Foto: dfv Mediengruppe

Editorial

Kerstin Wünsch

Chefredakteurin tw tagungswirtschaft

Tom Koperek geht nach Berlin

Kennen Sie Tom Koperek? Für mich ist Tom Koperek ein Mann der Stunde. Der Geschäftsführer der Grand Hall Zollverein hat etwas Unglaubliches geschafft: Zur „Night of Light“ leuchten in der Nacht vom 22. Juni 2020 mehr als 9.000 Gebäude rot, darunter Locations und Theater, Tagungshotels, Kongresshäuser und Messegelände. In über 1.500 Städten und weit darüber hinaus machen sie die Öffentlichkeit, Politik und Presse auf ihre dramatische Situation aufmerksam. Sie suchen den Dialog und stoßen eine Bewegung an: das Bündnis „#AlarmstufeRot“ zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft. Heute am 9. September 2020 geht die „#AlarmstufeRot“ los. Um „Fünf nach Zwölf“ beginnt die Großdemonstration in Berlin und endet mit der Übergabe von sechs Forderungen an die Politik – und des „letzten Hemdes“. Denn die Lage ist ernst. Mit jeder COVID-19-Neuinfektion wachsen die Furcht vor der zweiten Welle und die Planungsunsicherheit. Die Perspektivlosigkeit bringt Tom Koperek und seine Mitstreiter auf die Straße. Sie fordern einen Rettungsdialog mit der Regierung: „Unsere Branche benötigt dringend eine Überlebensperspektive!“

Unsere Branche? Wer ist das noch? Die einen sehen Veranstaltungen in ihrer Vielfalt, also Konzerte und Kulturveranstaltungen, Kongresse und Messen, andere in ihrer Einzigartigkeit. Nur: Die Krise macht da keinen Unterschied. Tom Koperek auch nicht. Er macht, was er immer macht: Menschen mobilisieren. Das findet Beachtung. „Ich findet es gut, dass die Branche ihre Kompetenzen genutzt hat, um mit der ‚Night of Light‘ so eindrucksvoll auf sich aufmerksam zu machen“, sagt Kristina Vogt. Die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa der Freien Hansestadt Bremen und Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz 2019/2020 rät der Branche, ihre Interessen zu vertreten. „Das funktioniert am besten, wenn man sich nicht nur in der Krise zusammenschließt, sondern kontinuierlich Lobbyarbeit betreibt. Ich denke, dass es wichtig ist, die verschiedenen Gewerke in einem zentralen Verband zusammenzuschließen, um mit einer Stimme sprechen zu können.“

Eine Stimme zu finden, das ist die große Aufgabe: Sich auf den größten gemeinsamen Nenner zu verständigen und gemeinsame Interessen zu vertreten. Und Lobbying betreiben. Das ist eine ständige Angelegenheit und meint nicht nur Hilferufe in schlechten Zeiten, sondern Erfolgsmeldungen in guten Zeiten. Also nicht Teil des Problems zu sein, sondern Teil der Lösung. Es geht um die Wirkung und Wirksamkeit von Veranstaltungen: Wie tragen diese bei zum Wohlstand, zu Wirtschaft und Wissenschaft? Aktuell etwa: Wie helfen Kongresse und Messen bei der wirtschaftlichen Erholung und Erneuerung in der Zeit nach Corona? Nachzulesen im „JMIC Global Manifesto“ des Joint Meetings Industry Council (JMIC). Aber Veranstaltungen können mehr: Sie sorgen für die Begegnung von Menschen – wenn auch im Moment eher hybrid und virtuell – und fördern deren Zusammenhalt. Genau darum geht es gerade. Zur Sommerpressekonferenz sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Das Virus ist eine demokratische Zumutung.“ Die Bürger müssten damit rechnen, dass es im Herbst und Winter noch schlimmer werde als im Sommer, weil sich unser Leben wieder nach drinnen kehre. Für die kommenden Monate nennt Merkel drei Ziele: Die Bildung der Kinder, das Wirtschaftsleben am Laufen zu halten oder wieder zum Laufen zu bringen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu bewahren. Da sind wir gefragt. Und darüber muss ich mit Tom Koperek und seinen Bündnispartnern vor dem Reichstag reden. Sprechen wir uns in Berlin? Falls nicht, schreiben Sie mir.

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