Kollaboration

Working Out Loud?

Mit Working Out Loud die Perspektiven und dei Kultur verändern: Gruppenbild mit den Organisatoren und Sponsoren der Working Out Loud Conference 2018 von Bosch und Daimler. Foto: Media Daimler

Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie wir (zusammen)arbeiten. Es entsteht eine neue digitale Arbeitswelt, in der sich Menschen treffen und austauschen und sich der Transformation stellen. Wer mitmachen will, muss die Methoden kennen wie Working Out Loud und die Treffpunkte wie den Response Room.

„Ach, ihr seid die mit den Waschmaschinen!“ erzählt Katharina Krentz zu Beginn ihres Vortrags „Working Out Loud@Bosch“ von einer Begegnung am Vortag. Sie ergänzt: „Wir machen auch Bohrmaschinen und sind Automobilzulieferer.“ Allerdings werden Geräte und Maschinen zunehmend smart sein, miteinander vernetzt über das Internet ansteuerbar. Krentz arbeitet bei Bosch im Bereich Corporate Human Resources und dort im Transformation Team & Collaboration Crew. Dort kümmert sie sich um das Thema Zusammenarbeit.

Für Bosch arbeiten knapp 400.000 Mitarbeiter in über 60 Ländern und die gilt es mitzunehmen, wenn sich das klassische Industrieunternehmen ins Zeitalter Industrie 4.0 aufmacht. Wie ernst es dem Technologie- und Dienstleistungsunternehmen ist, liest sich in der Pressemeldung zum Geschäftsjahr 2020, das Bosch trotz Coronakrise und rückläufiger Automobilproduktion positiv abschließt. „Mit Investitionen in wichtige Zukunftsfelder wie nachhaltige Mobilität, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz bauen wir unsere Innovationsführerschaft weiter aus“, sagt Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch. Insbesondere aus der Kombination von Künstlicher Intelligenz (AI) und dem Internet der Dinge (IoT), also „AIoT“, verspricht sich Bosch Wachstumschancen in Milliardenmärkten und will ein führendes AIoT-Unternehmen werden.

Working Out Loud@Bosch

Katharina Krentz, Corporate Human Resources, Transformation Team & Collaboration Crew bei Bosch, und Gründerin Connecting Humans, spricht über neue Arbeitsmethoden und Working Out Loud (WOL), eine Methode, um zu lernen, wie man digital zusammenarbeitet und persönliche virtuelle Netzwerke entwickelt.

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Damit befindet sich Bosch in der größten Transformation seiner 130-jährigen Unternehmensgeschichte und in guter Gesellschaft mit Unternehmen aus eigentlich allen Branchen: Automobil, Energie, Banken und Versicherungen, Medien und ja, Messen und Kongresse. Für viele Unternehmen wird die Gestaltung von Organisation, Arbeitsprozessen und Führung zur großen Herausforderung und Kollaboration ihr Hebel: Fachübergreifend werden Teams aus unterschiedlichen Abteilungen und Bereichen gebildet, deren Mitarbeiter sich mit ihren verschiedenen Stärken, Skills und Sichtweisen einbringen. Kollaboration stellt – anders als die Kooperation – das gemeinsame Ziel über eigene Interessen. Bei Daimler etwa verändert und stärkt das Team #collaborate die vernetzte Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern aller Regionen, Bereichen und Hierarchieebenen und setzt für mehr Agilität und Innovationskraft ein Enterprise Social Network ein, das Daimler Social Intranet.

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Diesen Prozess beschleunigt neben der Digitalisierung die Pandemie im Home Office: Schon nach einem Jahr sind digitale Kollaborationstools eingeführt und erlernt. Sie ermöglichen die Vernetzung, den Austausch und die Zusammenarbeit über Abteilungen, Geschäftsbereiche und Unternehmen hinweg. Prozesse werden transparent, Personen sichtbar: Wer weiß was? Wer arbeitet mit wem woran? Dazu finden unzählige webbasierte Kollaborationsplattformen ihren Einsatz; an Projekten wird über Trello oder Jira gearbeitet, Ideen werden über Miro und Mural gesammelt. Die technische Vielfalt birgt allerdings die Gefahr, dass sich Menschen nicht mehr zurechtfinden. Mitarbeiter entsprechend befähigen wollen das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und das Business Innovation Engineering Center (BIEC) mit ihrer interaktiven, virtuellen Workshop-Reihe „Entwicklungswerkstatt New Normal“.

Entwicklungswerkstatt New Normal | Kollaboration und Vernetzung

In dem Webinar am 12. März 2021 lernen die Teilnehmer Trends zu digitalen Technologien kennen und wie eine effiziente virtuelle (Zusammen-)Arbeit gelingen kann. Inhalte sind: Conferencing, Video, Sharing, Windows 365 und Co.: Welche konkreten Einsatzszenarien stecken dahinter?; Technologien verstehen und einschätzen können; Konkrete Ansatzpunkte für die eigene Organisation definieren und Fallstricke der Umsetzung kennenlernen.

Katharina Krentz kennt diese Gefahr. Die Expertin für digitale Kollaboration beschäftigt sich bei Bosch mit neuen Arbeitsmethoden und folgenden Fragen: Wie haben wir früher gearbeitet und wie arbeiten wir heute? Welche Methode gibt es, um Mitarbeiter zu befähigen, um neue Tools effizient zu nutzen, um zu lernen und maximal Spaß bei der Arbeit zu haben? Eine Antwort ist für sie Working Out Loud (WOL). Working Out Loud ist eine Methode, mit der Menschen lernen, wie sie digital zusammenarbeiten und persönliche virtuelle Netzwerke entwickeln. „Working Out Loud lässt sich schwer übersetzen. Loud steht nicht für Lautstärke, sondern Transparenz, Sichtbarkeit und für uns für digitale Zusammenarbeit", erklärt Krentz. Sie ergänzt: „Wir übersetzen Working Out Loud mit der Fähigkeit und der inneren Haltung vernetzt, sichtbar in einem Netzwerk zu arbeiten – vielleicht sogar über Unternehmensgrenzen hinweg. Definitiv aber über die Grenzen von Abteilungen und Geschäftsbereichen hinweg.“

What is Working Out Loud?

Working Out Loud (WOL) changes the way you relate to yourself, to others and to the work you do. This video describes how the method works, and the benefits for you and your organization.

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Working Out Loud (WOL) beschreibt eine Mentalität der Zusammenarbeit und eine darauf aufbauende Selbstlern-Methode. Den Begriff greift 2010 Bryce Williams auf und stellt in einem Blogpost die Gleichung auf: „Working Out Loud = Observable Work + Narrating Your Work“. Die Menschen sollten nicht nur ihre Arbeit erledigen, sondern andere daran teilhaben lassen, damit alle zusammen dabei lernen und besser werden. John Stepper baut die Methode aus und bringt 2015 das Buch 'Working Out Loud' heraus. Im gleichen Jahr führt Katharina Krentz die WOL-Methode in Deutschland, bei Bosch ein. Sie weiß: „Die Entwicklung zum Software-Unternehmen geht nur über gut vernetzte Mitarbeiter. Wir brauchen Mitarbeiter, die sich in einem Netzwerk bewegen, auch in einem virtuellen Netzwerk.“ Die Working-Out-Loud@Bosch“-Initiative kommt in fünf Jahren auf 6.000 Mitglieder. Bis Mitte 2020 wird Working Out Loud zur größten Graswurzelbewegung bei Bosch und ist seither im HR-Bereich strategisch verankert.

„When you Work Out Loud, your contributions over time build trust and deepen a sense of relatedness, increasing the chances for cooperation and collaboration. You’re more effective because you have access to more people, knowledge, and opportunities that can help you.“

John Stepper, Founder Working Out Loud

Daimler führt Working Out Loud 2016 ein. Aus dem ersten Circle erwächst im Daimler Social Intranet in zwei Jahren eine Community mit 1.100 Followers. 98 Prozent empfehlen die Methode anderen weiter, 100 Prozent haben seither mehr Freude an ihrem Job. Da WOL die Interessen des einzelnen Mitarbeiters mit denen des Unternehmens verknüpft, wird die Methode eine Säule der Strategie DigitalLife@Daimler. 2018 veranstalten Daimler und Bosch die erste unternehmensübergreifende WOL-Konferenz mit dem Motto „Mit Working Out Loud Perspektiven und Kultur verändern“. Mit den 200 Teilnehmern sind alle Hierarchieebenen, Funktionen und Bereiche vertreten. Mittlerweile ist die WOL-Methode in 60 Ländern verbreitet und in Deutschland in Unternehmen wie AUDI, BMW, Bosch, Continental, Daimler, Deutsche Bahn, Deutsche Bank, Telekom und Siemens. Certified WOL-Coaches begleiten die Methode, neben Katharina Krentz sind das etwa Sophia Rödiger, Lead Global Transformation bei Daimler Mobility, Anna-Lena Schmitt, Spezialistin Change Management und Digitale Transformation bei der Deutschen Bahn, aber auch Tanja Müller, Digital Transformation Officer bei der Deutschen Messe.

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„Working Out Loud und Kollaboration bereiten den Weg in die Zukunft“, meint René Proske. Der CEO bei Proske führt seit drei Jahren in seinem LinkedIn-Profil den Subtitel „Let's transform our industry!“. „Mir war mir bewusst, dass sich in unserer Branche Dinge grundlegend ändern müssen – und auch werden“, erinnert sich Proske. Bereits ein Jahr vor Corona, im März 2019, sitzt seine Event-Agentur an der Entwicklung des „Virtual Venue“. Hier arbeiten die 80 Mitarbeiter an neuen Optionen für das Lernen und Arbeiten in virtuellen Räumen und an einem digitalen Zwilling ihres Firmensitzes in Rosenheim.

Co-Creation und Kollaboration sind für Proske das Gebot der Stunde, denn die anspruchsvollen Herausforderungen und komplexen Kommunikationswege sind mit Insellösungen und dem Abstecken von Claims nicht zu lösen. Proske: „Innovationen entstehen vielleicht auch künftig als kreative Individualereignisse, müssen dann aber kollaborativ zur Marktreife, beziehungsweise Alltagstauglichkeit, weiterentwickelt werden.“ Das gelte im besonderen Maße auch für ein mittelständisches Unternehmen mit globaler Ausrichtung wie Proske. Gemeinsam mit internationalen Partnern wie BCD Meeting & Events EMEA arbeitet Proske interdisziplinär an virtuellen Eventplattformen für die Anforderungen einer weltweiten Community von Veranstaltungsplanern, Veranstaltern, Anbietern und Event-Teilnehmern.

„Für mich ist nicht die Frage, ob Kollaboration wichtig ist oder wichtiger wird, für mich ist gelebte und offene Zusammenarbeit die einzige Option, mit der wir den Erhalt der Veranstaltungsbranche sichern können.“

Kristina Kastelan, Convention Manager bei Nuremberg Convention and Tourist Office

Auf Open Innovation, eine Form der Kollaboration, bei der Unternehmen, Organisationen und Institutionen mit Externen zusammenarbeiten, um gemeinsam Innovation zu entwickeln, setzt auch Matthias Schultze. Der Geschäftsführer des GCB - German Convention Bureau sieht in Kollaboration den Schlüssel zur Lösung von Problemen: „Individuen haben Ideen, aber erst im Zusammenspiel mit anderen Menschen und deren Perspektive wird daraus eine Lösung. Dort, wo Menschen zusammenarbeiten und sich austauschen, entsteht Inspiration für Neues. Je offener dieser Prozess und je diverser die Beteiligten, desto größer der Raum für Innovation.“ Plattformen sind für ihn das zentrale Instrument für Kollaboration und Ko-Kreation. Wie ernst es dem GCB mit den Themen Transformation und Kollaboration ist, zeigt die neu geschaffene Stelle Manager Innovation & Digital Transformation, die seit Februar Timothy Aldrich innehat. Zu Aldrichs Aufgaben zählt die Projektleitung des neuen Response Rooms.

Open Innovation Platform "Response Room": Tech Demo

Ein Beispiel für Kollaboration mit anderen Unternehmen sind offene Innovationsplattformen wie der Response Room. Hier arbeiten die Nutzer gemeinsam an einem Thema: Wie sehen Business Events der Zukunft aus?

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Diese offene Innovationsplattform hat das GCB gemeinsam mit der Professional Management Association (PCMA) und der IMEX Group im Januar ins Leben gerufen. Der Response Room bietet ein interdisziplinäres Forum für Innovationen bei Business Events und fördert so Kollaboration und Co-Kreation. Im Bereich Innovation Challenges arbeiten die Nutzer gemeinsam an Herausforderungen. Ziel ist der Aufbau einer globalen Community von Event Professionals, um neue Lösungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Neue Lösungen und Innovationen passieren nicht in geschlossenen Silos, sondern in offenen, agilen Prozessen“, ist Matthias Schultze überzeugt. „Der Response Room setzt ein Zeichen für eine neue Art der Zusammenarbeit", bekräftigt Carina Bauer, CEO der IMEX Group. „Angesichts der Tatsache, dass alte Modelle und Arbeitsweisen auf Schritt und Tritt gestört und in Frage gestellt werden, ist die Zeit reif für echte Innovationen. Der Response Room gibt den Ton für eine neue Art der Zusammenarbeit an. Er wird Macher, Schöpfer, Kollaborateure und Neugierige motivieren."

Kerstin Wünsch

Foto: GCB, Michael Pasternack

"Kollaboration kann Innovation auf ein neues Level heben"

Matthias Schultze, Managing Director GCB German Convention Bureau

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