
Female Communities
Für eine diversere Geschäftswelt
Beim Gala-Abend zum zehnjährigen Jubiläum von Frauen-Verbinden stellten die Protagonist:innen des Buches „Standort Deutschland“ ihre Perspektiven in Bühnen-Talks vor. Hinter ihnen: das gemeinsam mit den Teilnehmenden und KI entwickelte Zukunftsbild einer Stadt. Foto: Benedikt Roth Photography
Beim Gala-Abend zum zehnjährigen Jubiläum von Frauen-Verbinden stellten die Protagonist:innen des Buches „Standort Deutschland“ ihre Perspektiven in Bühnen-Talks vor. Hinter ihnen: das gemeinsam mit den Teilnehmenden und KI entwickelte Zukunftsbild einer Stadt. Foto: Benedikt Roth Photography
Messeveranstalter versuchen heute verstärkt, ganzjährige Communities rund um ihre Branchen aufzubauen. Networking-Formate, digitale Plattformen und thematische Communities sollen Besucher:innen und Aussteller langfristig binden. Female-Programme passen gut in diese Strategie, weil sie regelmäßige Austauschformate ermöglichen und stabile Netzwerke entstehen lassen können.
Als die Messe München im Herbst 2015 zu einer Oktoberfest-Auftaktveranstaltung für Frauen einlud, rechnete wohl niemand so recht damit, dass daraus ein langfristiges Netzwerk entstehen würde. Rund 150 Frauen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien folgten damals der Einladung – und trafen dabei offenbar einen Nerv. Der Tenor des Abends: Es fehlten Netzwerke, in denen Frauen in Führungspositionen sich branchenübergreifend und auf Augenhöhe austauschen können. Noch im selben Jahr ist aus dieser Idee eine neue Initiative entstanden: Frauen-Verbinden sollte als externes Netzwerk der Münchner Messegesellschaft Frauen aus unterschiedlichen Industrien zusammenbringen und ihnen eine Plattform für Austausch, Inspiration und Kooperation bieten.
Ein Jahrzehnt später hat sich daraus ein weitreichendes Zukunftsnetzwerk mit mehr als 700 Mitgliedern aus Industrie-, Technologie-, Energie-, Mobilitäts- sowie Forschungsunternehmen entwickelt, das sein rundes Jubiläum feiert. Zu einem festlichen Gala-Dinner kommen am 12. März 2026 etwa geladene 200 Gäste ins ICM – International Congress Center Messe München, unter ihnen Führungskräfte, Unternehmerinnen, Entscheiderinnen sowie Vertreterinnen aus Wissenschaft, Medien und Politik, wie etwa auch die Schirmherrin des Abends Dr. Silke Launert MdB, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt. „Respekt vor dieser Gestaltungskraft hier im Raum. Wenn man sich mal anschaut, wo die großen Transformationen unserer Zeit stattfinden: Digitalisierung, Mobilität, neue Technologien, Energie, Umwelt, dann finden die Diskussionen sicher nicht in Talkshows statt“, sagt Dr. Susanne Hennigers, Director Corporate Partnerships & Platform Growth bei der Messe München, die seit Anfang 2022 gemeinsam mit ihrer Kollegin Jennifer Hader, Executive Director People & Culture, das Netzwerk leitet. „Sie werden in Unternehmen entschieden, von Menschen, die heute Abend hier sitzen. Und genau deswegen haben wir nämlich vor zehn Jahren Frauen-Verbinden gegründet.“
Von links: Dr. Susanne Hennigers, Dr. Reinhard Pfeiffer, Dr. Silke Launert MdB, Stefan Rummel und Jennifer Hader. Foto: Benedikt Roth Photography
„Weil wir fest davon überzeugt sind, dass diese Diskussion von Entscheiderinnen und Entscheidern getragen werden, die wir zusammenbringen können auf unseren Plattformen und die die Zukunft dann gemeinsam diskutieren“, so Hennigers weiter. Ganz im Sinne dieser Überzeugung solle nicht nur die Gala-Veranstaltung selbst zum Dialog, zur Vernetzung und zum gemeinsamen Gestalten beitragen, sondern gleichzeitig auch als Launch-Feier des Buches „Standort Deutschland“ dienen, das am 17. März 2026 in gebundener Form im Handel erschienen ist. Darin versammeln sich 20 verschiedene Stimmen, die sich mit Innovationskraft, Verantwortung und den Zukunftsperspektiven des Wirtschaftsstandorts Deutschland beschäftigen.
Über Frauen-Verbinden
Mit Frauen-Verbinden ist seit 2015 ein eigenes, exklusives Netzwerk für Entscheiderinnen aufgebaut worden. Die Initiative gehört damit zu den frühen Vorreitern der Messebranche im Bereich branchenübergreifender Frauen-Netzwerke. Aus einem anfangs kleinen Kreis von einigen Dutzend Teilnehmerinnen hat sich Frauen-Verbinden zu einem etablierten Netzwerk mit heute über 700 Mitgliedern im DACH-Raum entwickelt; getragen wird es von der Messe München und aktuell von Jennifer Hader und Dr. Susanne Hennigers verantwortet. Die Mitglieder sind Frauen in Führungspositionen und Entscheiderinnen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Medien und Kultur. Inhaltlich richtet sich das Netzwerk damit vor allem an weibliche Führungskräfte aus den – auch auf den Messeplattformen stark vertretenen – häufig noch männlich geprägten Branchen, um darin Frauen sichtbarer zu machen, sie auf Augenhöhe miteinander zu vernetzen und ihren beruflichen Aufstieg zu unterstützen. Die Messe München beschreibt das Netzwerk als Plattform für den branchenübergreifenden Austausch zu Zukunftsthemen, mit dem Ziel, eine diversere, nachhaltigere und zukunftssichere Geschäftswelt zu fördern. Zum Angebot gehören exklusive Events, Workshops, Mentoring-Programme, Webinare, kuratierte Touren auf Weltleitmessen der Messe München, Site Visits bei Partnerunternehmen, kulturelle Veranstaltungen sowie eine eigene Community-Plattform. Ergänzt wird dies durch Formate wie Innovation Journeys, Women’s Walks, Deep-Dive-Sessions und Kooperationen zur stärkeren Sichtbarkeit von Expertinnen, etwa über die Plattform „The stage is yours“.
„Viele, viele Geschichten“, erklärt Stefan Rummel bei der Ansprache der beiden CEOs der Messe München. „Evelyn Palla von der Deutschen Bahn, Hildegard Müller, Anja Knura von Goldbeck, Maria Anhalt von Elektrobit, Dr. Antje Völker von Dromos. Sie alle zeigen, wie man Silos einreißt, wie man Dinge bewegt und möglich macht, wenn man groß denkt.“ So soll „Standort Deutschland“ als offizielles Zukunftsbuch der Messe München vor allem zeigen, dass die Bundesrepublik den Wandel aktuell nicht nur braucht, sondern auch gestalten kann. Hennigers: „Deutschland hat kein Ideenproblem. Wir haben eines der stärksten Innovationsökosysteme Europas. Wir haben exzellente Forschung, einen starken Mittelstand, Weltmarktführer und eine enorme Ingenieurskompetenz. Aber wir machen das oft nicht oder zu wenig sichtbar.“
Die gläserne Decke
Dabei markiert das Jubiläum jedoch mehr als nur eine Erfolgsgeschichte eines einzelnen Netzwerks. Es steht exemplarisch auch für eine Entwicklung, die sich inzwischen in der gesamten Messebranche beobachten lässt. Immer mehr Veranstalter setzen auf Female-Programme, Leadership-Formate und branchenübergreifende Netzwerke. Was einst als Side-Event begann, entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Baustein im Eventbusiness. Und dieser Trend überrascht nicht. Weist doch die Veranstaltungsbranche selbst seit Jahren eine Besonderheit auf: Frauen sind hier stark vertreten – allerdings vor allem auf operativer Ebene.

Foto: Benedikt Roth Photography
Untersuchungen aus der internationalen Veranstaltungsbranche zeigen, dass sie je nach Segment zwischen rund 60 und über 70 Prozent der Beschäftigten stellen. Gleichzeitig sind sie in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert. Die Studie von PCMA Foundation und Business Events Sydney (BESydney) aus dem Jahr 2024 geht davon aus, dass nur etwa 16 Prozent der Top-Management-Positionen von Frauen besetzt sind. Auch die Messe München oder die Koelnmesse bildet da keine Ausnahme, wenngleich die Geschäftsführer Besserung geloben. Im Jahr 2014 wurde auch aus diesem Grund bei der Koelnmesse und ihrer Koelncongress ein internes Netzwerk gegründet.
Seit dem Internationalen Frauentag am 8. März 2026 hat sich die Community mit mittlerweile über 200 Mitgliedern in Female Empowerment Meetup (FEM) umbenannt. „Wir möchten, dass unser Netzwerk als offenes Angebot für alle Kolleginnen wahrgenommen wird, unabhängig davon, ob eine Führungsposition angestrebt oder ausgeübt wird oder einfach Interesse am Vernetzen, Austauschen und gemeinsamen Wachsen besteht", so das Board, das innerhalb des Netzwerks Aktivitäten wie Networking-Events, Workshops, Austauschformate und Aktionen rund um Themen wie Gleichstellung und Empowerment organisiert. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen scheint die Veranstaltungsbranche jedoch noch ganz gut aufgestellt. Obwohl laut Statistischem Bundesamt zwar der Anteil weiblicher Führungskräfte in Deutschland in der gesamten Wirtschaft und im öffentlichem Dienst 2024 bei etwa 29,1 Prozent lag, ist anzumerken, dass damit sämtliche Führungspositionen, also von Teamleitung bis Vorstand, umfasst sind. Zeitgleich beträgt der Anteil von Frauen an Startup-Gründenden hierzulande nach den aktuellsten Zahlen des Startup-Verbands sogar nur 19 Prozent. Der Verband benennt dazu direkt die größten Probleme: Zu wenig Impulse im Bildungssystem, Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Beruf sowie fehlende Zugänge zu relevanten Netzwerken.
Diversität in Branchen fördern
„Insbesondere die Industrie benötigt mehr Frauen aus dem MINT-Bereich in Führungspositionen“, erkennt auch Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Messe. Gerade in Branchen mit starkem internationalen Wettbewerb gewinnt Community-Building nicht nur deshalb zunehmend an Bedeutung. Da Messen sich heute nicht mehr nur als Marktplätze für Produkte und Dienstleistungen verstehen, sondern darüber hinaus auch als Plattformen für Austausch, Wissenstransfer und Kooperation, eröffnen sich für Messeveranstalter längst mehr Möglichkeiten – und vielleicht auch neue Rollen. Denn wer Communities erfolgreich zusammenbringt, gestaltet nicht nur Veranstaltungen, sondern ganze Branchenökosysteme.
Es ist also nicht verwunderlich, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Messegesellschaften begonnen haben, eigene Female-Programme zu entwickeln. Dabei reichen die Ansätze von Netzwerkinitiativen über Konferenzprogramme bis hin zu branchenspezifischen Communities. Ein prominentes Beispiel ist Femworx auf der Hannover Messe (20. bis 24. April 2026). Der zweitägige Kongress richtet sich gezielt an Frauen in Industrie und MINT-Berufen. Keynotes, Panels, Workshops und Networking-Formate sollen Frauen in technischen Branchen sichtbarer machen und den Austausch zwischen Industrie, Wissenschaft und Nachwuchstalenten fördern. Denn wer auf Bühnen spricht, Panels moderiert oder bei Abendveranstaltungen Kontakte knüpft, wird sichtbar – und erweitert sein berufliches Netzwerk. Für viele Führungskarrieren sind genau diese informellen Kontakte entscheidend. Gleichzeitig gelten viele Branchenveranstaltungen bis heute als stark männlich geprägt. Für viele Frauen kann das eine Hemmschwelle darstellen. Wer sich in solchen Räumen nicht repräsentiert fühlt, nimmt seltener teil – oder verzichtet ganz auf diese Form der Sichtbarkeit. Damit fehlen wiederum wichtige Bausteine für berufliche Entwicklung. Female-Programme können hier bewusst gegensteuern.
Warum Female-Programme interessant sind
Für Veranstalter erfüllen solche Initiativen mehrere Funktionen gleichzeitig:
- Neue Zielgruppen erschließen Female-Programme können dazu beitragen, neue Zielgruppen anzusprechen und Veranstaltungen breiter aufzustellen.
- Community-Building Nicht zuletzt helfen solche Programme, langfristige Netzwerke aufzubauen. Teilnehmerinnen kommen häufig wieder, bringen Kolleginnen oder Geschäftspartnerinnen mit und tragen dazu bei, Communities rund um Veranstaltungen zu stärken.
- Talentförderung Gerade in technischen Branchen suchen Unternehmen verstärkt nach qualifizierten Fachkräften. Female-Programme können hier eine wichtige Rolle spielen, indem sie Karrierewege sichtbar machen und junge Talente mit Unternehmen vernetzen. Business-Events könnten sich so als „Problemlöser“ in der spezifischen Branche behaupten.
- Sponsoring und Partnerschaften Diversity und Gleichstellung sind inzwischen zentrale Themen in vielen Unternehmen. Female-Leadership-Programme bieten eine Plattform, um ihre Initiativen sichtbar zu machen und sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren.
Sie schaffen Räume, in denen Frauen sich vernetzen, Erfahrungen austauschen und neue Kontakte knüpfen können – ohne die klassischen Einstiegshürden vieler Branchenveranstaltungen. Diesen Ansatz verfolgt auch das Format „Women in Plastics“ auf der Kunststoffmesse K, das bei deren letzten Ausgabe im Oktober 2025 in der Messe Düsseldorf seine Premiere gefeiert hat. „‚Women in Plastics‘ möchte auf Barrieren aufmerksam machen, aber vor allen Dingen die Branche als attraktiven Arbeitsort in den Fokus rücken“, so Bettina Dempewolf, Kommunikationsleiterin im Verband Plastics Europe Deutschland, Initiator der Sonderschau „Plastics shape the Future“.

Premiere auf der K 2025: Women in Plastics als die neue Networking-Veranstaltung von Frauen für Frauen in der internationalen Kunststoffbranche. In Paneldiskussionen und Best-Practice-Vorträgen berichteten Branchenvertreterinnen über ihre Erfahrungen und Karrierewege, traten in den Dialog mit dem Publikum und fördern so Austausch, Sichtbarkeit und berufliche Netzwerke. Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann
Dabei geht es nicht nur um Austausch untereinander, sondern auch um ein Signal an die gesamte Branche. Und so können solche Formate nicht nur zur Förderung von Diversität beitragen, sondern auch helfen, Veranstaltungen weiterzuentwickeln. Wer gezielt Räume für Austausch schafft, erschließt neue Zielgruppen und stärkt gleichzeitig die Community rund um eine Messe – quasi als zusätzliches Verkaufsargument für Besuchende und Aussteller. Denn sie leisten damit einen konkreten Beitrag zur Entwicklung der jeweiligen Industrie. Sie stärken die Unternehmen, die auf den Messen ausstellen, indem sie deren Netzwerke erweitern, neue Talente sichtbar machen und den Austausch innerhalb der Branche fördern. Und genau darin liegt auch der langfristige Nutzen für Messeveranstalter: Wer seine Aussteller stärkt, stärkt die Branche und damit letztlich auch die eigene Veranstaltung. Am Ende geht es also nicht nur um Gleichstellung oder Networking. Es geht um die Frage, welche Rolle Messen künftig für die Branchen spielen, die sie zusammenbringen. Female Communities sind dafür ein Beispiel. Sie zeigen, wie Messeveranstalter ihre Plattformen nutzen können, nicht nur, um Märkte abzubilden, sondern auch, um sie aktiv mitzugestalten.


