Biontech und CIMT

Das Impfwunder von Mainz

Biontech in Mainz entwickelt 2020 einen auf Messenger RNA basierten Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2, den COVID-19 mRNA-Impfstoff. Foto: BioNTech SE 2021, all rights reserved

Konferenzen sind wesentlich für den wissenschaftlichen Austausch. Ihr Beitrag an der Forschung und am Fortschritt ist naheliegend, nur kaum nachzuweisen. Und doch lässt sich am Beispiel von Biontech, der Association for Cancer Immunotherapy (CIMT) mit ihren Annual Meetings und der Universitätsstadt Mainz zeigen, wie das eine in das andere greift.

„Viele Menschen auf der ganzen Welt bezeichnen Ihre Leistung als ein ‚Impfwunder‘. Und diese Leistung, der Impfstoff, den Sie entwickelt haben, ist ein Dienst an der Menschheit. Und genau deshalb sind wir heute hier“, sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. In seiner Rede zur Verleihung des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland richtet er sich an Dr. Özlem Türeci und Prof. Ugur Sahin, die Gründer von Biontech. „Für uns beide, für Ugur und mich ist das eine ganz große Ehre, dass Sie uns dieser Auszeichnung, die für uns einen ganz besonderen Wert hat, für würdig befinden. Wir freuen uns sehr darüber“, erwidert Özlem Türeci. Es ist der 19. März 2021, als die Wissenschaftlerin Özlem Türeci und ihr Mann Ugur Sahin in Schloss Bellevue in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgezeichnet werden. „Im Wettlauf Welt gegen Virus war für uns die Maxime, einen Impfstoff zu entwickeln, der wirksam und auch verträglich ist ohne Abkürzung und indem wir den höchsten ethischen und wissenschaftlichen Standards folgen“, erzählt die Medizinerin. „Es galt, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. In elf Monaten ist es dann auch gelungen, was normalerweise viele Jahre in Anspruch nimmt.“ Türeci beschreibt die internationale Kraftanstrengung und ihre gelernten Prinzipien, die es nun zu beherzigen gelte. „Was wir durch diese Krise bereits gelernt haben, ist, dass ein Unterschied gemacht werden kann, nämlich durch Mut gepaart mit Demut, durch Professionalität gepaart mit Pragmatismus und durch ein Miteinander gepaart mit radikaler Verantwortungsübernahme eines jeden Einzelnen.“

Dr. Özlem Türeci, Chief Medical Officer bei Biontech, und Prof. Ugur Sahin, CEO Biontech, sind von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Schloss Bellevue mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Foto: Screenshot

Özlem Türeci und Ugur Sahin schildern Bundespräsident Steinmeier, wie ihnen klar wurde, dass Corona das Potenzial für eine Pandemie hat, und wie sie darauf kamen, ihre mRNA-Technologie aus der Krebsforschung für einen Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zu nutzen. Das Forscherpaar berichtet vom Durchbruch in den klinischen Studien des von ihnen gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam entwickelten Corona-Impfstoffs und gibt einen Ausblick. Biontech-CEO Ugur Sahin: „Unser Unternehmen wird in den nächsten sechs Monaten bis Ende September nach Deutschland allein circa 88 Millionen Dosen ausliefern. Bis Ende Juni werden es circa 40 Millionen Dosen sein. In Europa werden es circa 260 Millionen Dosen sein.“

„Dank Ihrer weltweit anerkannten Kompetenz im Bereich der mRNA-Technologien und Ihres unermüdlichen Einsatzes gelang Ihnen innerhalb kürzester Zeit die Entwicklung und Zulassung eines Impfstoffes gegen COVID-19. Sie leisteten damit einen entscheidenden Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede an Dr. Özlem Türeci und Prof. Ugur Sahin

Ugur Sahins und Özlem Türecis wissenschaftliche Karriere beginnt an der Universität Köln und der Universität des Saarlandes, bevor sie 2001 nach Mainz wechseln. Die beiden sind Assistenten an der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, geleitet von Prof. Christoph Huber. Unter der Ägide des Österreichers entwickelt sich die III. Medizinische Klinik zu einer national und international führenden Einrichtung zur Behandlung bösartiger Blut- und Tumorerkrankungen und zu einem Zentrum für Stammzelltransplantation und Palliativmedizin. Der „Pionier der Krebsforschung“ (Ärzteblatt) wird Mentor von Türeci und Sahin. Mit ihnen gründet Huber zur klinischen Umsetzung seiner Forschungsarbeiten 2008 ein Spin-Off der Johannes Gutenberg Universität: Biontech SE, ein Spezialanbieter von personalisierten Krebsimmuntherapeutika.

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„Wir stellten uns eine fundamentale Frage: Wenn jeder Patient einzigartig ist, wieso behandeln wir alle gleich? Stellen Sie sich eine maßgeschneiderte Krebstherapie für jeden individuellen Patienten vor“, sagt Ugur Sahin, Co-Founder und CEO von Biontech im Corporate-Video.

Bereits 2002 gründet Huber mit weiteren Wissenschaftlern aus dem Bereich Immunologie die Association for Cancer Immunotherapy (CIMT). „Prof. Huber hatte 2002 als Direktor der III. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mainz früh das Potenzial der Immuntherapie als Forschungsfeld identifiziert und zur Förderung der entsprechenden Forschung den CIMT-Verein gegründet“, berichtet Christine Castle, Managing Director der Association for Cancer Immunotherapy CIMT. Die CIMT dient dem Zweck, Forschung und Wissenschaft durch die Förderung und Durchführung von wissenschaftlichen Kongressen, wissenschaftlicher Grundlagenforschung, Therapiestudien und Forschungskooperationen auf dem Gebiet der Immuntherapie maligner Erkrankungen zu fördern. Zum ersten Meeting der Association for Cancer Immunotherapy kommen 2002 rund 100 Forscher und Wissenschaftler in das Hyatt Hotel. Die Konferenz wächst und zieht um, erst in das Hotel Favorite und später in die Rheingoldhalle. Bald sind es 1.000 Teilnehmer aus aller Welt. 2017 wird Mainz Gastgeber des Weltkongress für Krebsimmuntherapie, der „CRI-CIMT-EATI-AACR International Cancer Immunotherapy Conference: Translating Science Into Survival“ mit rund 1.500 Medizinern.

Ugur Sahin von TRON (Translational Oncology at the University Medical Center of the Johannes Gutenberg) hält auf dem Annual Meeting CIMT 2014 in der Rheingoldhalle Mainz die Keynote „Modulating innate and adaptive immunity for personalized cancer immunotherapy“. Foto: CIMT, Andrea Enderlein

Anlässlich des Weltkongresses betont Prof. em. Dr. Christoph Huber, wissenschaftlicher Vorstand des Kongresses und CIMT-Präsident: „Für uns als international ausgerichteter Verein mit Sitz in Mainz war es ausgesprochen wichtig, einen Standort für unsere Konferenz zu finden, der beide Aspekte verbindet: Die Internationalität durch die zentrale Lage in Europa mit hervorragender Anbindung an den Frankfurter Flughafen sowie die Verbundenheit zu Mainz als eines der europaweit führenden Forschungszentren im Bereich der Krebsimmuntherapie. Und nicht zuletzt hat die langjährige Zusammenarbeit mit mainzplus bei der Durchführung unserer jährlich stattfindenden wissenschaftlichen Kongresse den Ausschlag gegeben, diesen wichtigen internationalen Kongress, der zu den weltweit führenden seiner Art zählt, in Mainz stattfinden zu lassen.“

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2019, als das Dach der Rheingoldhalle Feuer fängt, findet der CIMT Cancer Immunotherapy Congress in den Räumlichkeiten Gutenbergsaal, Gutenbergfoyer und im mobilen Bau auf dem Jockel-Fuchs-Platz statt. Vom 21. bis 23. Mai treffen sich 2.300 Teilnehmer aus aller Welt, um sich zum Thema Krebsimmuntherapie auf internationaler Ebene auszutauschen. „Wir waren beeindruckt vom mainzplus-Team und mit welcher Professionalität und Kompetenz unsere Veranstaltung umgesetzt wurde. Wir haben uns bestens aufgehoben gefühlt und unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußerten sich, wie auch die Jahre zuvor, sehr positiv über den Kongressstandort Mainz“, erinnert sich Christine Castle.

CIMT-Jahreskongress 2019: Dr. Özlem Türeci wird zur Präsidentin gewählt. Foto: CIMT

Es ist das Jahr, in dem Dr. Özlem Türeci den Vorsitz von Prof. Christoph Huber im Vorstand der CIMT übernimmt. Zu ihrer Wahl sagt sie: „Ich fühle mich sehr geehrt und privilegiert, die Nachfolge von Christoph Huber in dieser Position anzutreten, dem ich für seine Arbeit und sein Engagement für die Sache der Krebsimmuntherapie danken möchte. Ich freue mich darauf, seine Arbeit fortzusetzen.“ Türeci ist bereits mehrere Jahre im Vorstand tätig und bringt 25 Jahre an Erfahrung als Krebsimmunologin in der akademischen Welt, in der klinischen Praxis und in der Industrie mit. Als Präsidentin ermutigt sie anlässlich des CIMT-Meetings 2019 alle Mitglieder, sich aktiv zu beteiligen. Türeci: „Wir sind auch unglaublich dankbar, dass 2019, wie in den vergangenen Jahren, herausragende Referenten unserer Einladung gefolgt sind, um ihre Arbeit auf der CIMT-Jahrestagung vorzustellen. Unser Tagungsmotto ‚Learn. Develop. Connect.‘ spiegelt unser Engagement für die Ausbildung der nächsten Generation von Krebsimmuntherapie-Wissenschaftlern wider.“ Nachdem das Annual Meeting letztes Jahr wegen der Pandemie ausfällt, findet es dieses Jahr vom 10. bis 12. Mai 2021 digital statt. Längst gilt das Annual Meeting der CIMT als Europas größter Krebsimmuntherapie-Kongress mit Fokus auf Forschung und Entwicklung. Begünstigt hat diese Entwicklung Mainz als Standort. „Neben der III. Med. Klinik der Universitätsmedizin Mainz mit Schwerpunkt auf Hämatologie, Stammzelltransplantation, CAR-T-Zell- und Immuntherapie spricht für Mainz, dass die Region Rhein-Main führend in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie und Sitz vieler Pharmaunternehmen ist“, berichtet Christine Castle.

Dieses Jahr findet das CIMT Annual Meeting vom 10. bis 12. Mai 2021 als digitale Konferenz statt. Foto: CIMT

Inwiefern die wissenschaftlichen CIMT-Konferenzen zur Forschung und Entwicklung des COVID-19 mRNA-Impfstoffs von Biontech beitragen, lässt sich nicht sagen, dafür aber: „Der Biontech-Erfolg wird sicherlich den Blick der wissenschaftlichen Szene auch verstärkt auf das Mainzer CIMT Meeting lenken. Frau Dr. Türeci ist seit 2019 unsere Vorsitzende und ihr Name in aller Munde“, erklärt Castle. Sie ergänzt: „Es ist natürlich bezeichnend, dass die Impfstoff-Entwickler auch Krebsforscher im Bereich Krebsimmuntherapie sind. Der Erfolg des Impfstoffes gegen COVID-19 lässt natürlich auch in Bezug auf künftige therapeutische mRNA-Impfstoffe gegen Krebserkrankungen hoffen.“ Die Pandemie steht folglich auch im Programm des CIMT Meeting 2021. Neben der Keynote von Ugur Sahin mit dem Titel „Scientific journey of developing an mRNA coronavirus vaccine“ gibt es eine Session zu COVID-19 und Immuno-Onkologie unter anderen mit dem Virologen Christian Drosten der Charité Berlin, der die immunologischen Zusammenhänge erläutert.

„Forschung lässt sich nur durch den Austausch untereinander voranbringen“

Christine Castle, Managing Director der Association for Cancer Immunotherapy (CIMT)

tw tagungswirtschaft: Die Association for Cancer Immunotherapy (CIMT) ist über die Jahre zu „Europe’s Cancer Immunotherapy Meeting“ avanciert. Wie kam das? Christine Castle: Dies ist u.a. dem hervorragenden Netzwerk zu verdanken, das die Akteure in Mainz über die Jahre aufgebaut haben. Durch ihre exzellente Forschung in der Immuntherapie von Krebs haben sich die Mainzer Forschungsunternehmen in der Community einen besonderen Ruf erarbeitet. Das CIMT-Programmkomitee unterhält außerdem hervorragende Beziehungen zu Wissenschaftlern aus der ganzen Welt. Hierdurch ist es ihnen gelungen, renommierte Forscher aus der ganzen Welt als Redner für das CIMT Annual Meeting zu gewinnen. Hat es jemals Überlegungen gegeben, mit CIMT und dem Annual Meeting in eine größere Stadt, etwa nach Frankfurt abzuwandern oder in die deutsche „Gesundheitsstadt“, die Hauptstadt Berlin? Nein, nicht wirklich. Es ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass die Renovierung der Rheingoldhalle in Angriff genommen wurde und um weitere flexibel nutzbare Meetingräume erweitert wird. Wir freuen uns sehr auf die Fertigstellung, weil sich so auch das CIMT-Meeting in seiner Organisation weiterentwickeln kann. Die neuen Breakout-Räume werden es uns erlauben, weitere Formate während des Kongresses anbieten zu können. Diese sind auch für unsere Sponsoren attraktiv.

Warum braucht es wissenschaftliche Kongresse wie das Annual Meeting von CIMT? Da wissenschaftliche Forschung sehr kosten- und zeitintensiv ist, sind ein Austausch untereinander und die Vorstellung der neuesten Erkenntnisse auf wissenschaftlichen Kongressen wichtig. Forschung lässt sich nur durch den Austausch untereinander voranbringen. Dieses Jahr halten Sie Ihren Kongress virtuell ab. Lassen sich wissenschaftliche Kongresse digital abbilden? Das versuchen wir. Ob das gelingt, wird sich nach der Konferenz zeigen. Rein inhaltlich können auch digitale Kongresse alle neuen Erkenntnisse vermitteln. Ein digitaler Kongress wird keine Präsenzveranstaltung aber wirklich ersetzen können. Die zufälligen Begegnungen im Foyer, bei Abendveranstaltungen, aus denen sich bereits großartige wissenschaftliche Kooperationen ergeben haben, können nicht via Zoom nachgestellt werden.

Bei der digitalen Umsetzung und Konzeption des CIMT-Kongress 2021 in der Rheingoldhalle unterstützt die Mainzer Kongress- und Tourismusgesellschaft mainzplus CityMarketing. „Wir sind seit der „Geburt“ des CIMT-Kongresses mit dabei“, betont Geschäftsführer August Moderer. Das erste Meeting 2002 setzt mainzplus mit dem hausinternen PCO Mainz Congress um. Um dem Wachstum und der Weiterentwicklung des CIMT-Jahreskongresses gerecht zu werden, kooperiert Mainz Congress mit der Kongressagentur wikonect. August Moderer und Christoph Huber lernen sich im Rotary-Club Mainz-Churmeyntz kennen und schätzen. Den Grundstein für die enge Verbindung der beiden schafft Prof. Hubers Idee, einen CIMT-Kongress ins Leben zu rufen, und Moderers Kompetenzen im Organisieren von Kongressen. Zur ersten Jahrestagung des CIMT in Mainz übernimmt Team Huber die Inhalte des Vortragsprogramms und Team Moderer die Organisation, also die Referentenbetreuung und Veranstaltungstechnik, das Raummanagement und die Ausstellungsorganisation, die Hotelzimmervermittlung, Rahmenprogramm und Catering. Die beiden gehen gemeinsam ins Risiko und machen das CIMT-Meeting zu Europas Cancer Immunotherapy Congress. Bis heute verbindet sie ein vertrautes und freundschaftliches Verhältnis. Dass der Erfolg von Biontech auf Mainz als Standort für medizinische und wissenschaftliche Kongresse ausstrahlt, steht für August Moderer außer Frage. Zum einen profitiert Mainz davon, noch weiter als wichtiger medizinischer Pharma- und Biotechnologiestandort wahrgenommen zu werden, wofür die hervorragende Forschung und Lehre in den renommierten Instituten, Firmen und der Unimedizin Mainz spricht. „Diese zugeschriebene Kompetenz veranlasst viele andere Wissenschaftler und Forscher, ihre Kongresse im professionellen Umfeld in Mainz durchzuführen. Über die Jahre hinweg ist der Standort Mainz zu einem ‚Hotspot‘ für medizinische Fachtagungen aller Art geworden“, so Moderer. Zum anderen profitiert Mainz ganz grundsätzlich von der nationalen und internationalen Berichterstattung über den von Biontech entwickelten Impfstoff. Moderer fügt hinzu: „Als ‚Stadt des Impfstoffes‘ erhält Mainz somit eine noch größere Aufmerksamkeit und ein noch positiveres Image.“

Kerstin Wünsch

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