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Interview Lisa Jeller

„Das eine Rezept zum Erfolg gibt es nicht“

Lisa Jeller, Head of Events & Sponsorship beim Eventtechnologie-Anbieter Eventmobi, über Event-Plattformen, die Plattformökonomie, virtuelle Events und den heiligen Gral der Emotionalität: die Überraschung.

tw tagungswirtschaft: Während der gegenwärtigen Pandemie und der großen Zahl virtueller Veranstaltungen fällt immer wieder der Begriff Plattform. Es gibt Kommunikationsplattformen, Kollaborationsplattformen und sogar komplette Event-Plattformen. Wie kann man das unterscheiden? Lisa Jeller: Der Begriff Plattform bezeichnet eigentlich ein digitales Geschäftsmodell, das Angebot und Nachfrage verknüpft und die Marktakteure im Rahmen der Plattform frei agieren lässt – wie beispielsweise Uber und Airbnb. Allerdings wird der Begriff heute häufig auch zu Marketingzwecken genutzt und erfuhr so eine unfreiwillige Erweiterung der Bedeutung. Grob gesagt bezeichnet eine Plattform eine einheitliche digitale Benutzeroberfläche, die versucht, einen komplexen Prozess abzubilden. Eine Abgrenzung ist nahezu unmöglich, da sich Funktionsweisen und Einsatzgebiete teilweise überschneiden. Alles will Plattform sein, denn ein möglichst hoher Leistungsumfang deckt möglichst viele der Kundenbedürfnisse ab und verhindert, dass unterschiedliche Tools "zusammengestückelt" werden müssen.

Noch einmal zum Verständnis: Welche Plattformen existieren also? Neben den bekannten Aushängeschildern der Plattformökonomie (Uber, Airbnb) gibt es soziale Plattformen (Facebook, Linkedin), Marktplätze (Ebay, Amazon), Contentplattformen (Youtube), Kommunikationsplattformen (Whatsapp, Skype), und viele mehr. Im Eventkontext zeichnet sich beispielsweise eine Eventmanagement-Plattform durch erweiterte Funktionen rund um Projektmanagement, Teilnehmermanagement, Hotel- und Reisebuchung und Statistiken aus, während eine virtuelle Eventplattform sich auf die Abbildung des Eventerlebnisses im digitalen Raum spezialisiert. Weil sich Funktionen oft überschneiden, aber eine Plattform unmöglich alle Bedürfnisse erfüllen kann, ist das Thema der nahtlosen Integration zwischen zwei oder mehreren Plattformen in den vergangenen Jahren in den Mittelpunkt gerückt. Eine Integration erlaubt das nahtlose Fließen von Daten beispielsweise zwischen dem CRM, dem Registrierungssystem und der virtuellen Eventplattform – das spart Zeit und erlaubt einen ganzheitlichen Blick auf die Prozesse.

Ihr bietet eine virtuelle Event-Plattform an. Was muss eine solche Plattform alles können? Der benötigte Funktionsumfang kommt stark auf das Format der virtuellen Veranstaltung an. Die meisten Plattformen bieten Funktionen zur Abbildung von Live-Streams, vorher aufgenommenen Videoinhalten und Videokonferenzen an, welche im Rahmen einer Agenda dargestellt werden. Weitere Funktionen zur Interaktion (Social Walls, Live-Umfragen, Q&A, Live-Chat, News Feeds, Gruppendiskussionen, etc.) sowie zum Netzwerken (Profile, Direktnachrichten, Terminbuchung, Videochat, etc.). Umfangreichere Plattformen wie Eventmobi beinhalten außerdem Registrierung und Teilnehmermanagement sowie Nutzungsstatistiken zur Auswertung des Eventerfolgs.

Für virtuelle Veranstaltungen: Eventmobi stellt neue Plattform vor

Eventmobi, Anbieter von virtuellen Event-Plattformen, präsentiert nach der Durchführung, Betreuung und Auswertung von rund 150.000 Stunden virtuellen Veranstaltungen seine Vision, wie sich die Anforderungen an virtuelle Events verändern und wie Veranstalter mit verschiedenen Event-Formaten ihr Publikum erreichen können. In Form von neuen Funktionen auf der eigenen Plattform.

Wenn man nun verschiedene Dienstleister für ein virtuelles Event einbindet, entstehen da nicht Medienbrüche? Absolut. Aber Medienbrüche begegnen uns sowohl bei Präsenzveranstaltungen als auch im Arbeitsalltag überall. Wichtig ist für den Teilnehmer und für den Eventplaner gleichermaßen, dass Daten fließen und beispielsweise nicht mehrere Logins an unterschiedlichen Stellen des Eventerlebnisses erforderlich sind. Wie kann man die vermeiden? Bereits bei der Auswahl der richtigen Eventplattform sollten Planer darauf achten, dass ein Großteil der Must-Haves, also der unbedingten Anforderungen, abgedeckt werden können, um den Nachsteuerungsbedarf so klein wie möglich zu halten. Ist ein Medienbruch aus konzeptuellen Gründen dennoch nötig, heißt es: Überkommunizieren! Veranstalter müssen in Emails, Videos, Pop-Up-Benachrichtigungen klare Anweisungen und Links geben, damit auch wirklich jeder Teilnehmer weiß, was zu tun ist. Obwohl Plattformen wie unsere maximal benutzerfreundlich entwickelt werden, ist kompetenter und sofort verfügbarer technischer Support während der Veranstaltung essenziell.

Mit welchen Kosten muss man eigentlich rechnen? Um Kostenstrukturen richtig einordnen zu können, sind zwei Einsichten wichtig: Virtuelle Events sind nicht grundsätzlich preiswerter oder weniger aufwendig als physische Veranstaltungen – und sie müssen mehr sein als eine digitale Nachbildung derselben. Wichtig ist außerdem zu erkennen, dass die virtuelle Eventplattform de facto die Location für die virtuelle Veranstaltung ist – von der Bühne, über die Netzwerkräume und die Akkreditierung bis hin zum visuellen Erlebnis im digitalen Raum. Die unterschiedlichen Preismodelle richten sich meist nach Teilnehmerzahl, Funktionsumfang, Admin-Zugängen und Anzahl der Events. Bei Eventmobi setzen wir auf flexible Preismodelle für Veranstaltungen jeder Größe: So startet eine virtuelle Eventplattform für ein einzelnes Event bei 3.500 Euro – dabei ist immer der volle Funktionsumfang enthalten. Flexible Jahres-Abos ab 12.000 Euro erlauben es Organisationen, ihr Eventportfolio nachhaltig um die digitale Komponente zu erweitern, und neben der Jahreskonferenz auch Workshops, Seminare und Mitarbeiterschulungen online durchzuführen.

Kommen wir zur Gestaltung für eine gut durchdachte Plattform meines Events: Muss eine Plattform letztlich genauso funktionieren wie ein Event? Nein. Wir haben im Laufe des Jahres anhand von hunderten Kundenprojekten gelernt, dass jene virtuelle Veranstaltungen besonders erfolgreich sind, die sich konzeptuell den veränderten Seh- und Interaktionsgewohnheiten im digitalen Raum anpassen. Während anfangs aufwändige 3D-Plattformen noch Sicherheit und Vertrautheit boten, ist nun klar, dass sich das Eventerlebnis an das Nutzerverhalten im Browser anpassen muss. Woran kann man sich orientieren? Wo sich physische und virtuelle Events einig sind: Ein starkes Konzept, mitreißende Inhalte und menschliche Begegnungen schaffen Momente, an die man sich gerne erinnert. Konkret kann man sich dabei an digitalen Formaten orientieren, die bereits funktionieren: Emotionalisierende Moderation wie bei YouTube-Kanälen, kurzweilige Dokumentationen im Serienformat wie bei Netflix, Sammeln von Inspiration auf “Mood Boards” wie bei Pinterest, oder der Fokus auf Audioformate wie Podcasts oder Clubhouse.

Und wie schafft man eine gewisse Emotionalität? Emotionen können selbstverständlich auch am Bildschirm übertragen werden – denken wir nur an fesselnde Krimiserien oder wann wir das letzte Mal bei einem Film geweint haben. Dabei kommt es auf die dramaturgische Gestaltung der Inhalte an – schnelle Schnitte, Musik, mitreißende Moderatoren können Emotionen wecken und sich die ungeteilte Aufmerksamkeit der Teilnehmer sichern. Zudem gilt: Bin ich selbst Teil der Veranstaltung, dann verbindet mich etwas emotional damit! Das aktive Mitgestalten von Inhalten, Spiele sowie zufällige Begegnungen können uns bewegen und Glück, Euphorie, Inspiration spüren lassen. Und nicht zu vergessen der heilige Gral der Emotionalität: die Überraschung! Gibt es ein stilprägendes Beispiel? Wir befinden uns noch in einer aufregenden Phase des Experimentierens – das eine Rezept zum Erfolg gibt es nicht. Die beiden globalen Konferenzen 59. ICCA Congress sowie PCMA Convening Leaders sind starke Beispiele dafür, wie man über Länder- und Sprachgrenzen hinaus Communities aufbaut und auch im digitalen Raum einen Mehrwert für alle Stakeholder bietet. Aber es lohnt sich auch, über den Tellerrand zu sehen: Das Tomorrowland-Festival hat es beispielsweise geschafft, die einzigartige Euphorie und Kreativität des Festivals in innovative digitale Inhalte zu verwandeln – und hat dabei ein spannendes Monetarisierungsmodell entwickelt.

Spürt ihr bei Eventmobi bereits Anzeichen einer (geplanten) Rückkehr zu mehr Live-Events? Tatsächlich aktuell noch nicht. Wie es aussieht, werden Veranstaltungen auch 2021 primär online stattfinden. Wir sehen aber ein gesteigertes Interesse an hybriden Events. Hier geht es gerade noch vor allem um das Sammeln von Informationen und Best Practices. Mit der Eventmobi-Plattform kann man aber auch flexibel von virtuell auf hybrid umschwenken, sobald es Lockerungen der Kontaktbeschränkungen gibt – unsere Plattform wurde ja ursprünglich für Mobilgeräte und die Nutzung auf Präsenzveranstaltungen konzipiert. Christian Funk

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