Anfang September organisiert hat. „Durch die Tatsache, dass die Schweiz zu den nachhaltigsten Ländern der Welt zählt, super viele nachhaltige Initiativen beherbergt, und es mir zudem ein ganz großes Anliegen ist, dass Veranstaltungen möglichst abfallfrei, klimaneutral und energieeffizient geplant und durchgeführt werden, kam diese Idee für den etwas anderen Branchentrip auf“, erklärt Videtic. Wie diese Veranstaltung aussieht, beschreibt Bloggerin Katrin Lüthy, die für die tw tagungswirschaft an der Veranstaltung teilgenommen hat.

„Wir sind hier nicht im Disneyland“

Bloggerin Katrin Luethy hat an einem Educational Trip in den Parc Ela teilgenommen. Ihr Thema? Corporate Social Volunteering. Ihr Auftrag? Eine Kuhweide roden. Ihr Eindruck? Einen wichtigen Beitrag geleistet.

„Gerade die Themen Müll und Food Waste im Veranstaltungsrahmen machen mir tatsächlich große Sorgen“, sagt Videtic, für die die Themen Corporate Social Responsibility und Nachaltigkeit „jetzt und im neuen Heute die große Zukunft sein“ werden. Als sie am 6. September 2020 mit dem Zug zurück ins heimische Frankfurt fährt, fasst die „schlichtweg überwältigte“ Videtic ihre Eindrücke zusammen: „Mir bleiben vier Tage voller angeregter Diskussionen, neusten Erkenntnissen, wertschätzenden Begegnungen auf absoluter Augenhöhe und jede Menge neuer Ideen und Impulse in allerbester Erinnerung. Wir konnten mit fein ausgewählten Programmpunkten eine Gruppe von elf nachhaltigkeitsaffinen Veranstaltungsplanern aus Deutschland aufzeigen, wie wichtig es ist, das Thema lebendig zu bespielen und proaktiv und ungefragt in zukünftige die Kundenkonzepte zu integrieren.“ Sie will das Thema für den Meeting-Standort Schweiz nachhaltig bespielen: „Ich für meinen Teil sehe dieses Projekt quasi als Kick Off oder Teaser fürs kommende Jahr, ich möchte daran festhalten und sehen, was sich alles daraus entwickelt.“

Christian Funk

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