Interview Carina Bauer
„Design ist weit mehr als Ästhetik“
Foto: IMEX Group, David Myers Photography
Foto: IMEX Group, David Myers Photography
Carina Bauer, CEO der IMEX Group, spricht im Vorfeld der IMEX Frankfurt 2026 (19. bis 21. Mai) über Design Thinking, den Ansatz, Freude als KPI zu betrachten und über Wege, um Verständnis, Frieden und demokratische Werte zu fördern.
tw tagungswirtschaft: „Design Matters“ ist der Talking Point der IMEX Frankfurt 2026/27. Wenn Sie „Design“ im Kontext von Meetings und Events in einem Satz definieren müssten: Geht es Ihnen primär um Ästhetik, Prozess, Verhalten – oder Wertschöpfung?
Carina Bauer: Design ist heute der entscheidende Differenzierungsfaktor: In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit knapp und Erwartungen hoch sind, entscheidet Design – visuell, emotional, architektonisch und erlebnisorientiert – darüber, wer heraussticht und wer im Gedächtnis bleibt. Kurz gesagt: Design dient dazu, die Ziele einer Veranstaltung zu unterstützen und echte Wirkung zu erzeugen.
Können Sie ein Beispiel dafür nennen, dass Designentscheidungen Wirkung auf Business Outcomes haben können?
Schon kleine Designentscheidungen können den Geschäftserfolg deutlich beeinflussen. Indem wir für die zentralen Bereiche unserer Messe klare Design-Briefings und Leitprinzipien festlegen, schaffen wir stimmige Umgebungen, die das Gesamterlebnis aufwerten. Wenn etwa die Vision für eine Hosted-Lounge klar definiert ist, können Sponsoren ihr Engagement daran ausrichten und gemeinsam einen konsistent gestalteten Raum schaffen. Aber auch unser Hosted-Buyer-Programm zeigt, wie sich durchdachtes Design auszahlt: Es verbindet verbindlich vereinbarte Geschäftstermine mit Raum für spontane Begegnungen, Inspiration und neue Entdeckungen. So entsteht ein Format, das gleichzeitig effizient und belebend wirkt.
Foto: IMEX Group
Die Flexibilität im Programm ermöglicht es uns zudem, das vertraute Messeformat mit Meetings und Präsentationen an Ständen zu kombinieren. Dieser hybride Ansatz sorgt dafür, dass wir weiterhin hochkarätige Einkäufer und Aussteller für die Messe gewinnen.
Wo werden Besucher:innen der IMEX Frankfurt 2026 ganz konkret merken: IMEX meint Design nicht nur als Programminhalt, sondern als Prinzip?
Beispiel dafür ist unser Hosted-Buyer-Programm. Es ist bewusst so gestaltet, dass es die Effizienz geplanter Meetings mit Raum für spontane Entdeckungen und Inspiration verbindet. Darüber hinaus prägt Design die Atmosphäre und Energie der gesamten Messe – von großen Inszenierungen wie Live-Musik im Atrium bis zu subtilen Details wie Raumdüften. Unser Ziel ist es, immer wieder kleine Momente der Freude zu schaffen, damit sich das Messeerlebnis lebendig, menschlich und einprägsam anfühlt.
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Auch unsere Wellness-Bereiche sind Ergebnis von Design Thinking. Sie sind bewusst als Rückzugsorte gestaltet, an denen Besucher kurz zur Ruhe kommen können. Das ist nicht nur für das Wohlbefinden wichtig, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor: Wer erfrischt auf die Messefläche zurückkehrt, kann sich besser austauschen, vernetzen und produktiv arbeiten. Schließlich spielt Design auch in unserer Nachhaltigkeitsstrategie eine zentrale Rolle – etwa bei der Auswahl der Materialien (z. B. recycelte und wiederverwendbare Teppiche) oder bei Catering-Angeboten mit geringerer CO₂-Bilanz. Ziel ist es, positive nachhaltige Effekte zu maximieren und gleichzeitig ein hochwertiges Besuchererlebnis zu bieten.
Bei vielen Events erleben Teilnehmende „Sameness“ – überall ähnliche Bühnen, ähnliche Panels, ähnliche Lounges. Was ist Ihr Plan, um Unverwechselbarkeit zu schaffen?
Wir gestalten unsere Messen bewusst so, dass sie sich an jeder Stelle frisch, überraschend und eindeutig nach IMEX anfühlen. Ein wichtiger Faktor ist dabei unser Bildungsprogramm: Wir kuratieren Themenstränge, die bewusst neue Perspektiven eröffnen, holen Speaker auch außerhalb der Branche auf die Bühne und greifen Themen auf, die Diskussionen erweitern, statt bekannte Inhalte zu wiederholen. Dadurch bleibt unser Programm relevant, herausfordernd und kreativ inspirierend.
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Auch visuell wird sich die Messe abheben. Unser Designteam entwickelt gezielt eine klare gestalterische Identität – durch Farben, Layouts, Beschilderung und räumliche Gestaltung über alle Bereiche und Berührungspunkte hinweg. Ein weiteres Element ist unser Ansatz, Freude als KPI zu betrachten. Deshalb integrieren wir viele kleine Überraschungsmomente in das Messeerlebnis: Im vergangenen Jahr sorgten etwa Live-Musik, ein riesiges „Malen-nach-Zahlen“-Kunstwerk und eine glitzernde Spiegelbox für Begeisterung und unerwartete Highlights.
Die Region Frankfurt RheinMain ist mit dem Leitthema „Design for Democracy. Atmospheres for a better life.“ World Design Capital 2026. Welche inhaltlichen Brücken sehen Sie zwischen diesem Anspruch und der IMEX? Wie kann aus Ihrer Sicht eine Business-Messe glaubwürdig zu Demokratie und Teilhabe beitragen?
Unsere Branche ist ein globaler Verbindungsmotor. Unsere Aufgabe ist es, Menschen zusammenzubringen und echte Begegnungen zu ermöglichen – gerade in einer Welt, die zunehmend von Distanz geprägt ist. Es gibt kaum einen besseren Weg, Verständnis, Frieden und demokratische Werte zu fördern, als Menschen persönlich zusammenzubringen.

„In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit knapp und Erwartungen hoch sind, entscheidet Design darüber, wer heraussticht und wer im Gedächtnis bleibt.“
Carina Bauer, CEO der IMEX Group
Wenn wir Räume schaffen, in denen sich Menschen willkommen fühlen, in denen sie sich einbringen und austauschen können, unterstützen wir genau jene Prinzipien, die auch die World Design Capital hervorhebt. Deshalb ist es wichtig, persönliche Begegnungen bewusst so zu gestalten, dass sie wirkungsvoll und bedeutungsvoll sind. Unsere Branche hat hier eine große Chance, einen positiven Beitrag zu leisten.
Wo könnten ganz konkrete Synergien entstehen, etwa durch Kooperationen mit der Designszene der Region, Touren, neue Formate oder gemeinsame Projekte?
Solche Synergien sind absolut möglich – und wir arbeiten bereits daran. Ein Beispiel ist unsere Zusammenarbeit mit dem UK Design Council, der sein Fachwissen in einer Reihe von Bildungsformaten auf der Messe einbringen wird. Dazu gehört auch eine Session zur „Green Transition“. Besonders inspirierend ist dabei ihr Ziel, eine Million Designer mit den Werkzeugen auszustatten, die sie brauchen, um unseren Planeten zu schützen.
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Indem wir unsere Branche mit führenden Stimmen aus der Designwelt vernetzen, wollen wir neue Ideen anstoßen, die unsere Teilnehmer anschließend in ihre eigenen Organisationen und Communities tragen.
Wenn internationale Hosted Buyer und Eventplaner:innen nach der IMEX Frankfurt 2026 abreisen: Was sollten sie idealerweise über Frankfurt als Designstandort und über die Rolle von Design in der Eventbranche mitnehmen?
Gutes Design zahlt direkt auf den wirtschaftlichen Erfolg ein – wir sagen oft: „Good design is good business.“ Gleichzeitig schafft es kleine, emotionale Momente der Freude und Verbindung, die lange im Gedächtnis bleiben. Wir möchten, dass unsere Teilnehmer verstehen: Design ist weit mehr als Ästhetik. Es ist ein Werkzeug, um sinnvolle, menschenzentrierte Erlebnisse zu gestalten. Wenn Veranstaltungen bewusst gestaltet werden – mit einladenden Räumen, dialogorientierten Formaten und Momenten, die gemeinsames Verständnis fördern – verbinden wir Menschen aus aller Welt und stärken kulturelles Verständnis und Zugehörigkeit.
Zum Schluss persönlich: Gibt es ein Designprinzip, das Ihre eigene Führungsarbeit bei der IMEX Group prägt?
Design bedeutet, die Menschen im Raum zu respektieren und ein Erlebnis zu schaffen, das effizient, angenehm und wirklich wertvoll ist. Es beginnt mit einer konsequent menschenzentrierten Haltung: zuzuhören, was Aussteller und Einkäufer brauchen – und die Messe genau um diese Bedürfnisse herum zu gestalten. Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, ist sowohl ein zentraler Wert von IMEX als auch ein grundlegendes Designprinzip.