Interview Diana Kühne

„Wir bauen das Format ‚Erst Online. Dann Präsenz‘ aus“

Foto: Stefan Zeitz Photography

Diana Kühne, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), über die Viszeralmedizin 2021 im hybriden Format, eine Impfquote von 96 Prozent und langjährige Partnerschaften.

tw tagungswirtschaft: Die Viszeralmedizin 2021 fand vom 13. bis 18. September erstmals hybrid statt. Was waren Ihre beiden größten Herausforderungen? Diana Kühne: Es ist sicher keine Überraschung, dass die aktuelle Pandemielage DAS bestimmende Thema bei der Kongressorganisation war. Einerseits im ganz großen Rahmen – so haben wir bis in den Juni hinein parallel zum Präsenzkongress noch eine Online-Ausfall-Variante geplant. Andererseits gab es eine beispiellose Fülle an erstmals anfallenden praktischen Fragen zu klären: Wie viele Teilnehmende passen bei welcher Pandemielage in welchen Raum, gibt es Catering mit oder ohne Verpackung, wie breit müssen die Gänge in der Industrieausstellung sein, wer liefert Plexiglasscheiben für die Abtrennung bei den Vorsitzenden-Tischen, wie viele Testkits für das Testcenter müssen bestellt werden, und, und, und … Eine weitere Herausforderung war das Management des vorgeschalteten Online-Kongresses: Wir hatten den Ehrgeiz, diesen in eine frisch relaunchte Kongresswebseite einzubinden. Was simpel klingt, hat ein Team aus der Geschäftsstelle gemeinsam mit unseren technischen Partnern über Monate intensiv beschäftigt. Glücklicherweise haben uns viele unserer Teilnehmenden bestätigt, dass sich dieser Aufwand gelohnt hat.

Tag eins bis drei der Viszeralmedizin 2021 lief im Live-Stream ab, Tag vier bis sechs im Congress Center Leipzig. Was hat gut funktioniert, was nicht so gut? Da wir bereits im Vorjahr eine Online-Alternative für den ausgefallenen Präsenzkongress auf die Beine gestellt hatten, waren wir hinsichtlich der technischen Realisierbarkeit recht entspannt. Hinzu kam, dass bei allen Referierenden und Teilnehmenden die vollzogene Lernkurve digitaler Veranstaltungen spürbar war. Der Präsenzkongress 2021 wird mir persönlich besonders wegen der positiven und freudigen Atmosphäre vor Ort in Erinnerung bleiben. Besonders beeindruckt hat mich auch, wie geduldig alle erforderlichen Maßnahmen von den Teilnehmenden akzeptiert wurden. Etwas hinter den Erwartungen zurück blieb der Samstag – hier hatten wir gehofft, mit einem ausgefeilten Kurskonzept für noch mehr Attraktivität sorgen zu können. Dies ging nicht so auf, sicher auch deshalb, weil wir am Freitagabend den traditionellen gemeinsamen Kongressabend ausfallen lassen mussten und damit ein Grund weniger vorhanden war, den Kongressbesuch auf das Wochenende auszudehnen.

Viszeralmedizin 2021: Das war's

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) bedankt sich bei den 5.800 Teilnehmenden an dem Jahreskongress im neuen Gewand!

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Insgesamt hatten Sie 5.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wie viele Personen haben sich zugeschaltet, wie viele sind nach Leipzig gereist? Vor Ort in Leipzig waren 3.600 Teilnehmende, das Online-Programm haben 2.800 Zuschauende verfolgt. Insgesamt waren wir mit der Beteiligung sehr zufrieden, da sie nahtlos an das Vor-Corona-Niveau anknüpfte. Wie fällt nach vier Wochen das Feedback der Teilnehmenden aus? Angesichts des neuen Konzeptes haben wir auf eine sorgfältige Evaluierung hohen Wert gelegt. Die Quintessenz: Das neue Konzept kam gut an, es herrschte Freude und Anerkennung, dass wir uns getraut haben, einen Präsenzkongress anzubieten. Die Mehrheit der Befragten wünschte sich einen Online-Teil im selben Umfang auch für 2022. Dem werden wir nachkommen. Die in der Ärzteschaft übliche hohe Impfquote gibt es so auch in der Gastroenterologie und Viszeralchirurgie: Angesichts einer Impfquote von 96 Prozent konnten wir entspannt in den Präsenz-Kongress gehen – dennoch stellte sich eine gewisse Erleichterung ein, als nach 20 Tagen definitiv war, dass es zu keinerlei Krankheitsausbrüchen gekommen war.

Foto: DGVS

„Angesichts einer Impfquote von 96 Prozent konnten wir entspannt in den Präsenz-Kongress gehen.“

Diana Kühne, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)

Ist die Viszeralmedizin 2022 in Hamburg wieder in einem hybriden Format geplant? Ja. Wir bauen das Format „Erst Online. Dann Präsenz“ aus. Das Online-Programm werden wir zeitlich etwas straffen und später beginnen. Die Präsenztage werden etwas anders strukturiert, aber bleiben im Kernbereich so bestehen. Insgesamt werden wir wieder mehr als 120 wissenschaftliche Sitzungen und Kurse anbieten. Welche Learnings aus Leipzig werden in das Konzept einfließen? Wir werden dem Online-Programm mehr noch als in diesem Jahr einen Stand-alone- Charakter geben, um denjenigen, die komplett auf den Präsenzkongress verzichten müssen, einen in sich geschlossenen Überblick über Aktuelles aus den Fächern anbieten zu können. Wir werden dem Netzwerken und Austauschen am Rande des wissenschaftlichen Programms wieder mehr Raum geben und das wissenschaftliche Programm am Kongress-Samstag noch fokussierter gestalten.

Diana Kühne mit Mitgliedern des DGVS-Vorstands (v.l.): Prof. Dr. Frank Lammert, Präsident der DGVS, Prof. Dr. Siegbert Faiss, Schatzmeister der DGVS, und Dr. Ulrich Rosien, Vorsitzender der Sektion Endoskopie der DGVS. Foto: Stefan Zeitz Photography

Um das normale Leben wieder aufzunehmen, braucht es – wie Sie sagen – ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept. Wie ist dieses Sicherheitskonzept in Leipzig entstanden? Hier ist es an der Zeit, die unermüdliche Arbeit des Congress Centers Leipzig (CCL) zu würdigen: Das CCL war in stetigem Kontakt mit den Regional- und Landesbehörden und hat gefühlt bereits Stunden nach der Verabschiedung einer neuen Corona-Verordnung neue Rahmenbedingungen und angepasste Handlungsvorschläge an uns weitergegeben. In zahlreichen Videokonferenzen haben wir gemeinsam dort Entscheidungen getroffen, wo etwas nicht explizit geregelt war und damit auch gemeinsam Verantwortung für die Sicherheit aller übernommen. In der Krise hat sich Ihre langjährige Partnerschaft mit dem PCO Interplan und dem Congress Center Leipzig bewährt. Hätten Sie ein, zwei Beispiele, um das zu veranschaulichen? Dazu ein Blick zurück zu 2020. Man muss sich vergegenwärtigen, dass die Absage eines Kongresses mit einem Millionenumsatz drei Monate vor Stattfinden in erster Linie eines ist: ein finanzielles Desaster für alle Beteiligten. Eben weil wir langjährig vertrauensvoll zusammenarbeiten, haben wir eine Lösung gefunden, die allen „ein bisschen“ wehgetan, aber niemanden ruiniert hat. Die Organisation 2021 war naturgemäß geprägt von Unsicherheiten, damit verbundenen Planänderungen und später als üblich getroffenen wichtigen Entscheidungen auf unserer, der Veranstalterseite. Interplan hat sich professionell und klaglos diesen Hin und Hers angepasst und dafür gesorgt, dass das Ergebnis stimmte. Chapeau!

Kerstin Wünsch

Die DGVS

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) vereint als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane mehr als 6.500 Ärzt*innen und Wissenschaftler*innen aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Mit dem Kongress „Viszeralmedizin“ veranstaltet die DGVS gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) den größten Kongress für Gastroenterologie und Viszeralchirurgie im deutschsprachigen Raum.

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