Foto: HTW Berlin

Editorial

Kerstin Wünsch

Chefredakteurin tw tagungswirtschaft kerstin.wuensch@dfv.de

Haben Sie die „German Angst“?

Im Februar haben Dänemark, Schweden, Norwegen und die Niederlande ihre Corona-Auflagen praktisch fallen lassen. Mit der Schweiz und Österreich folgt auch Deutschland, allerdings in drei Schritten. Dazu haben Bund und Länder einen 3-Stufen-Plan zur Lockerung der Maßnahmen beschlossen. Für Event-Professionals wird es ab 4. März interessant. In der Hotellerie gilt dann die 3G-Regelung, für Großveranstaltungen aber weiterhin die 2G- oder 2G-Plus-Regel. Zu Veranstaltungen in Innenräumen dürfen nicht mehr als 6.000 Personen kommen und die Räume nur auf eine Auslastung von 60 %. Wenn es die Situation im Gesundheitssystem zulässt, werden bis 20. März 2022 die weitreichenden Corona-Regeln zurückgefahren.

Das Forum Veranstaltungswirtschaft reagiert auf die Beschlüsse erleichtert, sieht darin aber nicht den erhofften Befreiungsschlag. „Der schwammige Begriff der tiefgreifenden Beschränkungen lässt viel Spielraum für Spekulationen. Für unsere Häuser sind Kapazitätsbeschränkungen tiefgreifend. Ob das die Beschlüsse hergeben, konnte auch in der PK trotz direkter Frage nicht klargestellt werden“, bemängelt Timo Feuerbach, Geschäftsführer des EVVC – Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren. Darüber hinaus sei absehbar, dass die Bundesländer die Beschlüsse sehr unterschiedlich umsetzen werden. Feuerbach: „So etwas hilft nicht, sondern macht einen regulären Veranstaltungsbetrieb unmöglich.“

Für die Umsetzung der Beschlüsse sind die Länder zuständig. Die Übersicht der Corona-Regeln verdeutlicht in der Spalte „Öffentliche Veranstaltungen“ die Regelungsspanne von 3G bis 2G-Plus. In seinem Blogbeitrag „Europe’s Exhibition industry reopens: a country-by-country overview“ geht der globale Messeverband UFI auf Deutschland und die unterschiedlichen Vorgaben der Bundesländer ein – mit dem Zusatz: „However, legislation in the 16 states changes very frequently.“

Unser föderales System könnte hier zum Nachteil im internationalen Wettbewerb werden. Schließlich öffnen unsere Nachbarn landesweit einheitlich und nicht scheibchenweise. Für Dänemark versichert Kit Lykketoft, Direktorin im Copenhagen Convention Bureau, dass die Aufhebung der Corona-Beschränkungen für alle Arten von Geschäftsveranstaltungen gilt.

“All, yes all, restrictions in Denmark lifted from 1 February. Covid is no longer considered a societal threat.”

Kit Lykketoft, Director of Copenhagen Convention Bureau

Bislang sind in Deutschland mehr als 100 der 390 für dieses Jahr geplanten Messen abgesagt oder verschoben worden. Anders als in den beiden Vorjahren wird versucht, die Shows zu verlegen, wie etwa die IMEX 2022 in Frankfurt vom 26. bis 28. April auf den 31. Mai bis 2. Juni 2022. Die Monate März und April scheinen viele Planerinnen und Planer abgeschrieben zu haben. Die Sorge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sei zu groß – gerade der Deutschen. Das sagt mir ein Geschäftsfreund aus Großbritannien und fragt mich nach der „German Angst“. „German Angst?“ ... Haben Sie die „German Angst“? Ich nicht. Und ich gehe wieder auf Business Events. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass sich unser Kalenderjahr bei Präsenzveranstaltungen auf Mai bis September, allenfalls Oktober, verkürzt. Als Branche müssen wir alles dafür tun, damit wir das Vertrauen der Menschen in Kongresse und Messen zurückgewinnen. Das gelingt am besten, wenn wir uns treffen. Sehen wir uns (spätestens) zur IMEX 2022 und zur Konferenz She Means Business – a conversation for all?

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