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Editorial

Kerstin Wünsch

Chefredakteurin tw tagungswirtschaft kerstin.wuensch@dfv.de

Connecting people

Der 28. Februar 2021 ist für Eventprofessionals zum traurigen Jahrestag geworden. Es ist der Tag, an dem sich die Absage der ITB Berlin 2020 jährt. Seither ist es still geworden an den Orten der Begegnung, in den Messehallen und Kongresssälen. Deshalb sind die Hoffnungen auf den 3. März 2021 groß, wenn sich Bund und Bundesländer über mögliche Öffnungen beraten. Die Diskussion dazu ist längst entbrannt und entlädt sich am Strategiepapier ControlCovid des Robert-Koch-Instituts (RKI). In seinem Stufenkonzept unterbreitet das RKI Vorschläge zu vorsichtigen Lockerungen oder auch Verschärfungen und bewertet in 17 Umgebungen („Settings“) das Infektionsrisiko. Bei „Zusammenkünften in Innenräumen“ bewegt es sich zwischen niedrig und hoch – ja nach Setting und Schutzkonzept. Schutzkonzepte für Veranstaltungen haben die Verbände immer wieder vorgelegt und zuletzt im Verbund das Manifest Restart. Zudem haben die Veranstalter bewiesen, dass sie Business Events entlang der Verordnungen und Vorgaben von Bundesländern und Gesundheitsämtern sicher durchführen. Angesichts von AHA-Regeln, Schnell- und Selbsttests und Impfungen fordert die Branche eine Öffnungsperspektive. Das ist höchste Zeit: Existenzen drohen zu zerbrechen, und wir verlieren den Kontakt zueinander. Unsere beruflichen und persönlichen Netzwerke sind in der Pandemie um fast 16 Prozent oder um mehr als 200 Personen geschrumpft, berichtet der Harvard Business Review. Das bringt ernsthafte Nachteile mit sich: den Einzelnen behindert das in seiner beruflichen Entwicklung, Betriebe in ihrer Kreativität. Nach zwölf Monaten von Social Distancing und digitaler Arbeit, die für viele bleiben wird, müssen wir diese Verbindungen wiederherstellen. Nur wie? Wie viele von Ihnen sitze ich im Home Office. Morgens grüßt das Murmeltier und begleitet mich zum Monitor. Und da sind Sie: Kollegen und Leser, Friends und Followers. Ich tauche ein in eine virtuelle Arbeitswelt mit Tagungen, Teams und Social Networks. Ich erlebe, dass neue digitale Plattformen das Fehlen der persönlichen Begegnung durchaus abfedern können. Es entstehen neue Formen der Vernetzung und Zusammenarbeit – und viele Fragen: Wie arbeiten Menschen künftig und wie arbeiten sie zusammen? Wo tauschen sie sich aus und wo vernetzen sie sich? Diese Fragen beschäftigen uns in dieser Ausgabe und zu unserem ersten Digital Talk „Neue Formen der Kollaboration – Plattformen für #BusinessEvents“. Es sind die ureigenen Fragen einer Branche, die für die Begegnung von Menschen sorgt. Antworten finden wir nur gemeinsam. Einen Ort dafür haben das GCB – German Convention Bureau, die IMEX Group und der Fachverband PCMA geschaffen: den Response Room. Auf der offenen Innovationsplattform können Menschen ihre Challenge einstellen und andere ihre Lösungsvorschläge. So wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Wie können wie ein möglichst interaktives und partizipatives Veranstaltungserlebnis für Online-Teilnehmer schaffen? Im Response Room hoffen die Neurologen auf Ideen und den Austausch mit der Community. Doch wo ist die? Als das GCB den Response Room im Webinar vorstellt, sagen zwei Drittel der 130 Zuhörer: Ja, ich bin bereit, auf einer offenen Innovationsplattform gemeinsam mit anderen an Ideen und Lösungen zu arbeiten. Bisher sind nur wenige zu sehen... Dabei befinden sich Organisationen fast ausnahmslos in der digitalen Transformation und das hat Folgen für ihr Miteinander und ihre Meetings. Bosch etwa baut sich um vom Industrie- zum IT-Konzern. Es ist die größte Transformation in seiner 130-jährigen Unternehmensgeschichte begleitet von der großen Frage: Wie befähigen wir unsere 400.000 Mitarbeiter für den Wandel? Mit neuen Formen der Kollaboration befasst sich Katharina Krentz im Bereich Corporate Human Resources, genauer im Transformation Team & Collaboration Crew, und führt neue Methoden ein wie Working Out Loud (WOL). Working Out Loud? Es ist eine Leserin, die mir auf LinkedIn schreibt: „Hast du schon von Working Out Loud gehört? Da startet ein Zirkel #FrauenStärken, ich dachte das wäre etwas für dich.“ Working Out Loud ist eine Art der Zusammenarbeit und eine Methode zum Selbstlernen. Das macht mich neugierig und ich mache mit – 3.307 (!!!) andere Frauen und 60 Männer auch. Von Januar bis April lernen wir über die Plattform blink.it, hören Vorträge auf YouTube, schreiben uns über Whatsapp und sehen uns auf Zoom. In meinem Circle #69 sind wir vier Frauen aus Branchen wie Automobil und Banking, in unserer LinkedIn-Gruppe sind wir 3.048 und aus allen Branchen. Dort tauschen wir uns aus, unterstützen und wertschätzen uns. Mit jeder Woche wächst unser Wunsch, dass wir uns treffen können. Bis dahin arbeiten wir gemeinsam an unseren Zielen und gehen gestärkt in den Restart.

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