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Hybrid & Co.: Langfristig geplant

In Mainz funktioniert sogar Fastnacht digital. Übertragen über die neue Streaming-Plattform Mainzplus digital, aufgezeichnet im Frankfurter Hof. Foto: Artcut Media, Simon Kirchhof

Hybrid & Co.: Langfristig geplant

In Mainz funktioniert sogar Karneval digital. Übertragen über die neue Streaming-Plattform Mainzplus digital, aufgezeichnet im Frankfurter Hof

Im Zuge der Pandemie haben zahlreiche Kongresshäuser und Hotels technisch aufgerüstet, um virtuelle und hybride Events durchführen zu können. Schaut man nach Mainz oder Osnabrück, sind diese Investitionen durchaus nachhaltig gedacht.

„Diese Investitionen sind nicht nur gedacht, um die derzeitige Krise zu überbrücken“, sagt Susanne Ranglack. „Wir planen langfristig und sind fest davon überzeugt, dass die virtuellen Veranstaltungsmöglichkeiten, die wir jetzt geschaffen haben, über die Pandemie hinaus einen USP für uns als Vermarktungsorganisation darstellen werden“, so Ranglack, die bei Mainzplus Citymarketing für Marketing und PR verantwortlich ist. Die angesprochenen Investitionen sind zum einen die Entwicklung der Streaming-Plattform Mainzplus Digital und zum anderen die Aufrüstung von Locations wie dem Frankfurter Hof oder der Rheingoldhalle zum Produktions- und Aufnahmestudio. „Wir sehen in der Digitalisierung große Chancen und möchten dabei Vorreiter sein, um schließlich wieder Veranstaltungen zu ermöglichen und den Menschen ein Stück Kultur, Spaß und Abwechslung zurück zu geben“, erläutert der Geschäftsführer von Mainzplus Citymarketing August Moderer. „Mit Mainzplus Digital erklimmen wir nun die nächste Stufe und können dabei an die erfolgreiche Umsetzung digitaler Events des vergangenen Jahres anknüpfen. Mithilfe unserer professionellen Produktionsstudios und technischen Services sowie der neuen Streaming-Plattform können wir das ‚Rundum-Sorglos-Paket‘ anbieten und somit die Durchführung von kulturellen und Freizeitveranstaltungen endlich wieder ermöglichen.“

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Die Streaming-Plattform wurde gemeinsam mit der Agentur VRM Digital Communications aufgebaut. Von dort aus werden Produktionen und Beiträge sowohl live als auch on demand übertragen. Zuschauer und Nutzer können die Videos und Beiträge auf der Plattform aufrufen, die Tickets dafür sind mit einem individuellen Zugangscode für die Events versehen. „Bis jetzt haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Susanne Ranglack. „Die Verbindungen waren stets stabil, zur Sicherheit haben wir aber immer mehrere Backup-Systeme laufen.“ Bei einigen Fastnachtsveranstaltungen der Fastnacht-Hochburg Mainz verzeichnete das Team über 10.000 Besucher. „Wir hatten mitunter bis zu 4.000 User gleichzeitig auf der Plattform, das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind." Die nächsten Veranstaltungen, die auf der Plattform durchgeführt werden, reichen von öffentlichen Tanzkursen über geschlossene Formate der Industrie- und Handelskammer bis hin zum DCK – Deutscher Chirurgen Kongress, der vom 13. bis 16. April 2021 erstmals in Mainz stattfinden wird.

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Übertragungsort ist die Rheingoldhalle, in der überwiegend Kongresse produziert und aufgezeichnet werden. Mainzplus Citymarketing kann in allen ihrer vier Veranstaltungshäuser (Rheingoldhalle, Kurfürstliches Schloss, Frankfurter Hof Mainz, KUZ – Kulturzentrum Mainz) verschiedene Standards für virtuelle oder hybride Events anbieten – ermöglicht durch mobile Studios sowie die Zusammenarbeit mit den Technikpartnern WRS Event-Engineering und Flo Service. „Auch Hotels wie das Hyatt Regency direkt am Rhein, das Atrium Hotel oder das Favorite Parkhotel haben inzwischen Studios installiert, damit sind wir in Mainz wirklich hervorragend aufgestellt“, erklärt Ranglack. „Wir arbeiten in Mainz eng mit der Hotellerie zusammen und vermarkten unsere digitalen Angebote über www.mainz-congress.com.“

In Lübeck hat die Musik- und Kongresshalle (MUK) in ihrem kleinen Saal ein eigenes Live-Streaming-Studio eingerichtet. Dort finden bereits seit Dezember 2020 Betriebsversammlungen und Pressekonferenzen statt. In Kooperation mit SG Medientechnik ist so ein professioneller Rahmen für hybride und virtuelle Veranstaltungsformate entstanden. Das Studio im kleinen Saal der MUK, mit seiner modernen und skandinavisch anmutenden Innenarchitektur, ist für unsere Kunden technisch perfekt ausgestattet und bietet eine professionelle Infrastruktur“, sagt Sebastian Gartz, Geschäftsführer von SG-Medientechnik. Für hybride und virtuelle Veranstaltungen hält die Musik- und Kongresshalle Lübeck für einen begrenzten Zeitraum ein umfangreiches Raumangebot bereit und hat die bestehenden Tagungspauschalen um die entsprechenden Technikpakete ergänzt.

Bei hybriden Veranstaltungen können nun etwa in der Musik- und Kongresshalle Lübeck 200 Personen in Präsenz an einem Kongress teilnehmen und 1.500 Teilnehmende digital zugeschaltet sein. „Die Teilnehmenden vor Ort und online auf der digitalen Plattform können gleichermaßen aktiv am Kongressgeschehen teilhaben“, freut sich Geschäftsführerin Ilona Jarabek über diese Möglichkeit.

Auch das Fünf-Sterne Baur au Lac hat den historischen Festsaal „Le Petit Palais“ zum „Studio Baur au Lac“ umfunktioniert. Foto: Baur au Lac

Rund 900 Kilometer weiter südlich hat das bekannte Züricher Luxushotel Baur au Lac den historischen Festsaal „Le Petit Palais“ zum „Studio Baur au Lac“ umfunktioniert. Vorläufig bis Ende April 2021 können Veranstaltungsplaner dort virtuelle Schauplätze bespielen. Wo in dem über 200 qm großen Saal schon Staatsoberhäupter dinierten, sind nun Live-Streamings und Videokonferenzen möglich. Die virtuellen Inhalte werden von der 60 qm großen Studiobühne mit flexibel farblich zu gestaltendem Hintergrund sowie Videoscreens übertragen. Neben state-of-the-art Equipment steht Veranstaltern ein professionelles Team aus Studio- und Streaming-Technikern des Baur au Lac-Partners für Eventtechnik „Bluetrac“ zur Verfügung. „Hotels sind und waren immer die Begegnungsräume von Menschen. Im Zeitalter digitaler Möglichkeiten und durch Zwänge in der gegenwärtig eingeschränkten Bewegungsfreiheit haben technische Entwicklungen sehr rasch neue Formen der Begegnungen ermöglicht. In guter Tradition möchte das Baur au Lac auch bei diesem Innovationssprung seinen Gästen und Kunden neue Möglichkeiten der digitalen und hybriden Begegnungen bieten", sagt Wilhelm Luxem, Direktor des Baur au Lac.

Auch das Crowne Plaza Düsseldorf-Neuss der GCH Hotel Group hat die eigenen „Crowne Plaza Studios“ entwickelt. In Kooperation mit dem Digital-Event-Spezialisten satis&fy entstand ein fest eingerichtetes, professionelles und hybridfähiges Streaming- und Recordingstudio. Zusätzlich stehen Räumlichkeiten für Catering, Maske, Backstage und Meetings sowie Tages- bzw. reguläre Hotelzimmer zur Verfügung. Die Crowne Plaza Studios ermöglichen mittels einer personalisierten Event-App eine Vernetzung der Teilnehmer vor Ort mit den Teilnehmern im Stream, um beispielsweise verschiedene Firmenstandorte miteinander zu verbinden, Fachtagungen zu realisieren und Produktpräsentationen durchzuführen. Dafür stehen drei Full-HD-Kamerazüge inklusive Video- und Tonregie, eine hochauflösende LED-Wand sowie Displays und variabel 3D-Designelemente, eine Studio- und Effektbeleuchtung sowie ein autarkes VLAN mit bis zu 500 Mbit/s bereit.

Das Osnabrücker Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt hat die Zeit der Pandemie dafür genutzt, die seit 2018 geplante Modernisierung zu realisieren. Das ZUK ist ein Veranstaltungszentrum mit 199 Sitzplätzen in Reihenbestuhlung mit ergänzenden Ausstellungs- und Cateringflächen. „Durch die Verbindung von Nachhaltigkeitsansätzen und neuer digitaler Technik können große Schritte in Richtung der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erzielt werden“, erklärt Prof. Dr. Markus Grosse Ophoff den grundsätzlichen Ansatz. „. Bei der Erneuerung der Veranstaltungstechnik haben wir dies berücksichtigt“, sagt der Fachliche Leiter und Prokurist des DBU Zentrums für Umweltkommunikation und zählt die Ziele hinter dem Projekt auf: „Alle Komponenten sollen höchste Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen, die Technik sollte so konzipiert sein, dass sie für viele Jahre nachhaltig nutzbar ist, die Bedienung soll weitgehend durch die Nutzer selbst und ohne einen Veranstaltungstechniker möglich sein, die Schnittstellen für hybride und komplett virtuelle Events sollten fest integriert und einfach nutzbar sein und eine Videoaufzeichnung der Veranstaltungen sollte einfach ermöglicht werden.“ Außerdem sollten die Ausstellungsflächen in das Konzept integriert werden.

Bei der Modernisierung des Osnabrücker Zentrums für Umweltkommunikation (ZUK) wurde die Technik für virtuelle Events nachgerüstet. Foto: ZUK

Das auffälligste Element der neuen Veranstaltungstechnik ist eine hochauflösende (2496 x 1344 Pixeln) LED-Wand in der Größe 6,50 m x 3,50 m im großen Saal. Die energieeffiziente LED-Wand bietet aufgrund des schwarzen Hintergrunds einen deutlich erhöhten Kontrast, weswegen die zur Tageslichtnutzung transparente Decke nicht mehr abgedunkelt werden muss und auch kein künstliches Licht mehr benötigt wird. Die Signalverarbeitung der neuen Medientechnik von Ton- und Bildsignalen ist nun komplett digital ausgeführt, wodurch deutlich weniger Kabel benötigt werden, und die Bedienung erfolgt über Touch-Screen-Panels.

Während bei der Installation digitaler Funkmikrophone oder Laserbeamern auf ein hohe Energieeffizienz geachtet und Schnittstellen zu großen Monitoren im Foyer und für die Abnahme des Tonsignals verbaut wurden, stellen vor allem eine eigene mobile Streaming-Box mit Kameras, Kabeln, Mikrophonen und Rechnern sowie zwei fest installierte Kameras im Saal zu den wichtigsten Neuanschaffungen im ZUK. „Diese bieten einerseits die Möglichkeit Redner auf der Leinwand einzuspielen und sind andererseits mit Streaming-Schnittstellen Richtung YouTube und Facebook versehen, die auf Knopfdruck aktivierbar sind“, erklärt Grosse Ophoff. Ebenfalls ist eine fest installierte Aufzeichnungstechnik von Veranstaltungen implementiert. „An diesem Fallbeispiel sieht man, wie durchdachte Digitalisierung einen erheblichen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit erbringen kann“, freut sich Grosse Ophoff. Man sieht: Auch diese Investitionen sind nicht nur gedacht, um die derzeitige Krise zu überbrücken.

Christian Funk

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