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Die Zukunft des Storytellings

Wer sich mit seinem virtuellen oder hybriden Event von der Masse abheben möchte, kann auf ausgereifte Techniken wie Holografie zurückgreifen. Foto: Experts4Events

Die Zukunft des Storytellings

Wer sich mit seinem virtuellen oder hybriden Event von der Masse abheben möchte, kann auf ausgereifte Techniken wie Holografie zurückgreifen. Foto: Experts4Events

Die Ansprüche an virtuelle Veranstaltungen und Streaming werden anspruchsvoller. Neue Möglichkeiten in professionellen Studios reichen von projizierten Hologrammen in Singapur bis hin zu Augmented-Reality-Anwendungen in München. Es gibt aber auch Studios „to go“.

Normalerweise blickt die Welt im Januar auf ein kleines, verschlafenes Dörfchen in der Schweiz. Auf Davos. Und dort auf das World Economic Forum (WEF). Die weltweite Öffentlichkeit verfolgt dann, wie wichtige Entscheider aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, brillante Köpfe und positive Querdenker über aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen diskutieren, streiten, Lösungen erarbeiten und Zukunftsszenarien entwickeln. Normalerweise. Denn in diesem Winter ist ein Treffen von mehreren tausend Menschen aus aller Welt unmöglich. Auch wenn der Aufwand für das virtuelle World Economic Forum von 25. bis 29. Januar 2021 gigantisch ist und über 140 Online-Veranstaltungen steigen, ist das öffentliche Interesse geringer als sonst. Auch gibt es keine bahnbrechenden Ergebnisse zu vermelden. Vielleicht fehlen der persönliche Austausch, das Netzwerken, das Gespräch an der Bar und die Chemie, die Vertrauen entstehen lässt. Vielleicht ist es das ungewohnte Format oder die Tatsache, dass das Coronavirus alles andere überlagert. Wie auch immer, es wäre nicht die erste Veranstaltung, deren virtuelle Umsetzung nicht alle Erwartungen erfüllt.

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Alle Erwartungen erfüllen könnte dafür aber im Sommer das “World Economic Forum Special Annual Meeting“ von 17. bis 20. August 2021. Für Schwab immerhin eine der wichtigsten Ausgaben seines Forums jemals, beschäftigen sich die Teilnehmer doch dann mit der Frage, wie es nach – oder immer noch mit – der Pandemie weiter gehen soll. „Dieser globale Führungsgipfel ist von entscheidender Bedeutung, um zu erörtern, wie wir uns gemeinsam erholen können", ist er überzeugt. „Eine Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft ist notwendiger denn je, um das Vertrauen wiederherzustellen und die Bruchlinien zu überwinden, die im Jahr 2020 entstanden sind." Dieser Gipfel wird dann keine virtuelle Zusammenkunft sein, sondern ein Treffen vor Ort. Allerdings nicht wie gewohnt am Genfer See, sondern in Singapur, in der Hoffnung, dass der asiatische Stadtstaat das Virus dann eingedämmt hat.

Doch nicht nur die Pandemielage und die allgemein gute Sicherheitslage sprechen für Singapur: Das Global Broadcast Center im Marina Bay Sands, wo das Forum stattfinden wird, ist so etwas wie das Studio der Stunde. Erst zu Beginn des Jahres wurde die Konferenz Convening Leaders von der Professional Convention Management Association (PCMA) aus dem gleichen Studio übertragen.

Alle Erwartungen erfüllen könnte dafür aber im Sommer das “World Economic Forum Special Annual Meeting“ von 17. bis 20. August 2021. Für Schwab immerhin eine der wichtigsten Ausgaben seines Forums jemals, beschäftigen sich die Teilnehmer doch dann mit der Frage, wie es nach – oder immer noch mit – der Pandemie weiter gehen soll. „Dieser globale Führungsgipfel ist von entscheidender Bedeutung, um zu erörtern, wie wir uns gemeinsam erholen können", ist er überzeugt. „Eine Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft ist notwendiger denn je, um das Vertrauen wiederherzustellen und die Bruchlinien zu überwinden, die im Jahr 2020 entstanden sind." Dieser Gipfel wird dann keine virtuelle Zusammenkunft sein, sondern ein Treffen vor Ort. Allerdings nicht wie gewohnt am Genfer See, sondern in Singapur, in der Hoffnung, dass der asiatische Stadtstaat das Virus dann eingedämmt hat.

Doch nicht nur die Pandemielage und die allgemein gute Sicherheitslage sprechen für Singapur: Das Global Broadcast Center im Marina Bay Sands, wo das Forum stattfinden wird, ist so etwas wie das Studio der Stunde. Erst zu Beginn des Jahres wurde die Konferenz Convening Leaders von der Professional Convention Management Association (PCMA) aus dem gleichen Studio übertragen.

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Während die hybride Konferenz tatsächlich mit Besuchern unter strengen Sicherheits- und Hygienebedingungen – etwa separate Zonen mit jeweils 50 Teilnehmern, zugeteilte Zeitfenster für die Registrierung, tägliche Abstrich-Tests – im Caesars Forum in Las Vegas, im Hilton Anatole in Dallas oder Marina Bay Sands in Singapur selbst stattfindet, bildet den Kern der Veranstaltung jedoch ein aufwändiges TV-Streaming mit einer sogenannten Mixed-Reality-Technologie, die im neuen Global Broadcast Centre von Marina Bay Sands möglich ist: Dabei verfolgen die Delegierten im Hybrid Broadcast Studio 2, dem Plenarsaal für die Convening Leaders, und die Zuschauer an den Rechnern eine Mischung aus Live-Übertragungen, die über das zweidimensionale Streaming weit hinaus geht: denn während einige Speaker live auf der Bühne im jeweiligen Veranstaltungsort stehen, werden andere über Bildschirme aus Übersee zugeschaltet und andere wiederum als 3-D-Hologramm auf die Bühne projiziert. Gemischte Realitäten eben, oder wie die PCMA es beschreibt, eine „Omnichannel-Experience“.

Ong Wee Min erklärt den Ansatz: „Das Hybrid Broadcast Studio bietet Live-Streaming in Broadcast-Qualität, Hologramm-Funktionen und eine dreidimensionale Bühne mit einer großen LED-Wand und einem Boden, der atemberaubende Visuals zeigen kann. Die Mixed-Reality hebt das immersive Erlebnis auf ein neues Level“, so der Vice President of Conventions & Exhibitions, MICE im Marina Bay Sands. „Wir haben Anwendungen in Virtual Reality, Augmented Reality, Extended Reality… die Möglichkeiten gehen weit über Streaming hinaus. Wenn ein Speaker im Studio in San Francisco live aufgenommen wird, beamen wir ihn hier sozusagen auf die Bühne. Als wir die Technologie entwickelt haben, hat mir jemand ein Bild geschickt, auf dem R2-D2 aus Star Wars Prinzessin Leja in den Raum projiziert. So in etwa kann man sich das vorstellen.“

„Wir bieten unseren Kunden eine umfassende Plattform für den erfolgreichen Übergang in die hybride Sphäre – mit digitalen Modi, Hologramm-Funktionalitäten und jetzt auch mit Mixed Reality (MR). Durch die Erweiterung unseres Studios mit MR-Technologie bieten wir Veranstaltungsplanern eine Lösung, das virtuelle und persönliche Publikums gleichermaßen zu begeistern. Dies wird das Teilnehmer-Engagement weiter erhöhen und die Content-Creation in wichtigen Communities vorantreiben. Dies ist die Zukunft des Storytellings und wir hoffen, die Branche weiterhin zu inspirieren, die digitale Transformation voranzutreiben und hybride Event-Erlebnisse zu verbessern", so Paul Town, Senior Vice President, Resort Operations, Marina Bay Sands.

Hologramm-Vorträge: Hype oder Trend?

Siegfried Haider, Geschäftsführer experts4events, erklärt in seinem Beitrag "Speaker*innen sollten nachrüsten, Meeting Planner umdenken" für unsere Rubrik „Voices“, warum Holografie mehr als nur ein Trend ist und nach der Pandemie weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Mehr als Streaming war im vergangenen Jahr bereits der Ansatz von Deutschlands Vorzeigekonferenz re:publica, als sie im Mai ins digitale Exil ging und die Plattform republica.TV ins Leben rief. Ein „Multichannel-Husarenstück“ nennt die re:publica das Event im Nachgang. Um sich die Dimensionen vor Augen zu führen: Auf vier Kanälen kommen im Mai an einem Tag 89 Sprecherinnen und Sprecher in über 50 Sessions zu Wort. Insgesamt umfasst das Programm mehr als 70 Stunden Content. Über 100.000 Aufrufe der Livestreams auf den re:publica-Kanälen allein am 7. Mai 2020 haben sogar kurzzeitig den Server der Berliner zum Erliegen gebracht. „Der Druck war hoch! Einerseits wurde uns im Vorfeld bescheinigt, dass ,Wer, wenn nicht die re:publica kann eine große digitale Digitalkonferenz erfolgreich durchführen?‘ und nach unserer Pressekonferenz mit der Ankündigung des TV-Formats kam noch hinzu: ,Die Digitalen erfinden das Fernsehen neu‘“, berichtet re:publica-Geschäftsführer Andreas Gebhard nach dem Format in seiner Kolumne in der tw tagungswirtschaft.

Learnings aus über 400 digitalen und hybriden Events

Die Event-Agentur Vok Dams veröffentlicht ihr neues Whitepaper „Erfolgsfaktoren hybrider und digitaler Events“ und teilt Erkenntnisse aus 439 umgesetzten Veranstaltungen.

Jetzt kann nicht jeder Veranstalter und jedes Unternehmen während der Pandemie nach Singapur fliegen oder das Fernsehen neu erfinden. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn der Technik-Dienstleister Neumann&Müller hat zum Beispiel bereits 2006 das erste Studio für audiovisuelle Content-Produktion in München gegründet und in den folgenden Jahren weitere Inhouse-Studios in Dresden und Hamburg eröffnet. 2019 entstand schließlich der eigene Geschäftsbereich „Digital Media“. Stand zu Beginn das reine Motion-Design im Vordergrund, wurde das Portfolio kontinuierlich um interaktive Anwendungen erweitert. Heute ist diese Expertise wichtiger denn je, sowohl für virtuelle als auch für hybride Veranstaltungsformate.

Green-Screen-Technologie lassen sich Speaker vor jeden beliebigen Hintergrund projizieren. Foto: Neumann&Müller

Das komplett eingerichtete 400 qm große „Digital-Live-Event“-Studio in München bietet im Portfolio des Unternehmens vermutlich die besten Bedingungen für ein virtuelles Event. Der projizierte Rednerhintergrund ist individuell gestaltbar, die Bühne kann mit Live-Augmented-Reality-Anwendungen (z.B. Texte, Zahlen, Grafiken, Diagramme, Gebäude – im Grunde lassen sich 2D- und 3D-Inhalte beliebig animieren) erweitert werden, externe Referenten lassen sich über eine Collaboration Platform einbinden, es gibt eine Zuspieltechnik für den digitalen Content und die angeschlossene Internetleitung schafft 200 Mbit. Alternativ können aber auch Partner-Locations kurzfristig in Studios umfunktioniert werden.

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Neumann&Müller kooperiert dabei mit ganz unterschiedlichen Venues. So etwa mit dem bauwerk.köln in der Nähe der Kölnmesse, wo ein autarkes Studio sowie sechs je 20 qm große Eventboxen bespielt werden können. Im Hoch5, in München können sogar mehrere Streaming-Studios eingerichtet werden – wie zum Beispiel bei der Veranstaltung Bits&Pretzels 2020. Mit drei voll ausgestatteten Studios und fertig gestalteten Streaming-Paketen bietet auch das ICS Internationales Congresscenter Stuttgart die notwendige Infrastruktur für virtuelle Events. Das ICS liegt am Ostende der Messe Stuttgart und somit direkt in Autobahn- und Flughafennähe. Die beiden 1.300 und 390 qm großen festinstallierten Studios im ICM – Internationales Congress Center München auf dem Gelände des Messe München komplettieren schließlich das Studio-Angebot des Technikdienstleisters. Auch vor Ort lassen sich aufwändige Streamings umsetzen. Wie zum Beispiel der Digital Gipfel 2020, den Neumann&Müller für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin umgesetzt hat. Ein Studio „to go“ sozusagen.

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Genau das ist auch der Ansatz von Ralph Mauel und seinem Studio to go. „Unsere Studios sind etwas abseits der Metropolen, daher haben wir ja auch eine kundenfreundliche mobile Lösung“, sagt Mauel, dessen stationäre Studios sich in Zülpich und Obergartzem befinden. Wer in seinem eigenen Unternehmen oder in der eigenen Location veranstalten möchte, zu dem kommt das Team mit der gesamten technischen Ausstattung in die Venue des Kunden, wo dieser dann mittels Green-Screen-Technik virtuell von überall sprechen kann, also vor jeder gewünschten Bild- oder Videoszene. Die Möglichkeiten reichen von einem einfachen Streaming bis hin zu komplexen Umsetzungen. „Das Ganze ist natürlich immer eine Frage des Preises für den Endkunden, aber unsere kleinste professionelle Einheit kostet gerademal 800 Euro für zwei Stunden Sendung“, so Mauel. Sollte ein Kunde umfangreichere Beratung wünschen, verschiedene Perspektiven eingefangen haben oder individuelle Lösungen für Kulissen, kalkulieren wir individuell – je nach Digitalisierungsumfang, Involvieren der Teilnehmer und Dauer sowie personeller Betreuung.“ Dann funktioniert so ein Livestream auch aus einem kleinen verschlafenen Dörfchen.

Christian Funk

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