Lessons learnt

Ein Jahr Corona

Die BOE 2021 wird von Januar in den Juni verlegt. Die Zeit bis dahin soll die digitale Eventreihe RoadToBOE überbrücken. Foto: BOE, Wachenfeld

Lessons learnt

Ein Jahr Corona

Foto: BOE; Wachenfeld

Am 28. Februar jährt sich die Absage der ITB Berlin. Seither bestimmt die Pandemie das Veranstaltungsland Deutschland. In den vergangenen zwölf Monaten haben sich Phasen von Lockdown und Lockerung abgewechselt und 2021 beginnt wie 2020 endet: mit großer Planungsunsicherheit. Zeit für ein Zwischenfazit: Was haben wir gelernt?

„Eine mysteriöse Lungenkrankheit ist in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ausgebrochen. Bislang seien 27 Erkrankte identifiziert worden, berichtete die Gesundheitskommission der Stadt am Dienstag…“ Diese erste Meldung über das Coronavirus veröffentlichte die dpa am 31. Dezember 2019. China hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über die ersten Corona-Infektionen in der Region Wuhan informiert. In Deutschland nimmt kaum jemand Notiz. Auch nicht als am 28. Januar 2020 ein erster Fall mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 in Deutschland bestätigt wird und wenige Tage später 16 Personen in Bayern positiv auf das Virus getestet werden.

WHO Coronavirus Disease (COVID-19) Dashboard

Globally, as of 4:03pm CET, 1 March 2021, there have been 113.820.168 confirmed cases of COVID-19, including 2.527.891 deaths, reported to WHO.

Die Bedrohung durch das Coronavirus löst eine weltweite Angst aus. “This is the time for facts, not fear”, sagt Tedros Adhanom Ghebreyesus im Februar 2020. Der Director General der World Health Organization fordert alle Länder auf, Daten, Wissen und Erfahrungen mit der WHO und der Welt zu teilen. Die WHO erklärt zwar den Ausbruch von 2019-nCoV zum internationalen Gesundheitsnotstand, sieht aber zu diesem Zeitpunkt keinen Grund für Maßnahmen, die unnötig in den Reise- und Handelsverkehr eingreifen. Doch nicht nur in China, überall in Asien werden Veranstaltungen abgesagt und vertagt. Bald prüfen Tagungsplaner in aller Welt die Situation, die Klauseln für Stornierung und Rückerstattung. Mit den Absagen des World Mobile Congress 2020 in Barcelona und der ITB Berlin 2020 wird dem letzten Eventprofessional in Europa klar: Das ist ernst! Im Fall der ITB hatte das zuständige Gesundheitsamt in Berlin die Auflagen zur Durchführung der internationalen Touristikmesse weiter erhöht, und die Messe Berlin konnte diese nicht umsetzen. Im März folgt eine Welle an Absagen von Veranstaltungen, Verschiebungen und Verlegungen ins Internet. Der erste Lockdown im Frühjahr findet seine Wiederholung im Winter. Im Sommer und Herbst ändern sich mit dem R-Wert und der Inzidenz ständig die Verordnungen zur Einschränkung des Coronavirus und damit die Vorgaben für Veranstaltungen. Eventplaner stellen um von Präsenz auf hybrid und digital.

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Zu den Auswirkungen des Corona-Virus auf den deutschen Veranstaltungsmarkt hat das Meeting- und Event-Barometer letztes Jahr zwei Szenarien erarbeitet: Ausgehend vom „Lockdown light“ zum Jahresende 2020 geht Szenario 1 davon aus, dass sich der Markt ab Frühjahr 2021 schrittweise, im Sommer etwas stärker erholt und 2021 knapp 40 Prozent der geplanten Veranstaltungen mit ca. 30 Prozent der Teilnehmer stattfinden würden. Szenario 2 prognostiziert eine langsamere Erholung ab Frühjahr 2021 mit einem stärkeren Wachstum ab Herbst. Hier würde in 2021 nur ein knapp ein Fünftel der geplanten Veranstaltungen mit 15 Prozent der erwarteten Teilnehmer umgesetzt. Im Vergleich zu den im Meeting- & Eventbarometer für 2019 erfassten 423 Mio. Teilnehmern würden im ersten Szenario 290 Mio. wegfallen, im zweiten 360 Mio.

Anders als von den Kongressen und Konferenzen in Deutschland gibt es von den Messen genaue Zahlen. Im Jahr 2020 finden nur 114 der geplanten 355 internationalen, nationalen und regionalen Messen statt. Eine Messe, die die Öffnungsphase im Herbst nutzen kann, ist die IFA, vielmehr die IFA 2020 Special Edition. Ihr Hybrid-Format mit dem Motto „Tech is back“. kommt auf 145.900 On- und Offline-Besucher aus 100 Ländern (2019 sind es 238.700). Vor Ort in der Messe Berlin sind es an drei Tagen nur 6.100 Teilnehmer und 150 Unternehmen. 1.350 Aussteller präsentieren sich virtuell im IFA Virtual Market Place und im IFA Xtended Space kurz vor der IFA 2021 vom 3. bis 9. September.

RoadToBOE

Während die BOE im Januar 2020 noch in der Messe Dortmund über die Bühne geht, wird die Internationale Fachmesse für Erlebnismarketing 2021 in den Juni verlegt. In Anlehnung an die Initiative #AlarmstufeRot zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft findet die BOE Red 2021 am 9. und 10. Juni 2021 in Dortmund statt. Die Zeit bis dahin überbrückt die digitale Eventreihe RoadToBOE, darunter am 3. März 2021 der BrandEx-Award: „Ein Abend unter Freunden!“ ab 18.00 Uhr im Live-Stream.

Die Bilanz für das Messejahr 2020 weist wegen der Absagen von rund 70 Prozent der geplanten Messen einen ordentlichen gesamtwirtschaftlichen Schaden aus. Trägt die Durchführung von Messen sonst rund 28 Mrd. Euro zur deutschen Wirtschaftsleistung bei, sind es im letzten Jahr nur sechs Mrd. Euro. Das bedeutet nicht nur erhebliche finanzielle Einbußen für Messeveranstalter, Messebauer und Aussteller, sondern auch für Hotellerie, Gastronomie, Spediteure, Taxifahrer und den Einzelhandel. „Wenn sich diese Entwicklung 2021 auch nur annähernd fortsetzt, dürften in den betroffenen Branchen mehr als 100.000 Arbeitsplätze gefährdet sein“, warnt Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des AUMA.

Laut einer Umfrage unter 427 ausstellenden Unternehmen der Branchen Maschinenbau, Elektrotechnik und Elektronik sowie Optik, Photonik und Medizintechnik der Verbände VDMA, ZVEI, Spectaris und dem Messeverband AUMA im 4.Quartal 2020 nutzen 17 Prozent der Unternehmen aufgrund der Messeabsagen zwar digitale Events, wollen dies aber aufgeben, wenn physische Messen wieder durchgeführt werden können. 48 Prozent wollen auch künftig auf reale Messen setzen, aber weiterhin digitale Ergänzungen nutzen, 14 Prozent sehen rein digitale Events auch dann nicht als Alternative, wenn keine Messen in Präsenz stattfinden und 21 Prozent betrachten virtuelle Präsentationen auch dauerhaft als ernsthafte Alternativen zu realen Messen.

Meeting- und Event-Barometer: Hat die Coronakrise die Einstellung der Anbieter und Veranstalter zur Entwicklung von Trends bereits beeinflusst?

Ein anderes Bild zeichnet das Meeting- und Event-Barometer des Europäischen Instituts für TagungsWirtschaft (EITW) aus dem Mai 2020: 88 Prozent der Veranstalter halten virtuelle Veranstaltungen für zukunftsfähig und ausbaufähig. Nachgefasst im November konstatiert die Studie im Auftrag des GCB – German Convention Bureaus und des EVVC – Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren: „Der Trend zu hybriden und räumlich verteilten Veranstaltungen wird aus der derzeitigen Situation heraus weiterhin wachsen, Menschen werden zu Face-to-Face-Events zurückkehren, die jedoch in vielen Fällen virtuell erweitert werden und somit größere Communities erschließen können.“ Die Anbieter des Tagungs- und Kongressstandortes Deutschland reagieren und investieren in Technik für hybride oder digitale Formate.

Eine Einladung

Denken Sie neu!

Die Veranstaltungswirtschaft ist von den Auswirkungen der Pandemie stark betroffen. Es werden dringend neue Ansätze für Leistungsangebote und Geschäftsmodelle benötigt, welche das Überleben der verschiedenen Akteure sichern, und neuen Nutzen für Kunden stiften. Doch wie kommt man auf neue Ideen?

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Lehren aus 439 hybriden und digitalen Events ziehen die Experten für Events und Live-Marketing von Vok Dams in ihrem Whitepaper „Erfolgsfaktoren hybrider und digitaler Events“. Dafür haben sie unterschiedliche Zielgruppengrößen, Zielsetzungen und Formate in vier Fokusgruppen diskutiert und sechs Erfolgsfaktoren formuliert: #1 Partizipation, Interaktion & Co-Kreation, #2 Autonomie & Selbstbestimmung, #3 Timing der Veranstaltung und Aufmerksamkeit der Teilnehmer, #4 Content – vor, während und nach dem Event, #5 Multisensualität und haptische Momente und #6 Networking und persönlicher Dialog.

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tagungsplaner

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Wohin die Reise gehen kann, schildert Christopher Werth, Director Strategy & Concept bei Vok Dams mit der Überschrift „Erlebnisse im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit“: Herzklopfen, Aufregung und Adrenalin – wie können digitale Events Energien entfalten, die Erfahrungen im realen, physikalischen Raum gleichkommen? Wie ist hier die aktuelle Entwicklung und wohin kann das Ganze uns noch führen?“ Seinen Vortrag auf der Konferenz Immersive X hält er in Virtual Reality und macht das Gesagte für die Teilnehmer erfahrbar. Die Immersive X richtet sich an Entscheidungsträger aus Marketing, Medien und Kommunikation, die lernen wollen, wie neue digitale Technologien die Kulturtechnik des Geschichtenerzählens verändern und wie sich innovative Formen des Storytellings auch in schwierigen Zeiten zielführend für Marken einsetzen lassen.

Dieser Ansatz kommt gerade bei den Jüngeren an. „Ich hatte ein Highlight in Corona“, berichtet ein Teilnehmer von der Immersive X in der Clubhouse-Session „Netzwerken in Zeiten der Pandemie“. „Bei den VR-Sessions, da hatte ich am meisten das Gefühl, dabei zu sein. Du konntest im Keller tanzen und mit Leuten reden. Da hatte ich das soziale Gefühl wie sonst bei Live-Events. Die Kontakte, die ich gemacht habe, waren so nachhaltig wie sonst auch auf Konferenzen.“ Die anderen 30 Teilnehmer, die der Einladung des media:net berlinbrandenburg e.V., ein Netzwerk-Verein der Medien-, Kreativ- und Digitalbranche mit 450 Mitgliedern, im Januar ins Clubhouse gefolgt waren, wollen mehr wissen.

Lektionen aus einem Jahr Corona

Wir haben gefragt: „Ein Jahr Corona – was haben Sie gelernt?“ Und sie haben geantwortet: André Kaldenhoff, Leipziger Messe, Andrea Rose und Silke Frank, Bundesverband Direktvertrieb Deutschland; Michael Graef, Haus der Technik; Marc Mundstock, AXICA Kongress- und Tagungszentrum...

„Ein Digitales Format darf unter keinen Umständen eine Marketingplattform werden, die entsprechende Qualität muss durch gute Inhalte gewährleistet werden“, weiß Ulrike Berendson, Director Events, dfv Conference Group. Als positiv empfindet sie den Schub für hybride und digitale Veranstaltungsformate. Die Umwandlung von Live-Veranstaltungen hin zu hybriden oder digitalen Formaten gelingt bei dfv Conference Group innerhalb kürzester Zeit. „Eine solche Entwicklung hätte es unter ‚normalen‘ Bedingungen nie gegeben. Und schon gar nicht in dieser Geschwindigkeit bei der gegenwärtigen Dynamik“, sagt Berendson.

Als Beispiel für die neue Digitalkompetenz bringt sie die Special Edition Deutscher Hotelkongress & Hotelier des Jahres 2021. Das für den 1. Februar 2021 geplante Live-Event mit zum Thema „Flagge zeigen für die Branche“ muss auf den 12. Juli 2021 weichen. „Da der Kongress aber eine unserer wichtigsten Veranstaltungen ist und ein Pflichttermin für viele Akteure der Branche, haben wir äußerst kurzfristig ein neues digitales Forum zum Deutschen Hotelkongress auf die Beine gestellt“, berichtet Berendson. Dass 1.850 Personen teilnehmen, ist für sie ein starkes Ausrufezeichen, das Chancen bietet: „Durch die Mischung von Live- und Digitalformaten können wir die Community kontinuierlich über das ganze Jahr erreichen. Das ist ein großer Vorteil im Vergleich zu einmaligen Jahreskongressen.“

Beim digitalen Forum zum Deutschen Hotelkongress & Hotelier des Jahres 2021 diskutiert zum Status Quo Hotellerie ahgz-Chefredakteur Rolf Westermann mit Otto Lindner, Vorsitzender des Vorstandes des Hotelverband Deutschland, Susanne Gräfin von Moltke, Vorstandsmitglied, Relais & Chateaux und geschäftsführende Gesellschafterin Gut Steinbach, Christoph Hoffmann, CEO 25hours Hotel, und Marcus Bernhardt, CEO Deutsche Hospitality. Screenshot: dfv Conference Group

Flagge für die Branche zeigt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). Seit Beginn der Corona-Krise ist der DEHOGA in Alarmbereitschaft und warnt unermüdlich vor einer großen Pleitewelle. Etwa Ende Januar, denn zehn Wochen nachdem Hotellerie und Gastronomie schließen mussten, haben viele Betriebe immer noch keine Novemberhilfe erhalten. 75,5 Prozent der Gastronomen und Hoteliers bangen um ihre Existenz. Jeder vierte Unternehmer (24,9 Prozent) zieht konkret die Betriebsaufgabe in Erwägung, so das Ergebnis einer aktuellen DEHOGA-Umfrage. „Unsere Betriebe befinden sich seit dem 2. November im Lockdown und eine Öffnungsperspektive fehlt“, kritisiert DEHOGA-Präsident Guido Zöllick. Die Hoteliers fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, nicht nur wegen der fehlenden finanziellen Entschädigung, sondern der fehlenden Öffnungsperspektive. Eine Öffnungsperspektive will das Forum Veranstaltungswirtschaft (BDKV, EVVC, ISDV, Livekomm und VPLT) schaffen und legt im Februar das „Manifest Restart“ vor, auf dessen Grundlage die einheitliche und verlässliche Planung und Durchführung von Veranstaltungen in Deutschland wieder ermöglicht werden soll. Ziel ist es, Veranstaltungen zu einem sicheren Raum zu machen. Kern des Restart-Manifests ist eine Genehmigungsmatrix, die Themen wie Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen und progressive, inzidenzbasierte Risikostufen definiert, die einem dynamischen Infektionsgeschehen Rechnung tragen. Auf Basis dieser Matrix könnten Veranstalter und Behörden ermitteln, in welcher Risikostufe, unter welchen allgemeinen und besonderen Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen und mit welchen Kapazitäten Veranstaltungen jeweils zulässig sind. Vorangestellt ist ein Formulierungsvorschlag für Verordnungen, in der die matrix-bestimmenden Elemente als Bedingungswerk für die Zulässigkeitsprüfung enthalten sind. Das „Manifest Restart“ und die Genehmigungsmatrix mit Formulierungsvorschlägen zur einheitlichen Umsetzung von Verordnungstexten können hier heruntergeladen werden.

„Manifest Restart“

Mit seinem „Manifest Restart“ will das Forum Veranstaltungswirtschaft (BDKV, EVVC, ISDV, Livekomm und VPLT) eine Öffnungsperspektive schaffen. Auf seiner Grundlage soll die einheitliche und verlässliche Planung und Durchführung von Veranstaltungen in Deutschland wieder ermöglicht werden. Für eine Wiederaufnahme des Veranstaltungsbetriebs sind aus Sicht der Forums Veranstaltungswirtschaft verschiedene Rahmenbedingungen wesentlich.

Der ITB Berlin 2021 und der Messe Berlin nützt das Manifest Restart nichts. Die Touristikmesse erfindet sich vom 9. bis 12. März als virtueller „größter Think Tank“ der globalen Reiseindustrie neu und setzt als ITB Berlin Now das Thema: Rethink. Regenerate. Restart. Tourism for a Better Normal. Interessant für Event Professionals ist der Panel: „Rethink, Rebuild, Relevance“ am 10. März 2021. Es geht um neue Methoden der Kommunikation und die Art und Weise, wie sich Menschen treffen, verbinden und Geschäfte machen.

Kerstin Wünsch

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