Europäische Kulturhauptstädte

„Sieh das Ungesehene!“

Europas Kulturhauptstädte zeigen, wie sich Städte entwickeln können. Mit der Bewerbung um den Titel beginnt die Auseinandersetzung mit der Stadt, die von der Einbindung Menschen lebt. Chemnitz wählt als Kulturhauptstadt Europas 2025 folglich das Thema „C the Unseen – European Makers of Democracy“. Foto: Ernesto Uhlmann

Kennen Sie Kaunas, Esch und Novi Sad? Die drei europäischen Städte verbindet, dass sie 2022 Kulturhauptstädte Europas sind. Und ein Problem: Sie sind eher unbekannt. Das Leitmotiv der europäischen Kulturhauptstädte will das ändern: Imagewandel durch Kultur.

Europa solle durch die Kultur geeint werden. Davon ist die griechische Schauspielerin, Sängerin und Politikerin Melina Mercouri zu Lebzeiten überzeugt gewesen. 1985 stößt die griechische Kulturministerin die Initiative der Kulturhauptstadt Europas an, um die Menschen zusammenzubringen, Diskussionen zwischen den Bürgerinnen und Bürgern zu fördern und sie an der Gestaltung von Kultur teilhaben lassen. In der Kultur sieht Mercouri einen Ort der Begegnung, der dem „Ich“ ermöglicht, sich durch die Kultur in Zeit und Raum in der Gemeinschaft zu verorten. Ein Thema, das aktueller ist denn je.

Seither vergibt die Europäische Union jährlich den Titel European Capital of Culture – und das seit 2004 an mindestens zwei Städte. Das Programm European Capitals of Culture (ECOC) will den Reichtum und die Vielfalt der Kulturen in Europa hervorheben, die Gemeinsamkeiten der Europäer würdigen, ihr Zugehörigkeitsgefühl stärken und den Beitrag der Kultur zur Entwicklung der Städte fördern. Das europäische Kulturförderprogramm „Kreatives Europa“ unterstützt die Initiative und sieht für jede Kulturhauptstadt Europas 1,5 Mio. Euro vor.

Advertorial

CHEMNITZ: TAGEN IN DER KULTURHAUPTSTADT EUROPAS 2025

Von der Industriemetropole zum Innovationsstandort

Warum sich Ihr Kongress in Chemnitz lohnt:

In Chemnitz treffen Machermentalität, Moderne und Mut zusammen. Hinzu kommen kurze Wege, sanierte und umgenutzte Industriegebäude sowie erstklassige kulinarische Verpflegungsmöglichkeiten. Diese Kombination lässt jede Tagung zu einem Highlight werden. Was wir besonders groß schreiben, ist die Vernetzung. Das bringt neue Impulse für einen Austausch und zukünftige Zusammenarbeit. Wir verknüpfen Themen, bringen Akteure zusammen und schaffen Synergien. Das ist auch der tägliche Anspruch des Kongressbüros der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft. Darüber hinaus finden wir für Ihr Veranstaltungsformat die passende Kulisse – sei es ein historischer Waggon als Bühne inmitten des Straßenbahnmuseums, der Schwerlastfahrstuhl einer Industriehalle als umfunktionierter Workshop-Raum, fußbodenbeheiztes Industriekultur-Ambiente oder das moderne Kongresszentrum. Gastgeber sein, das können wir ebenfalls!

CHEMNITZ: TAGEN IN DER KULTUR­HAUPT­STADT EUROPAS 2025

Von der Industriemetropole zum Innovationsstandort

Warum sich Ihr Kongress in Chemnitz lohnt:

In Chemnitz treffen Machermentalität, Moderne und Mut zusammen. Hinzu kommen kurze Wege, sanierte und umgenutzte Industriegebäude sowie erstklassige kulinarische Verpflegungsmöglichkeiten. Diese Kombination lässt jede Tagung zu einem Highlight werden. Was wir besonders groß schreiben, ist die Vernetzung. Das bringt neue Impulse für einen Austausch und zukünftige Zusammenarbeit. Wir verknüpfen Themen, bringen Akteure zusammen und schaffen Synergien. Das ist auch der tägliche Anspruch des Kongressbüros der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft. Darüber hinaus finden wir für Ihr Veranstaltungsformat die passende Kulisse – sei es ein historischer Waggon als Bühne inmitten des Straßenbahnmuseums, der Schwerlastfahrstuhl einer Industriehalle als umfunktionierter Workshop-Raum, fußbodenbeheiztes Industriekultur-Ambiente oder das moderne Kongresszentrum. Gastgeber sein, das können wir ebenfalls!

Sechs Jahre vor dem Titeljahr fordern die Gastgeberstaaten meist über ihr Kulturministerium ihre Städte auf, sich zu bewerben. Bewerber müssen ein Kulturprogramm vorlegen, das eine starke europäische Dimension hat, zur Beteiligung der Bevölkerung beiträgt – und damit zur Entwicklung von Stadt und Region. Vier Jahre vor dem eigentlichen Titeljahr werden die Städte ernannt und können fortan mit dem Titel und ihrem Kulturangebot werben wie seit letztem Jahr Chemnitz mit dem Titel „C the Unseen – European Makers of Democracy“ und dem Untertitel „Tagen in der Kulturhauptstadt Europas 2025“.

Europäische Kulturhauptstädte 2020 – 2025

2020

Europäische Kulturhauptstadt in Irland (Galway) und Kroatien (Rijeka)

2022

Europäische Kulturhauptstadt in Luxemburg (Esch), Litauen (Kaunas) und Serbien (Novi Sad)

2023

Europäische Kulturhauptstadt in Griechenland (Elefsina), Rumänien (Timișoara) und Ungarn (Veszprém)

2024

Europäische Kulturhauptstadt in Österreich (Bad Ischl), Norwegen* (Bodø) und Estland (Tartu)

*Norwegen ist neben Liechtenstein und Island einer von drei „EWR-EFTA-Staaten“.

2025

Europäische Kulturhauptstadt in Deutschland (Chemnitz) und Slowenien (Nova Gorica)

Corona und Kulturhauptstadt

Im März 2020 müssen die Kulturhauptstädte Rijeka in Kroatien und Galway in Irland alle Veranstaltungen verschieben oder absagen. Sie dürfen ihre Titel bis April 2021 tragen, denn die European Capitals of Culture 2021 fallen aus. Die Unsicherheit bei der Finanzierung, den Sicherheitsvorschriften und Reisebeschränkungen ist zu groß. Betroffen sind Timișoara in Rumänien, Elefsina in Griechenland und Novi Sad in Serbien, mit dem erstmals ein EU-Beitrittskandidat zugelassen ist. Das rumänische Timișoara und das griechische Elefsina rücken ins Jahr 2023 zum ungarischen Veszprém, das serbische Novi Sad ins Jahr 2022 zum luxemburgischen Esch und litauischen Kaunas.

Europäische Kulturhauptstädte 2022

2022 sind es folglich drei Kulturhauptstädte Europas: Esch, Kaunas und Novi Sad. Sie sind die zweitgrößten Städte ihrer Länder und teilen das Problem ihrer Vorgängerstädte: Sie sind weitestgehend unbekannt für Touristen wie Tagungsplaner. Durch seine Kulturhauptstadt-Titel und sein Kulturprogramm erwartet das Städtetrio ein Besucherplus von jeweils 40 Prozent und einen Imagewandel hin zu modernen Kulturmetropolen. Das lässt sich ablesen am Leitmotiv der europäischen Kulturhauptstädte: Imagewandel durch Kultur.

Novi Sad 2022 will mit dem Slogan „Für neue Brücken“ und einem Kalender gefüllt mit 1.500 Veranstaltungen seine 290.000 Einwohnerinnen und Einwohner enger mit der Europäischen Union und den Nachbarländern des Balkans verbinden. Für das Kulturhauptstadtjahr werden stillgelegte Fabriken zu Kunstorten revitalisiert und für Events geöffnet; die Seidenfabrik Svilara wird etwa zur Kunstakademie Novi Sad. „Diese Art von Investitionen in die Kultur hat es in den letzten 50 Jahren oder so in Novi Sad nicht gegeben“, berichtet Nemanja Milenković, Geschäftsführer des „Novi Sad 2022“-Programms in den Euronews.

Esch 2022 mit gerade einmal 36.000 Einwohnern erzählt die Geschichte einer Region, die im 20. Jahrhundert durch Schwerindustrie reich wurde, sich im 21. Jahrhundert durch Kunst in ein Zentrum für innovative und kreative Technologien wandelt und so zu einem attraktiven Kultur- und Städtereise-Ziel wird. Das Motto „Remix Culture“ besteht aus vier Unterthemen: „Remix Art“, „Remix Europe“, „Remix Nature“ and „Remix Yourself“. Sie geben das Programm vor für Theater- und Tanzaufführungen, Festivals, Ausstellungen, Workshops, Performances und digitale Kunst. Bespielt werden Orte wie die „Konschthal“ (Kunsthalle), die in einem ehemaligen Möbelhaus beheimatet ist.

Kaunas 2022: Kultūra į kiemus (Kultur in den Höfen)

„Kultur in den Höfen" ist, eingeführt im Lockdown, ein Teil des Programms „Fluxus Labs!" im Rahmen von Kaunas‘ Kulturhauptstadtjahr. Das Projekt umfasst zwölf kulturelle Darbietungen in den Höfen von Wohnhäusern in Kaunas, die sich an die Bewohnerinnen und Bewohner richteten. Während jeder Vorstellung war das Publikum eingeladen, in seinen „VIP-Logen“, den Balkonen, Platz zu nehmen und das kulturelle Geschehen zu verfolgen.

Neuer Mythos für Kaunas 2022

Kaunas 2022 wählt das Thema „From temporary to contemporary“, das den Weg zum Erwachen der Stadt und ihrer 295.000 Menschen aufzeigen soll. In der Stadt am Zusammenfluss von Memel und Neris reihen sich Gebäude aus dem Mittelalter an Bauten der Moderne, darunter 44 aus dem europäischen Kulturerbe. Die Feier des Aufstandes und die Gestaltung der neuen Geschichte sind die Hauptthemen für 2022. Es ist das größte Co-Creation-Festival, das mit der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres am 22. Januar 2022 beginnt. Zeit, Geld und Ideen sind darauf ausgerichtet, die Menschen an die Kultur heranzuführen. Kaunas 2022 versteht sich als Bildungsprojekt, durch das die Mitwirkenden neue Kompetenzen erwerben und so die Kontinuität des Projekts gewährleisten. Im Kalender stehen mehr als 40 Festivals, 60 Ausstellungen, 250 Bühnenveranstaltungen und Konzerte.

Das Kulturhauptstadtjahr will durch ein neues Narrativ einen Mythos für die Stadt schaffen: Das mythische Ungeheuer von Kaunas wird sich in einer Trilogie im Jahr 2022 entfalten, bestehend aus der „Konfusion“ im Januar, dem „Zusammenfluss“ im Mai und dem „Vertrag“ im November. Diese drei Hauptereignisse werden von Künstlern aus Litauen und dem Ausland mitgestaltet und beziehen die Ideen historischer Persönlichkeiten aus Kaunas in ihre neuen Arbeiten ein. Bestehende Festivals wie das CityTelling Festival, welches das multiethnische Gedächtnis von Kaunas wiederaufleben lässt, sollen ihren Höhepunkt erreichen. Weiter im Programm das Kulturhauptstadtforum im Mai und das Kaunas Design Event zur Feier seines Titels als UNESCO Creative City of Design im Oktober.

Kaunas 2022: Mission, vision and method

The mission of “Kaunas 2022” is to be a mediator and networker in this journey of change. The organization aims at the union of cultural organizations and creators in the Kaunas region, Lithuania and Europe for a common goal: a process that reveals the diversity of European cultures and our local identity in it, which would involve local people and partners from various sectors.

The Vision of the European Capital of Culture project: With this project, it is aimed to make Kaunas and Kaunas district famous in Europe as:

  • a place of happy people and positive experiences;
  • a community that accepts its history and is open and culturally active, together with young people empowered to build the future;
  • a place with the quality, diversity, and accessibility of culture for all;
  • a city with the unique architecture and design as well as the ability to innovate heritage;
  • a strong cultural sector networking in Europe and the world;
  • a tourist attraction, interesting due to the current contemporary culture and art;
  • a city that first invented and formed a new legend for itself in modern times, and continues to live happily ever after.

The Methods: Co-creation, participatory culture, local and international cultural partnerships, intersectoral (cultural and scientific, business, educational sectors) partnerships, the involvement of residents in cultural and artistic development processes, creation of modernity by knowing one’s roots, history, and uniqueness, openness, love of city and place where we live.

Rückblick auf Weimar 1999

Vor 23 Jahren war Weimar Kulturhauptstadt Europas 1999. Ulrike Köppel erinnert sich gut an das Jahr voller Ereignisse mit insgesamt 180 Projekten, etwa die Errichtung der Kopie des Goethe-Gartenhauses. Heute betrachtet die Geschäftsführerin der Marketinggesellschaft der Stadt Weimar und des congress centrums weimarhalle das Kulturhauptstadtjahr als „einen Aufbruch in eine neue Ära“ sowohl für den Tourismus- als auch den Tagungsstandort. „Weimar spielt seither in der Liga der großen Kulturstädte und Kongressorte“, sagt sie. Dazu trägt das congress centrum weimarhalle maßgeblich bei. Die 1931 gebaute historische Weimarhalle wird 1998 abgerissen und 1999 durch das congress centrum weimarhalle ersetzt. Es ist eines von über 20 öffentlichen Investitionsprojekten im Vorfeld des Kulturstadtjahres. „In der Rekordzeit von eineinhalb Jahren entstand am historischen Standort der Neubau nach den Plänen von Gerkan, Marg und Partner – heute wäre das in dieser Zeit unmöglich“, bemerkt Köppel.

Die congress centrum weimarhalle ist eines der öffentlichen Investitionsprojekte im Rahmen des Kulturstadtjahres Weimar 1999. Foto: Thomas Müller, weimar GmbH

Weimar firmiert als „Kulturstadt Europas“ und demonstriert selbstbewusst, dass die Bauhaus-Stadt damals wie heute europäische Bedeutung hat. Köppel: „Wie vor 200 oder 100 Jahren gehen heute gesamtgesellschaftliche Impulse von Weimar aus. Diese Bedeutung ist für viele Tagungsveranstalter Grund genug, ihre Veranstaltung in Weimar anzusiedeln. Die beispiellose Häufung von kulturgeschichtlichen und politischen Ereignissen zieht Interesse auf sich – nicht zuletzt das der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.“ Dass Chemnitz in drei Jahren Kulturhauptstadt Europas 2025 wird, freut sie sehr. „Chemnitz wird den Titel nutzen, um ähnlich wie Weimar damals neu aufzubrechen“, ist sich Köppel sicher – auch dass sie nach Chemnitz fahren wird, und nicht nur einmal.

Foto: Matthias Eckert, weimar GmbH

„Das europäische Kulturhauptstadtjahr war ein Aufbruch in eine neue Ära – sowohl im Tourismus als auch für den Kongressstandort.“
Ulrike Köppel, Geschäftsführerin der Marketinggesellschaft der Stadt Weimar und des congress centrums weimarhalle

Ausblick nach Chemnitz 2025

Deutschland stellt 2025 nach 1988 (West-Berlin), 1999 (Weimar) und 2010 (Essen/Ruhrgebiet) zum vierten Mal eine Kulturhauptstadt Europas. Im gleichen Jahr trägt auch Nova Gorica in Slowenien den Titel „Kulturhauptstadt Europas“. Im Dezember 2019 stehen Chemnitz, Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg in der Endauswahl im Wettbewerb für die deutsche Kulturhauptstadt Europas 2025. Beworben hatten sich außerdem Dresden, Gera und Zittau. Chemnitz setzt sich durch – trotz und auch wegen der gewalttätigen Ausschreitungen von Rechten und rechtsextremen Gruppen im Jahr zuvor. Das Bid Book will ein neues Kapitel aufschlagen und überzeugt mit seinem Konzept. „C the Unseen – European Makers of Democracy” antwortet auf die Frage, wie kulturelle und bürgerliche Beteiligung gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken können. Im Mittelpunkt steht die Aktivierung des Menschen als „Macher:in“ – eine kreative und selbstwirksame Person, die ihr Können und Wissen in die Gestaltung ihres gesellschaftlichen Umfelds einbringt. Diese Eigenschaft liegt oft im Verborgenen, steht in der Bewerbung geschrieben – wie vieles in Chemnitz und der Region, das sich erst bei genauerem Hinsehen offenbart.

Der Weg zum Titeljahr gleicht einem Stadtentwicklungsprozess, dessen Programm 65 internationale Großprojekte und Hunderte kleine Initiativen vorsieht, welche die Bevölkerung in Chemnitz und Mittelsachsen genauso einladen wie Gäste aus aller Welt. Dem Langzeitziel, Chemnitz als Macherstadt zu etablieren, sind im Bid Book KPIs (Key Peformance Indicators) hinterlegt: Zwischen 2023 und 2026 sollen 80 Mio. Menschen den „Maker-Space“ besuchen und 2,4 Mio. Menschen am Kulturprogramm teilnehmen. Der Tourismus soll in den Jahren 2024 bis 2026 jährlich um 25 Prozent wachsen. Unter dem Strich sollen für jeden eingesetzten Euro mindestens drei Euro zurückfließen. Am 2. Juli 2021 unterzeichnen die damalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Ministerpräsident Michael Kretschmer und Oberbürgermeister Sven Schulze die Vereinbarung zur gemeinsamen Finanzierung der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025. Damit stehen insgesamt rund 66 Mio. Euro von Bund, Land und Stadt bereit, die einen Teil des Gesamtbudgets von 91 Mio. Euro ausmachen. Der Bund beteiligt sich mit bis zu 25 Mio. Euro, das Land Sachsen mit 20 Mio. Euro und Chemnitz mit mindestens 21 Mio. Euro. Zur Entscheidung der Kulturministerkonferenz für Chemnitz sagt Oberbürgermeister Sven Schulze: „Wir werden 2025 ein guter Gastgeber für Europa sein und mit Europa darüber sprechen, wie wir die gemeinsamen wichtigen Themen angehen wollen.“

Diese wichtigen Themen zeigt das Motto von Chemnitz 2025 auf: „C the Unseen“. Es spielt darauf an, dass Chemnitz fast immer im Schatten anderer größerer Städte gestanden hat, es aber viel zu entdecken gibt, sagt Sören Uhle von der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft (CWE). Der Geschäftsführer versteht das Motto als Aufforderung: „Sieh das Ungesehene!“ Uhle: „Es geht um Ostmoderne, also um das Erbe osteuropäischer Kultur. Es geht um Nachbarschaften. Darum, wie wir miteinander umgehen, uns begegnen und auch andere Meinungen aushalten können.“ Die Chemnitzer sehen das Kulturhauptstadtjahr als ein Entwicklungsprogramm, denn über Kulturhauptstädte wird international gesprochen, sie locken interessierte Menschen an und Gäste, die wiederum für Einnahmen in der Stadt sorgen. „Ob Büroerweiterung oder Neubau, ob Engagement im Rahmen einer Veranstaltung oder Kooperation bei einer Ausstellung: Kulturhauptstadt schafft neue Beziehungen ungeahnten Ausmaßes und der Titel trägt maßgeblich dazu bei, dass sich Menschen mit der Stadt auseinandersetzen“, erklärt Susan Endler, Marketingleiterin der CWE. Sie ergänzt: „Das tut der Wirtschaft gut, der Gesellschaft und führt zu einem Dialog, wie die Stadt auch zukunftsfähig bleiben kann.“

Garagen-Campus in Chemnitz zum Kulturhauptstadtjahr 2025. Foto: Ernesto Uhlmann

All das zahle auf das Konjunkturprogramm ein und damit auf das Kongressgeschäft. „Durch den Titel wird Chemnitz interessant für Gruppen, die die Stadt noch nicht für ihre Veranstaltung auf dem Schirm hatten“, meint Endler. „Man erreicht ein neues Publikum, und diese kommen vielleicht schon vor dem Programmjahr 2025 – um dann noch einmal wiederzukommen.“ Das führt zu einer breiten Vernetzung, von welcher die Stadt lange profitieren wird. Die Chemnitzer Convention Community nutzt Chemnitz 2025, um die Kongresskultur neu- und weiterzudenken, etwa die Expertise des Innovations- und Wissenschaftsstandorts zu einzubinden oder die Kultur- und Kreativszene, um neue Formate zu erfinden. Zudem bietet Chemnitz viele Veranstaltungsstätten, die es getreu dem Motto „C the Unseen“ gilt, sichtbar zu machen. Das Kongressbüro der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft findet für jede Veranstaltung die passende Kulisse – sei es der Schwerlastfahrstuhl einer Industriehalle als umfunktionierter Workshop-Raum, fußbodenbeheiztes Industriekultur-Ambiente oder die von lokalen Künstlern gestalteten Räume im neuen, nachhaltigen Carlowitz Congresscenter. Das im Oktober 2020 eröffnete „Zentrum für Wissen und Gewissen“ direkt an der Stadthalle Chemnitz in Citylage bietet acht Säle und Foyers.

Als Raumgeber für Kultur, Diskurs und Zukunftsthemen bietet das Carlowitz Congresscenter dem Kulturhauptstadtjahr eine Bühne, in dessen Gestaltung die Akteure des Hauses aktiv eingebunden sind. Allen voran Dr. Ralf Schulze. „Wir spüren, dass das Interesse da ist, die Stadt und u.a. unser neues, nachhaltiges Carlowitz Congresscenter Chemnitz kennenzulernen“, berichtet der Geschäftsführer der C³ Chemnitzer Veranstaltungszentren. Zu diesen zählen neben dem Carlowitz Congresscenter die Stadthalle Chemnitz, die Messe Chemnitz, das Wasserschloss Klaffenbach und das Stadion an der Gellertstraße. Schultze: „Durch den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt bekommen wir ganz neue internationale Aufmerksamkeit, auch im Tagungs- und Kongressbereich. Internationale Veranstaltungsformate, für die Chemnitz sonst vielleicht nicht in Betracht gekommen wäre, finden bei uns sehr gute Bedingungen.“

Kerstin Wünsch

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