Empathie

Dem Wandel begegnen

Das Gespräch suchen und gemeinsam ins Tun kommen, darum geht es bei den Future Labs auf dem UN-Klimagipfel 2021 in Glasgow, wie hier zum Thema Gesundheit. Foto: Justin Goff, UK Government

Warum braucht es bei der Lösung der großen Probleme der Menschheit die persönliche Begegnung? Wie gelingen Begegnungen auf Konferenzen und Events, und welche Rolle spielen dabei Empathie und Resonanz? Durch die Pandemie ist die Veranstaltungsindustrie gefragt, sich an neue Realitäten anzupassen. Mehr denn je ist der in den Mittelpunkt zu rücken, um den es geht: den Menschen.

40.000 Delegierte fliegen zur UN-Klimakonferenz 2021 nach Glasgow und verfehlen ihr Ziel: die konkrete Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius. Forscherinnen und Forschern zufolge gehen die Verabredungen und Versprechen der 200 Staaten zur Senkung der Treibhausgas-Emission nicht weit genug und führen zu einer Erderwärmung um 2,1 Grad Celsius bis 2100. Dass der COP26 hinter den Erwartungen zurückbleibt, hat viele Gründe. Der entscheidende Grund ist wohl der Mensch. Einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Debatte leistet folglich Prof. Dr. Joachim Bauer mit seinem Buch „Fühlen, was die Welt fühlt“. Darin befasst sich der Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut mit der Bedeutung der Empathie für das Überleben der Menschheit und Natur. Für ihn ist die Empathie der tiefste Erfahrungs- und kraftvollste Handlungsraum und die Lösung gesellschaftlicher und globaler Probleme. „Empathie braucht Gegenseitigkeit, Reziprozität. Doch um diese ist es schlecht bestellt“, schreibt Bauer – und weiter, dass es seit der Sesshaftwerdung und dem Eintritt des Menschen in den zivilisatorischen Prozess zwischen Mensch und Natur zu einer Entfremdung kam.

Fühlen, was die Welt fühlt Die Bedeutung der Empathie für das Überleben von Menschheit und Natur

Die Welt ist im Wandel. Ereignisse wie die Corona-Pandemie, nur ein Aspekt einer größeren ökologischen Krise, führen uns die Verletzlichkeit des Menschen vor Augen und machen Angst. Sie lassen uns aber auch Zusammenhalt spüren, die tief verankerte Sozialität des Menschen. Wir nennen dieses Gefühl Empathie. Sie ist der Kern unseres Wesens und einer Kultur der Gemeinschaft. In seinem neuen Buch erläutert der Bestsellerautor und preisgekrönte Wissenschaftler Joachim Bauer, wie die Empathie in uns angelegt ist, und warum sie die Lösung gesellschaftlicher und globaler Probleme darstellt.

Für den modernen Menschen sind etliche Objekte Teil seines „Extended Self“ geworden, allen voran das Handy und Accounts in sozialen Medien. Sie schwächen die Verbundenheit untereinander und mit der Natur. Diese Verbundenheit lässt sich laut Bauer wiedererlangen durch persönliche Beziehungen und die Zugehörigkeit zu größeren Gruppen. „Daher sollten wir“, so der Bestseller-Autor, „wenn wir die innergesellschaftliche Empathie stärken wollen, auf die Vermehrung und Intensivierung analoger Begegnungen zielen, die Menschen die Möglichkeit bieten, sich physisch – von Angesicht zu Angesicht – zu begegnen, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich miteinander zu betätigen.“

„Empathie ist der tiefste Erfahrungs- und kraftvollste Handlungsraum und die Lösung gesellschaftlicher und globaler Probleme.“

Prof. Dr. Joachim Bauer, Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut

Empathie stärken

Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden (Wikipedia). Empathie ist nicht angeboren. Sie entwickelt sich vom ersten Lebenstag an in zwischenmenschlichen Beziehungen. Bauer veranschaulicht das: Säuglinge brauchen die einfühlende Reaktion ihrer Bezugspersonen. Dass man sich in ihn einfühlt, erkennt der Säugling daran, dass die Bezugspersonen seine körpersprachlichen Mitteilungen der Freude, der Wonne, des Missbehagens, der Angst und des Ärgers mit einer Spiegelungs- und Resonanzreaktion beantworten. Anhand dieser spürt der Säugling, dass er gesehen wird. Das löst in ihm wiederum eine Resonanz aus. Biologisch steht dahinter ein neuronales Resonanzsystem, das System der Spiegelnervenzellen. Es wird immer aktiv, wenn sich zwei Menschen begegnen.

Podcast mit Professor Joachim Bauer aus der Podcast-Serie „Grenzenloses Eventdesign – Gespräche über gute Veranstaltungskultur“ von Convention Partner Vorarlberg

Gute Begegnungen sind der Wunsch vieler Teilnehmender von Veranstaltungen. Dass sie gelingen, ist keine reine Kopfsache. Einfühlungsvermögen – ich fühle, was du fühlst – ist eine wichtige Voraussetzung, um anderen Menschen offen zu begegnen. Auch Empathie der Natur gegenüber sei wichtig, sagt der Arzt, Neurowissenschaftler und Psychotherapeut Professor Joachim Bauer. Sie eröffne uns neue Erfahrungsräume und sei eine Voraussetzung, um die Umwelt nachhaltig zu schützen. Im Podcast spricht er über hirngerechte Eventdramaturgie, die Bedeutung von Blickkontakt und das Staunen auf 3.000 Metern über dem Meeresspiegel.

„Ich glaube, dass, wenn Menschen mit Menschen physisch zusammenkommen und ihre Gegenwart erleben, Entfremdung entgegengewirkt wird“, sagt Bauer in der Podcast-Serie „Grenzenloses Eventdesign – Gespräche über gute Veranstaltungskultur“. Immer wenn Menschen physisch zusammenkommen und etwa bei einer Konferenz etwas miteinander erleben, entsteht Verbindung. Bauer: „Wir haben im Gehirn Netzwerke für das eigene Selbst und das Selbst der anderen. Diese Netzwerke überlappen sich. Diese Netzwerke für das eigene Selbst sitzen im Stirnhirn, im präfrontalen Cortex. Sie überlappen sich mit Netzwerken, die wir angelegt haben, um die Identität anderer Menschen abzuspeichern.“ Gemeinsame Erlebnisse oder Aktivitäten verstärken diese „Ich-Du-Koppelung“, wie Bauer es nennt. Sie entsteht durch den Blickkontakt auf der Sinnesebene, wenn sich Menschen in die Augen sehen. Und das lässt sich aus neurowissenschaftlicher Sicht nicht digital ersetzen.

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KLIMAFREUNDLICH TAGEN

im darmstadtium

erstes Kongresszentrum mit EMASplus-Zertifizierung in Europa.

Green Meetings zeigen Verantwortung und Bewusstsein seitens Anbieter und Unternehmen für Umwelt und Gesellschaft. Doch bei einem Trend soll es nicht bleiben: Als Vorzeigeobjekt für Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und intelligente Energienutzung ist das darmstadtium prädestiniert für einen zukunftsorientierten und klimafreundlichen Tagungsort. Zahlreiche Auszeichnungen der letzten Jahre verdeutlichen das kontinuierliche Engagement des Wissenschafts- und Kongresszentrums für die Umsetzung eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzeptes.

Die ideale Location für Ihr nachhaltiges Event!

Resonanz erleben

Dass das Convention Partner Vorarlberg in seiner Podcast-Serie „Grenzenloses Eventdesign – Gespräche über gute Veranstaltungskultur“ mit Joachim Bauer spricht, ist kein Zufall. Dort in Vorarlberg erforscht das micelab:bodensee die Begegnungskultur mit Fachleuten verschiedener Disziplinen. Träger ist der Verein BodenseeMeeting, ein Netzwerk aus zwölf Convention Centres und Bureaus aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Neben Convention Partner Vorarlberg in Bregenz sind unter den Mitgliedern das Kultur- und Kongress-Zentrum Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen und das Würth Haus Rorschach in Rorschach.

Ihre virtuelle Forschungs- und Lernreise micelab:expedition hat das Thema „Sicherheit im Umgang mit Unsicherheit“ und zuletzt Prof. Dr. Hartmut Rosa zu Gast gehabt. Der Soziologe ist bekannt geworden durch Bücher wie „Resonanz als Weltbeziehung“. Resonanz bedeutet: „Etwas berührt uns und etwas in uns antwortet darauf mit einer Emotion“, so Rosa. Resonanz ist somit eine wichtige Qualität von Lebendigkeit und wichtig für gelingende Veranstaltungen. Jedoch ist die Resonanzbeziehung „unverfügbar“. Man kann sie nicht erzwingen, und sie entsteht beispielsweise bei Veranstaltungen „an dem Punkt, an dem sich nicht mehr vorhersagen lässt, was da jetzt geschieht, auf welchen Gedanken die Menschen vielleicht kommen, auf welches Ergebnis sie sich einigen“, erklärt Rosa. Er ergänzt: „Lebendigkeit entsteht da, wo Menschen das eingefahrene Gleis des Erwartbaren und Vorhersagbaren verlassen.“ Das bringe eine gewisse Unsicherheit mit sich.

Ergebnisse der interaktiven virtuellen Session micelab:expedition am 25. Oktober 2021 mit Soziologe Prof. Dr. Hartmut Rosa, erstellt auf Padlet.

„Wir müssen mit Unsicherheit umgehen lernen, wenn wir ein erfülltes, lebendiges Leben haben wollen“, bezieht sich Gerhard Stübe auf die Session mit dem Soziologen. Stübe ist einer der Köpfe im micelab:bodensee, sitzt im Vorstand des Austrian Convention Bureaus (ACB) und in der Geschäftsführung von Kongresskultur Bregenz. Angesichts der Pandemie beobachtet er in der Veranstaltungsindustrie: „Viele von uns hadern immer noch mit dem Umstand, dass sie die Vergangenheit kennengelernt haben und die Zukunft noch nicht kennen.“ Etwas zu kennen bzw. erlebt zu haben, gebe Sicherheit, weshalb die Menschen daran festhielten. Die Zukunft sei aber keine Fortschreibung der Vergangenheit. Es brauche neue Denkansätze und Skills, neue Ideen und Möglichkeitsräume zum Ausprobieren. Stübe: „Aber auch neue Lehrpläne und Unterrichtsfächer, in welchen wir lernen, mit Unsicherheit umzugehen, mit ihr zu leben und zu arbeiten.“ Das gebe wiederum Sicherheit.

Foto: ACB

„Wir brauchen Reibung, um uns weiterzuentwickeln“

Gerhard Stübe, Präsident Austrian Convention Bureau und Geschäftsführer Kongresskultur Bregenz, über die „Meaning Industry“, authentische Begegnungen, Resonanz und Impro-Theater.

Begegnungen ermöglichen

Auf die Suche nach den Kompetenzen und Haltungen für die Welt von morgen hat sich die Jahrestagung des Austrian Convention Bureaus Convention4u 2021 begeben und die Studie „Zukunftsfelder der österreichischen Tagungsbranche" in Auftrag gegeben. Durchgeführt haben sie von April bis August die Professoren Dr. Lukas Zenk von der Donau-Universität Krems und Dr. Markus Peschl von der Universität Wien. Ihre These lautet: „Die Meeting Industry scheint sich in eine Meaning Industry zu wandeln, in der authentische Begegnungen zwischen Menschen noch wesentlicher werden“.

Dazu haben die Wissenschaftler sechs Trends formuliert: Das wesentliche Ziel sind (1.) sinnstiftende Veranstaltungen (Purpose), in denen (2.) gemeinsam Wissen generiert wird (Co-Creativity). Um das zu erreichen, werden eine (3.) kontinuierliche Begleitung der Community (Journey) sowie (4.) autonom gestaltete Veranstaltungen (Bricolage) benötigt. Die Grundlagen sind dabei (5.) lebendige Veranstaltungen mit (6.) höchster Qualität, die einen echten Unterschied macht.

Daraus ergeben sich sieben Leitlinien zur Umsetzung: Future Event Skills weiterentwickeln, Veränderungen in den Zielgruppen identifizieren, Zukunftsformate ausprobieren, Event-Identität neu erfinden, COVID-Maßnahmen berücksichtigen, Events online und offline erleben und Regionalität hervorheben.

„Die Meeting Industry scheint sich in eine Meaning Industry zu wandeln, in der authentische Begegnungen zwischen Menschen noch wesentlicher werden.“

Prof. Lukas Zenk, Donau-Universität Krems, Prof. Markus Peschl, Universität Wien

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Spacehunter Co-Founders: Michaël Luckx (left), Dietrich Moens. Foto: Spacehuntr

Why Some Events Should Never Be Done Virtually: Three reasons by Dietrich Moens and Michaël Luckx, founder of Spacehuntr

Personal interaction, the beauty of a quality event venue, and catering. Live in-person interaction is life-affirming in a way that virtual communication never will be. It’s vital to the human experience first of all. Secondly, it facilitates more sincere and meaningful networking. As for the beauty of a quality event space, that’s our thing. We started Spacehuntr because we spent an obscene amount of time in boring event spaces. Seeing curious and unique spaces is necessary for the human spirit. Attending an event from your work desk just doesn’t have that same magic. Thirdly, one of the major themes people are worried about is engagement. It’s relatively simple to understand why. We’ve seen event planners come up with lots of nice strategies to combat this issue. But so long as an attendee is watching from a screen, and therefore won’t feel truly immersed in what’s going on.

Zeitgleich befassen sich mit den Herausforderungen der Post-Corona-Epoche und den Folgen für Veranstaltungen das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und das German Convention Bureau (GCB). Ihr Forschungsverbund Future Meeting Space hat zehn Handlungsfelder – von Mobilität bis Wissen – mit ihren Einflussfaktoren identifiziert, die sich auf Business-Events auswirken und dazu ein Whitepaper erstellt. Dort steht zum Handlungsfeld Veranstaltungsformate: Nach wie vor stehen bei Teilnehmer*innen einer Veranstaltung vor allem das Netzwerken, der Wissenstransfer sowie das Erlebnis im Vordergrund. Um diese drei Faktoren sowohl im virtuellen als auch im physischen und hybriden Kontext zu unterstützen, werden zukünftig neue Veranstaltungsformate entwickelt. Sie sollen fortan wählen können, ob sie eine Veranstaltung vor Ort oder virtuell besuchen. Dabei werde das analoge Erlebnis trotz oder gerade wegen der Digitalisierung aller gesellschaftlichen Bereiche eine Renaissance erleben.

B2B-Veranstaltungen in Präsenz – Relevanz, Bedeutung, Perspektiven. Eine Studie der dfv Mediengruppe

Dass eine persönliche Begegnung im geschäftlichen Kontext eine andere Qualität hat als eine virtuelle, dem stimmen wohl die meisten zu. Doch was genau macht den Unterschied? Gerade in der Pandemie wird abgewogen, ob sich eine Teilnahme in Person an Business Events lohnt. Dabei stellt sich die Frage: Wie lässt sich der intangible Mehrwert des persönlichen Zusammenkommens auf einer B2B-Veranstaltung benennen und begründen? Dieser Fragestellung geht die Studie „B2B-Präsenz-Veranstaltungen – Relevanz, Bedeutung, Perspektiven“ qualitativ nach. Die Forschenden von rheingold Salon explorieren im Auftrag der dfv Mediengruppe die Vielschichtigkeit persönlicher Begegnungen auf Kongressen und Business Events. In tiefenpsychologischen Interviews mit Entscheidern aus zwölf Wirtschaftszweigen wird den Einflussdimensionen auf den Grund gegangen und unter anderem zutage gefördert, dass als Folge der Pandemie der Hunger nach persönlicher Begegnung groß ist, und Präsenzveranstaltungen eine sinnliche und sinnstiftende Vertiefung schaffen. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe der tw tagungswirtschaft 1/2022.

Die Renaissance analoger Events setzt jedoch voraus, dass die Menschen sich sicher fühlen und ihr Vertrauen in Veranstaltungen zurückgewinnen. Die Veranstalter der Messe Women&Work, die Betreiber der Event-Plattform trember.com und Bloggerin Katrin Taepke haben hierzu im August das Verhalten beim Besuch von Großveranstaltungen ab 1.000 Personen untersucht. Das Ergebnis: 58,8 Prozent der Befragten fühlen sich nicht mehr sicher. Dabei machen die Befragten einen Unterschied zwischen dem Besuch von privaten und beruflichen Großveranstaltungen. Während ein Zurück in die Präsenz im privaten Bereich trotz vorhandener Ängste von zwei Drittel der Befragten angestrebt wird, liegt das Bedürfnis, im beruflichen Bereich zur Präsenz zurückzukehren, bei nur knapp über 50 Prozent. Die Pandemie hat das Event-Verhalten der Menschen nachhaltig verändert.

Panel „Empowered Leaders: Regain Your In Person Event Confidence“ auf der Cvent Connect Europe 2021

Die Techkonferenz Cvent Connect Europe 2021 thematisiert das in der Podiumsdiskussion „Empowered Leaders: Regain Your In Person Event Confidence“. Am 5. Oktober 2021 geht es im InterContinental London – The O2 und online um die Frage: To attend in-person or not to attend in-person? Die Bereitschaft und die Bedenken, an Veranstaltungen teilnehmen, resultieren aus der jeweiligen Pandemielage. Das mache die Veranstalter nervös, weil sie sich nicht trauten, in Präsenz zu planen, und die Venues, weil sie Absagen fürchteten. Im Panel sitzt Christianne Beck. Die Global-Events & Experientia- Expertin hat strategische Events und Erlebnisprojekte für Marken wie Virgin Atlantic und Shell geleitet und sagt: „Die Unsicherheit liegt weniger bei den Suppliers, sondern den Buyers und den Delegierten.“

Zugehörigkeit spüren

Auf die Befürchtungen der Menschen ist ebenso einzugehen wie auf ihre Bedürfnisse. Ein Grundbedürfnis, das mit den sozialen Einschränkungen gewachsen ist und das Events befriedigen können, ist die Zugehörigkeit. Mit Blick auf die Sozialpsychologie ist eine Konferenz ein Ereignis, welches eine Gruppenbildung ermöglicht. „Wir sind also Teil einer – im Fall einer Konferenz – Expert:innen-Gruppe, der wir uns zugehörig fühlen möchten“, erklärt Steffen Ronft, Dozent für Marketing und Eventpsychologie an der SRH Fernhochschule – The Mobile University und Herausgeber des ersten Grundlagenwerks zur Eventpsychologie, im Interview. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit liest Kit Lykketoft an ihrem Veranstaltungskalender ab. „Socializing has indeed gained importance“, erklärt die Leiterin des Copenhagen Convention Bureau. „We have been apart for so long that we need to be people before professionals and to give the many hugs and handshakes, that we have missed. We need to re-find ourselves and feel a sense of belonging again.“ Business-Events bieten dafür die ideale Plattform. „We all go for different reasons and feeling seen and included is everything to the experience. A consciousness around this need can help us build even better and extraordinary events.“ Es ist ein Thema, das Lykketoft aktuell umtreibt. Als neue Vorsitzende der BestCities Global Alliance tauscht sie sich mit ihren Kollegen aus Berlin, Dubai, Dublin, Houston, Kapstadt, Madrid, Melbourne, Singapur, Tokio und Vancouver zum Thema und den Auswirkungen aus. Lykketoft: „Everyone needs to belong somewhere. In a time where diversity, equity, and inclusion are headlining, a focus on belonging becomes even more explicit. Our communities need to be inclusive and to build a sense of welcome for all.“

Photo: Copenhagen Convention Bureau

“In a time where diversity, equity, and inclusion are headlining, a focus on belonging becomes even more explicit”

Kit Lykketoft, Head of Convention at Copenhagen Convention Bureau, new Chair of the BestCities Global Alliance Board, about the human need of belonging and Copenhagen‘s „The Urban Belonging Project".

„Nach den kontaktarmen Monaten müssen sich Veranstalter eingestehen, dass die Vernetzung und das gemeinsame Erlebnis zu den wichtigsten Nutzen für Teilnehmerinnen und Teilnehmer zählen“, schreibt Jeannine Koch, Vorstandsvorsitzende des media:net berlinbrandenburg e.V., in ihrem Meinungsbeitrag „#Normal, oder noch mal?“, und schließt sich mit ein. Ihr Netzwerk-Verein der Medien-, Kreativ- und Digitalbranche lebt nicht zuletzt von Veranstaltungen. „Sich beim Heiß- oder Kaltgetränk über die neuesten Geschäftsentwicklungen auszutauschen, sich angeregt über neue Projektideen zu unterhalten und währenddessen in die Augen eines dreidimensionalen Gesichts schauen zu können, dabei die Gestik und Mimik des Gegenübers unmittelbar wahrzunehmen und die Energie im Raum zu spüren – das sind die Gründe, warum die Menschen zu Messen, Konferenzen und Festivals reisen und dafür Tausende Reisekilometer im Kauf nehmen“, so die Netzwerkerin. Koch führt noch einen wichtigen Grund an: Menschen zu treffen, denen man sonst nie begegnet wäre. „Serendipity, also die Zufälligkeit dieser Begegnungen, macht unser Business so aufregend und ermöglicht es uns, Ideen, Träume und Ziele gemeinsam in die Wirklichkeit zu transportieren.“

Kerstin Wünsch

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